Bitcoin

Kryptowährung über 23.000 Dollar Warum der Bitcoin neue Rekorde bricht

Stand: 17.12.2020 16:19 Uhr

Die bekannteste Kryptowährung befindet sich weiter im Höhenflug. Nun hat sie ein neues Rekordhoch markiert. Was sind die Gründe - und wie groß ist das Risiko eines Absturzes?

Von Till Bücker, tagesschau.de

Die Rekordjagd des Bitcoin setzt sich fort. Am Donnerstag übersprang die digitale Währung die Marke von 23.000 US-Dollar. Auf der Handelsplattform Bitstamp verzeichnete sie zeitweise einen Wert von 23.777 Dollar - ein neues Rekordhoch. In dieser Woche konnte der Bitcoin damit mehr als 5000 Dollar nach oben klettern.

Das sah zu Beginn der Corona-Krise noch ganz anders aus. Zwischen Mitte Februar und Mitte März war der Kurs um über 50 Prozent eingebrochen auf magere 4895 Dollar. Mittlerweile hat sich der Wert trotz kleinerer Schwächephasen fast verfünffacht - allein seit Anfang November rauschte ihr Preis um fast 73 Prozent in die Höhe.

Bitcoin Chart

Der Bitcoin hat am Donnerstag ein neues Rekordhoch erreicht.

"Meilenstein in der Geschichte von Bitcoin und Co."

"Die Eroberung der symbolträchtigen Schwelle von 20.000 Dollar ist ein Meilenstein in der Geschichte von Bitcoin und Co. und darf als Dosenöffner für den Eintritt in den Mainstream angesehen werden. Nun scheinen endgültig alle Dämme zu brechen", schreibt Bitcoin-Experte Timo Emden vom gleichnamigen Analysehaus.

Mit der Entscheidung der amerikanischen Notenbank Fed, nicht von ihrer ultralockeren Zinspolitik abzurücken, sei das Bitcoin-Fieber endgültig ausgebrochen. Die Kursdynamik zeige, dass nun ein nicht unbedeutender Teil der Anleger schlichtweg Angst habe, etwas zu verpassen. "Die Anleger sehen den Bitcoin vor allem verstärkt als Wertaufbewahrungsmittel an", meint Emden.

Gleichzeitig warnte der Experte vor Kursschwankungen: "Die Kauflaune ist offensichtlich derzeit nur schwer zu bändigen, was im Gegenzug die Volatilität erhöht." Damit wachse auch das Potenzial von kräftigen Rücksetzern.

PayPal-Pläne sorgen für Nachfrage

Tatsächlich zeigt die Vergangenheit, dass der Kurs äußerst schwankungsanfällig ist. Ende November etwa hatte der Bitcoin binnen 24 Stunden mehr als 3000 Dollar verloren. Ein Engagement ist daher mit extremen Risiken verbunden. Kritiker sehen darin den entscheidenden Grund, warum das Digitalgeld als Zahlungsmittel sowie als Anlagegegenstand ungeeignet sei. Hinter der Cyber-Devise steht kein Staat oder Notenbank, die bei Bedarf eingreift. Hier regeln allein Angebot und Nachfrage den Kurs.

Experten nennen mehrere Gründe für die Kletterpartie des Bitcoin. Bis heute schwingt die Ankündigung des Zahlungsdienstleisters PayPal mit, digitale Währungen als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Anleger spekulieren, dass dieser Schritt hin zu einer kommerziellen Verwendung dem Bitcoin einen weiteren Schub versetzt.

Eine einfache Handhabung könnte die Akzeptanz des Bitcoin erhöhen. PayPal-Kunden in den USA können künftig über die Plattform Bitcoin kaufen, verkaufen und sie aufbewahren, wie der US-Konzern im Oktober mitteilte. Ab Anfang 2021 soll es zudem möglich sein, bei Händlern via PayPal mit Kryptowährungen zu bezahlen.

Profi-Investoren pumpen Geld in den Markt

Nicht zuletzt diesem Ereignis wird es zugeschrieben, dass sich immer mehr professionelle Investoren wie größere Vermögensverwalter oder "Family Offices" für den Kryptomarkt interessieren. Zuletzt sprang Guggenheim Partners auf den Zug auf - ein US-Vermögensmanager, der für Anleger weltweit fast 300 Milliarden Dollar anlegt.

"Im Gegensatz zu früheren Anstiegen scheint dieses Mal ein wichtiger Preistreiber der Strom institutioneller Investoren zu sein, die ihr Engagement in Bitcoin und anderen Kryptowährungen stetig erhöhen", sagte Nigel Green, Chef der internationalen Finanzberatung deVere.

Immer mehr deutsche Banken, Firmen, Emittenten und Börsen bänden zudem die digitale Währung ein, hatte der Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management, Philipp Sandner, bereits Mitte November im Gespräch mit tagesschau.de erklärt. Neben Preisschwankungen und Cyber-Kriminalität bringe der Bitcoin auch einige Vorteile mit: die weltweite Nutzbarkeit sowie eine direkte, günstige und schnelle Transaktion. Auf diese Art fließe zusätzliches Geld in den Markt.

Prof. Philipp Sandner

Philipp Sandner ist Leiter des Blockchain-Centers an der Frankfurt School of Finance & Management.

Anleger suchen nach Alternativen

Zur positiven Entwicklung dürfte auch zu einem großen Teil die Corona-Pandemie beigetragen haben: Aufgrund der extrem lockeren Geldpolitik vieler Notenbanken und der immensen Geldschwemme in Form von Staatshilfen fürchten einige Anleger eine mittel- bis längerfristig hohe Inflation.

Das könnte das Interesse an Anlagealternativen beschleunigt haben. Ein Teil der Anleger, die traditionellen Währungen wie Dollar und Euro kritisch gegenüber stehen, nutzen den Bitcoin als Absicherung gegen eine hohe Geldentwertung, was von einigen Fachleuten jedoch kritisch gesehen wird.

Die digitalen Münzen können durch das Bereitstellen von Rechenleistung in der Blockchain "geschürft" werden. Im Code ist eine Art Inflationsschutz eingebaut. Es gibt eine fixe Obergrenze von 21 Millionen Einheiten. In regelmäßigen Abstand wird die Menge der angegeben Bitcoin automatisch halbiert - zuletzt im Mai.

Kommt der "digitale Euro"?

Auch Debatten um E-Währungen wie den "digitalen Euro" seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) gelten als Treiber der Kryptobranche. Die Spekulationen über einen baldigen Marktstart der Facebook-Internetwährung Libra gelten als weiteres Argument. Die "Financial Times" hatte berichtet, dass die Internetwährung des Online-Netzwerks im Januar 2021 starten könnte.

Als entscheidend für die langfristige Nachfrage nach Kryptowährungen gilt jedoch die Regulierung. Dort gab es zuletzt Fortschritte. Die EU-Kommission schlug Ende September einheitliche Regeln vor, die Ende 2022 umgesetzt werden und damit mehr Sicherheit für Anleger schaffen könnten. Eine Sicherheit vor Kursverlusten kann die Regulierung indes nicht bieten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2020 um 23:37 Uhr.