Verschiedene Kryptowährungen | picture alliance / NurPhoto

Kryptowährungen vs. Gold Taugt Bitcoin als Inflationsschutz?

Stand: 05.11.2021 10:58 Uhr

Kryptowährungen wie Ethereum und Bitcoin befinden sich im Aufwind. Anhänger sehen in ihnen das digitale Äquivalent zu Gold - Inflationsschutz inklusive. Nicht alle Experten teilen diese Meinung.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

An den Kryptomärkten herrscht - mal wieder - Aufbruchsstimmung. So hat die zweitgrößte Cyber-Devise Ethereum erst zur Wochenmitte bei gut 4600 Dollar ein Rekordhoch markiert. Die unangefochtene Nummer Eins unter den Kryptowährungen, Bitcoin, bleibt in greifbarer Nähe ihrer erst vor kurzem aufgestellten Bestmarke von knapp 67.000 Dollar.

Die erstmalige Zulassung eines ETF auf Bitcoin-Futures in den USA hat dem gesamten Krypto-Markt in den vergangenen Wochen mächtig Auftrieb verliehen. "Ein weiterer stützender Faktor für den Bitcoin-Kurs dürften die aktuell weltweit zunehmenden Inflationssorgen sein", betont Sören Hettler, Analyst der DZ Bank. Für viele Bitcoin-Befürworter gelte die Kryptowährung als "digitales Gold".

Parallelen zwischen Bitcoin und Gold

In der Tat ergeben sich bei näherem Hinsehen einige Parallelen zwischen Gold und Bitcoin: So ist in beiden Fällen die Schaffung neuer Einheiten mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Zudem sind sowohl Bitcoin als auch Gold nur begrenzt verfügbar: Die Gold-Vorkommen auf der Erde sind endlich, bei Bitcoin ist im Algorithmus die Obergrenze auf 21 Millionen Einheiten festgeschrieben.

Dagegen können Zentralbanken Währungen wie Euro, Dollar und Yen, das so genannte Fiat-Geld (lateinisch für "es werde"), nahezu unbegrenzt, quasi aus dem Nichts erschaffen. Taugt also Bitcoin als Inflationsschutz, ist es gar das bessere Gold?

Experten geteilter Meinung zu Bitcoin

"Ich kann nur jeder Person, die jetzt Angst hat, durch Negativzinsen und steigende Inflation ihr Erspartes zu verlieren, raten, ein Investment in sowohl Gold als auch Bitcoin anzudenken", unterstreicht Julian Hosp, Blockchain-Experte und Berater zahlreicher EU-Arbeitsgruppen, gegenüber tagesschau.de. Eine Entweder-oder-Entscheidung sei kontraproduktiv, schließlich sei Diversifikation beim Aufbau eines ertragreichen Portfolios unerlässlich.

Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest ist da skeptischer: "Den Bitcoin gibt es erst seit 2009", betont Rethfeld gegenüber tagesschau.de. "Die Kryptowährungen haben also bislang eine nahezu inflationslose Zeit erlebt. Es gibt diesbezüglich keinerlei Erfahrungswerte."

Was taugt der "sichere Hafen" Gold?

Gold hingegen hat seine Reputation als inflations- und krisensicherer Wertspeicher über Jahrhunderte hinweg aufgebaut und diverse Kriege und Finanzkrisen überstanden, wie DZ-Bank-Experte Hettler anmerkt.

Doch auch Gold taugt in den Augen von Wellenreiter-Experte Rethfeld nur bedingt als Inflationsschutz. "Normalerweise hätte Gold deutlich mehr mitziehen müssen." Das gelbe Edelmetall schwankt seit Monaten um die 1800-Dollar-Marke, seit Jahresbeginn liegt es rund neun Prozent im Minus.

DAX, Dow und Nasdaq kennen keine Inflationsängste

Die Aktienmärkte hätten dagegen positiv überrascht als Inflationsschutz, so Rethfeld. "Früher galt die Regel, wenn die Inflation über drei Prozent geht, laufen die Märkte seitwärts oder fallen. Diese Regel ist zurzeit quasi ausgehebelt - noch."

Tatsächlich haben die rasant anziehenden Inflationsraten für die Aktienmärkte ihren Schrecken fürs Erste verloren - wohl auch, weil die Notenbanken nicht gewillt sind, stärker auf die Bremse zu treten. Sowohl der deutsche Leitindex DAX als auch die großen US-Indizes wie Dow Jones Industrial Average, S&P 500 und Nasdaq Composite notieren auf Rekordniveau.

Dass die Rekorde bei Aktien und Kryptowährungen derzeit Hand in Hand gehen, kommt für Rethfeld nicht überraschend: "Im Moment sehen wir einen Risk-on-Prozess - einen Drang in alle risikobehafteten Werte. Aktien wie Tesla werden ebenso nach oben gewettet wie Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum."

Bitcoin ohne real hinterlegtem Wert

Dabei besteht jedoch ein großer Unterschied zwischen Aktien und Kryptowährungen: So sind Aktien hinterlegt mit bestehenden Werten, schließlich erwirbt man damit einen Anteil an einem real existierenden Unternehmen.

"Kryptowährungen dagegen haben keinen intrinsischen Wert", unterstreicht Wellenreiter-Experte Rethfeld. "Bitcoin wurde in der Absicht entwickelt, herkömmliche Währungen in ihrer Bezahlfunktion zu ersetzen. Dies ist nicht mal ansatzweise gelungen."

Robert Rethfeld, Wellenreiter Invest | Wellenreiter Invest

Robert Rethfeld von Wellenreiter-Invest zeigt sich von Aktien als Inflationsschutz positiv überrascht. Bild: Wellenreiter Invest

Bitcoin auf Kurs gen 100.000 Dollar?

Trotzdem könnte es für Bitcoin, Ethereum & Co kurz- bis mittelfristig erst einmal weiter bergauf gehen. "Die zugrundeliegenden Faktoren für den gesamten Kryptomarkt sind äußerst vielversprechend, weshalb ich noch in diesem Jahr mit neuen Allzeithochs rechne", gibt sich Krypto-Experte Hosp optimistisch. "Mich persönlich würde es auch nicht wundern, wenn Bitcoin die magische 100.000-Dollar-Marke bis Weihnachten knacken würde."

Ein Szenario, dass sich auch Marktexperte Rethfeld durchaus vorstellen kann: "Bitcoin hat in der Vergangenheit die Strecke zwischen den 10er-Potenzen, also zwischen 100, 1000 und 10.000 Dollar, sehr schnell zurückgelegt, sodass der Anstieg auf 100.000 Dollar durchaus demnächst noch erfolgen könnte. Doch spätestens an dieser Stelle dürfte die Rally zum Erliegen kommen - und dann gibt es einen heftigen Absturz."

Experte warnt vor Totalverlust

DZ-Bank-Experte Hettler warnt gar vor dem Risiko eines Totalverlusts. So könnten neue Kryptowährungen Bitcoin, Ethereum & Co. den Rang ablaufen. Oder andere Nationen könnten "dem Beispiel Chinas folgen und Bitcoin verbieten".

Anleger, die in Kryptowährungen investieren - egal, ob als Inflationsschutz oder als Spekulationsobjekt -, sollten sich dieser Risiken bewusst sein.

Über dieses Thema berichtete HR-Fernsehen in der Sendung "MEX" am 18. August 2021 um 20:15 Uhr.