Stapel mit Akten in der Posteingangsstelle Sozialgerichts in Berlin. | picture alliance / dpa

Öffentlicher Dienst Beamtenbund beklagt große Personallücke

Stand: 18.08.2022 10:45 Uhr

Der Deutsche Beamtenbund beziffert die Zahl der fehlenden Stellen im öffentlichen Dienst auf 360.000. Wenn die Babyboomer in Pension gehen, werde es noch größere Probleme bei Bund, Ländern und Kommunen geben.

Der Deutsche Beamtenbund (dbb) warnt vor wachsenden Problemen durch Personalmangel im öffentlichen Dienst. "Nach Einschätzung unserer 40 Mitgliedsgewerkschaften fehlen 360.000 Beschäftigte", sagte der dbb-Bundesvorsitzende Ulrich Silberbach der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Dabei berücksichtigen wir nicht nur offene Stellen, sondern auch den Personalbedarf, der sich durch neue Aufgaben ergibt."

Die Lücke werde noch deutlich wachsen, so Silberbach: "In den nächsten Jahren wird die Zahl aufgrund der Pensionierung der Babyboomer-Jahrgänge noch viel größer."

Tarifforderungen werden hoch sein

Der dbb-Chef forderte angesichts der Welle von Pensionierungen mehr Stellen, eine Reduzierung der Arbeitszeit und leistungsgerechte Bezahlung. Zudem sei eine langfristige Personalplanung in der Verwaltung erforderlich, die den demografischen Wandel berücksichtige.

Zum anderen müsse der öffentliche Dienst durch Anreizsysteme attraktiver gemacht werden, sagte Silberbach in dem Interview. Auch zu den anstehenden Tarifverhandlungen äußerte er sich: "Wir werden im Oktober unsere Tarifforderungen für Bund und Kommunen beschließen. Die werden hoch sein. Anders geht es in der jetzigen Lage nicht."

Finanziell könne der öffentliche Dienst mit der Privatwirtschaft nicht konkurrieren. "Aber der öffentliche Dienst kann ein besonders moderner und familienfreundlicher Arbeitgeber sein."

"Ein Berg von Überstunden"

Viele Beschäftige schöben einen Berg von Überstunden vor sich her: "Da müssen wir ran." Ihm sei bewusst, dass in etlichen Bereichen mit der Digitalisierung Aufgaben wegfallen könnten, gerade Routineangelegenheiten. "Aber die Stellen brauchen wir trotzdem, für andere Aufgaben, zum Beispiel in der Beratung", so der Beamtenbund-Chef in der "F.A.Z.".

Mit der Arbeit der Bundesregierung zeigte sich Silberbach unzufrieden. "Bei der neuen Regierung wundern mich die Prioritäten: Die Bundesinnenministerin spricht über Equal Pay im Fußball und Frührente für Ehrenamtliche, anstatt endlich die Wochenarbeitszeit der Bundesbeamten zu reduzieren und eine langfristige Stellenplanung in der Verwaltung anzugehen."

Rund fünf Millionen Beschäftigte

2020 arbeiteten im öffentlichen Dienst von Bund, Ländern und Kommunen knapp 4,97 Millionen Beschäftigte. Rund 1,9 Millionen davon sind Beamte, wie aus dem aktuellen "Monitor öffentlicher Dienst" des dbb hervorgeht. 2019 waren es demnach rund 4,88 Millionen und im Jahr davor 4,80 Millionen.

Mit rund 2,5 Millionen Beschäftigten macht das Personal der Länder den größten Anteil im öffentlichen Dienst aus. Es folgen die Kommunen mit 1,6 Millionen Beschäftigten, der Bund mit rund 500.000 und die Sozialversicherungen mit knapp 400.000.