Sotheby's Hongkong versteigert den Diamant "The Key 10138"

Immer mehr Warnungen Wehe, wenn die Bitcoin-Blase platzt

Stand: 08.07.2021 16:49 Uhr

Mit Kryptowährungen kann man nicht nur Lösegeldforderungen bezahlen, sondern neuerdings auch Diamanten bei Sotheby's. Doch immer mehr Experten warnen vor dem Platzen der Krypto-Blase.

Von Angela Göpfert, tagesschau.de

"Bitcoins sind nur für zwei Dinge gut: zum Spekulieren und für Lösegeldzahlungen." Mit dieser Aussage provozierte jüngst der weltweit oberste Zentralbanker, BIZ-General Manager Agustín Carstens, die Krypto-Fangemeinde. In dieser Woche kommt nun noch eine weitere Anwendungsmöglichkeit hinzu: Diamanten bei Sotheby's bezahlen.

Neue Bezahloption bei Sotheby's

Wenn Sotheby's am Freitag in Hongkong "The Key 10138" versteigert, dann könnte der tropfenförmige Diamant mit mehr als 100 Karat bis zu 15 Millionen Dollar einbringen. Erstmals kann bei einer Versteigerung dieser Art nach Angaben des Auktionshauses auch in Kryptowährungen bezahlt werden.

Sotheby's hatte erstmals Mitte Mai Kryptowährungen für die Bezahlung eines ersteigerten Kunstwerks erlaubt. Das Protestbild "Love is in the Air" des britischen Streetart-Künstlers Banksy brachte 12,9 Millionen Dollar ein. Wie der Käufer seine Rechnung schlussendlich beglich, ob in Krypto- oder traditionellen Währungen, ist nicht überliefert.

 Banksy Kunstwerk "love is in the air" | picture alliance / Photoshot

Vor der Auktion auf drei bis fünf Millionen Dollar geschätzt, wurde das Banksy-Gemälde schließlich für 12,9 Millionen Dollar verkauft. Bild: picture alliance / Photoshot

Bitcoin im Abwärtstrend

Aus Perspektive des Auktionshauses ist diese zusätzliche Bezahloption, die auch bei "The Key 10138" zum Zuge kommen könnte, in jedem Falle ein großer Vertrauensbeweis für Kryptowährungen. Schließlich weiß Sotheby's nicht, wie viel die gezahlten Bitcoin oder Ether ein paar Stunden oder Tage später noch wert sind.

Für seine hohen Volatilitäten bekannt, hatte sich im Bitcoin zuletzt ein klarer Abwärtstrend etabliert. War ein Bitcoin im Frühjahr zeitweise noch über 60.000 Dollar wert, kostet eine Einheit der ältesten und wichtigsten Cyberdevise aktuell rund 32.000 Dollar - und damit in etwa so viel wie zu Beginn des Jahres.

Musk und China als Kursrisiken

Über Monate hinweg genügte schon ein Tweet von Tesla-Chef Elon Musk, um die Kurse tanzen zu lassen. Zuletzt waren es jedoch in erster Linie Meldungen aus China, die für Turbulenzen an den Kryptomärkten sorgten. Die chinesischen Regulierungsbehörden gehen nämlich immer rabiater gegen Kryptowährungen vor.

Die Notenbank People's Bank of China beschränkt zunehmend die Handelsmöglichkeiten mit Kryptowährungen für Banken und Unternehmen. In der Provinz Sichuan mussten nach einem Krypto-Mining-Verbot mehrere Bitcoin-Farmen schließen.

Biden nimmt Kryptowährungen ins Visier

Doch nicht nur in China, sondern auch auf den westlichen Märkten drohen härtere Regeln. So arbeitet etwa die Biden-Administration an einem Aktionsplan gegen Ransomware-Angriffe. Laut Bidens nationalem Sicherheitsberater Jake Sullivan sind Kryptowährungen "der Kern bei der Abwicklung solcher Lösegeldtransaktionen".

Alles zusammengenommen sind die Risiken für Anleger am Kryptomarkt in den vergangenen Wochen und Monaten nicht kleiner geworden. Kryptowährungen hätten sich "in der Vergangenheit als extrem risikobehaftetes Spekulationsobjekt erwiesen", meint Nikolas Kreuz, Geschäftsführer der Invios GmbH.

Die Schweizer Großbank UBS geht noch einen Schritt weiter und warnt ihre Kunden vor Investments am Krypto-Markt. Sie empfiehlt Anlegern, sich von Kryptowährungen fernzuhalten und ihr Portfolio aus weniger riskanten Anlagen aufzubauen.

Klassischer "Boom-and-Bust"-Zyklus

Experten sprechen mit Blick auf Bitcoin & Co. denn auch von einem klassischen "Boom-and-Bust"-Zyklus: einer Spekulationsblase, bei der die Vermögenspreise über einen längeren Zeitraum hinweg enorm ansteigen, nur um dann schlagartig einzubrechen.

In den vergangenen Jahren hat Bitcoin bereits drei solcher spektakulärer Boom-Bust-Zyklen erlebt: Der erste verlief von 2013 bis 2014, der zweite von 2017 bis 2018, der dritte nahm 2020 seinen Lauf. Je länger dieser dritte Zyklus anhält, desto lauter werden die warnenden Stimmen von Experten.

Bitcoin droht "Mutter aller Crashs"

So orakelte jüngst Starinvestor Michael Burry, Bitcoin stünde "die Mutter aller Crashs" noch bevor. Sein Argument: Das Krypto-Universum habe Probleme mit Leverage-Positionen, also mit Anlagen, bei denen Fremdkapital zum Einsatz kommt. Das ermöglicht Anlegern, Positionen zu eröffnen, die größer sind als ihr eigenes Kapital. "Wenn man nicht weiß, wie viel Hebelwirkung in Kryptowährungen ist, weiß man gar nichts über Kryptowährungen. Ganz egal, wie viel man sonst glaubt zu wissen", warnte Burry.

Burry ist an der Wall Street eine Legende. Der 50-Jährige mit Asperger-Syndrom gilt in der Finanzwelt als eine Art Nostradamus, hatte er doch die Finanzkrise vorhergesagt und völlig exakt auf das Jahr 2007 datiert. Schauspieler Christian Bale setzte ihm in dem Oscar-prämierten Film "The Big Short" ein filmisches Denkmal.

Etwas Luft aus der Blase abgelassen

Die große Frage mit Blick auf die mittelfristigen Perspektiven der Kryptowährungen bleibt: An welcher Stelle des Zyklus sind wir aktuell, ist Bitcoin noch in der Boom-, oder schon in der Bust-Phase? Laut der jüngsten Umfrage der Bank of America sehen drei Viertel der Fondsmanager Bitcoin immer noch in einer Blase.

Fakt ist aber auch: War es lange Zeit die Angst, etwas zu verpassen (FOMO - Fear of missing out), welche die Preise für Bitcoin, Ether & Co. immer weiter in die Höhe trieb, so dürften der jüngste Kursverfall und die wachsenden regulatorischen Risiken für Ernüchterung gesorgt und zumindest etwas Luft aus der Blase abgelassen haben. Seit dem Hoch im Frühjahr hat Bitcoin immerhin rund die Hälfte seines Werts eingebüßt.

Auch wenn das womöglich kaum mehr als eine kleine Abkühlung in einem überhitzten Markt war: Die in Bitcoin-Foren gerne verbreitete Geschichte von Kryptowährungen als goldenen Fahrtschein in Richtung Reichtum und Wohlstand dürfte sich vor diesem Hintergrund in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so leicht erzählen lassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Mai 2021 um 07:48 Uhr.

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KOMMENTARE

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Eduart de Machina 08.07.2021 • 23:55 Uhr

2 Pizzen zum Preis von 330 Millionen US-Dollar?

"Seit dem Hoch im Frühjahr hat Bitcoin immerhin knapp die Hälfte seines Werts eingebüßt. Auch wenn das womöglich kaum mehr als eine kleine Abkühlung in einem überhitzten Markt war: Die in Bitcoin-Foren gerne verbreitete Geschichte von Kryptowährungen als goldenen Fahrtschein in Richtung Reichtum und Wohlstand dürfte sich vor diesem Hintergrund in Zukunft vielleicht nicht mehr ganz so leicht erzählen lassen." Woher weiß man, wann dieser Markt - sprich der Wert von Kryptowährungen im Verhältnis zu Fiat-Währungen wie dem US-Dollar oder Euro - "überhitzt" ist? Als vor viereinhalb Jahren ein Bitcoin bei 18.000 USD notierte sahen viele Börsianer eine Bewertungsblase, vor drei Monaten notierte er bei 64.000 USD, aktuell schwankt er zwischen 30.000 und 40.000 USD (heute bei ca. 33.200 USD, der erste registrierte Kauf wurde 2009 zu 0,001 USD getätigt, in 2010 wurden 2 Pizzen zu einem Gegenwert von 25 USD mit 10.000 Bitcoin bezahlt, aus heutiger Sicht für mehr als 330 Millionen US-Dollar.