Bitcoin-Münzen auf Dollarscheinen vor Computertastatur | REUTERS

Wall-Street-Premiere Bitcoin-Indexfonds startet an New Yorker Börse

Stand: 19.10.2021 12:42 Uhr

Spekulieren mit Kryptowährungen wird noch einfacher: Heute startet der erste an Bitcoins gekoppelte ETF an der größten Börse der Welt. Das könnte Signalwirkung auch für den europäischen Finanzmarkt haben.

Heute startet der erste Bitcoin-Indexfonds (ETF) an der New Yorker Börse. Mehrfach hatte die US-Börsenaufsicht SEC den Indexfonds zuvor gestoppt, diesmal aber legte sie kein Veto ein. Ein Sprecher der New Yorker Börse bestätigte den Start.

Mit dem Fonds namens "Bito" können Investoren von der Kursentwicklung des Bitcoin profitieren. Dafür müssen sie nun nicht mehr selbst die Kryptowährung, spezifisches Wissen oder technische Kenntnisse besitzen. Der Anbieter, ProShares, teilte mit, die Anlage eigne sich für Anleger, die kein "Konto bei einer Kryptobörse eröffnen, oder lernen wollen, wie man seine Kryptowährungen selbst verwahrt".

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind die älteste und wichtigste Kryptowährung, erfunden wurden sie im Jahr 2009. Kryptowährungen beschreiben einen digitalen Vermögenswert, das heißt sie existieren nicht in physischer Form wie Papiergeld oder Münzen. Außerdem gibt es keine Institution, die geldpolitische Entscheidungen trifft oder den Wechselkurs regelt, wodurch Kryptowährungen dezentral funktionieren: Jeder kann an der Ausgabe der Coins und der Verwaltung dieser mitwirken und auch beteiligt werden.

Der Bitcoin wurde rein als Währung und Zahlungsmittel konzipiert. Für die Bezahlung der Bitcoins benötigt der Käufer die Adresse des Empfängers. Kommt es zu einer Zahlung, wird der private Schlüssel quasi als digitale Unterschrift genutzt, um sie zu bestätigen. Dadurch ist jede Transaktion verschlüsselt.

Bitcoins entstehen durch das sogenannte "Schürfen": Hochleistungs-Computer müssen in einer Art öffentlicher Datenbank komplizierte Rechenaufgaben bewältigen und die Veschlüsselung nach der sogenannten Blockchain-Technologie fortschreiben.

Anlage in Termingeschäfte

Der Fonds investiert nicht direkt in den Bitcoin, sondern in Bitcoin-Termingeschäfte, sogenannte Futures. Dabei verpflichtet sich ein Anleger, ein bestimmtes Produkt zu einem bestimmten Preis zu einem festgelegten Zeitraum zu kaufen. Die Anbieter fokussieren sich auf die Futures, die sich dem Preis für Bitcoins annähern. Daher wird der Futures-ETF eigenen Schwankungen ausgesetzt sein.

Vier weitere Anbieter wollen in den USA mit ähnlichen Produkten an die Börse. Medienberichten zufolge könnte Invesco noch in dieser Woche starten. Bitcoin-ETFs gibt es bereits in Kanada, Europa oder in Asien. Der Schritt an die weltgrößte Börse in New York könnte für die Branche nun einen Durchbruch bedeuten, versucht sie doch seit Jahren, Kryptoprodukte im Anlagenmarkt zu etablieren. Der Handelsstart wird nun als Signal gedeutet, dass dies gelingen könnte. Teile der Finanzindustrie wollen Kryptowährungen für die breite Masse zugänglich machen und aus der Nische herausholen.

Bitcoin wieder über 60.000 Dollar-Marke

In Deutschland ist das Handeln mit Anlageprodukten, die an Kryptowährungen gekoppelt sind, bereits über sogenannte ETNs (Exchange Traded Notes) möglich. Einen Krypto-ETF gibt es hierzulande noch nicht. Denn Indexfonds wie ETFs dürfen nach geltendem Recht nicht mit nur einem einzigen Bestandteil oder Asset wie beispielsweise Bitcoin aufgelegt werden.

Die Anleger reagierten positiv auf den bevorstehenden Handelsstart: Beflügelt durch die Aussichten auf den ersten Bitcoin-Indexfonds an der Weltleitbörse sprang der Kurs erstmals seit April wieder über die 60.000-Dollar-Marke. Analysten sind allerdings zurückhaltend: Das sei zwar ein Schritt vorwärts für Kryptowährungen, aber kein Wendepunkt, sagt Chris Weston vom Brokerhaus Pepperstone. Es liege noch eine Menge Regulierungsarbeit für diese relativ neue Anlageklasse vor den Behörden.

Kritik am Bitcoin-Schürfen wird lauter

Indes werden die Proteste gegen das umstrittene Bitcoin-Geschäft immer lauter. Für das "Schürfen" von Kryptowährungen werden enorme Mengen an Strom benötigt. Rund 400 Kilometer nordwestlich von New York wurde deshalb sogar ein stillgelegtes Kohlekraftwerk wieder in Betrieb genommen, das nun mit Erdgas betrieben wird.

Umweltverbände warnen seit längerem vor den Folgen des exzessiven Bitcoin-Schürfens, das dramatische Umweltschäden verursache. Sie mahnen, dass nicht weitere alte Kraftwerke reaktiviert werden dürften, die zusätzlich zur Erderwärmung beitragen. "So wie es unserem Klima derzeit geht, sind Maßnahmen gegen das Schürfen von Kryptowährungen nötig", sagte Liz Moran von der Organisation Earthjustice.

Mit Informationen von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Über dieses Thema berichtete R24 aktuell am 19. Oktober 2021 um 10:41 Uhr.