Neubauten im nordbadischen Dossenheim | picture alliance / Daniel Kubirs

Steigende Zinsen Hohe Nachfrage nach Bausparverträgen

Stand: 05.01.2023 14:20 Uhr

Die Finanzierung eines Eigenheims wird für viele Menschen immer schwieriger. Gründe sind steigende Zinsen und Stornierungswellen in der Baubranche. Das verhilft dem Bausparvertrag wieder zum Aufstieg.

Angesichts steigender Bauzinsen haben Verbraucher das Bausparen wieder für sich entdeckt. Das Neugeschäft stieg im vergangenen Jahr deutlich. Beim Volumen der neu abgeschlossenen Bausparverträge gehe er von einem Plus von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aus, sagte der Vorstandsvorsitzende des Verbands der Privaten Bausparkassen, Bernd Hertweck, der Nachrichtenagentur dpa.

Die durchschnittliche Bausparsumme je Vertrag liegt demnach mittlerweile auf dem Höchststand von über 70.000 Euro. Bei der Stückzahl seien es 2022 15 Prozent mehr gewesen, so Hertweck.

Zinsen zwischen 1,5 und 2,5 Prozent

Der Verbandsdirektor der Landesbausparkassen, Axel Guthmann, beziffert den Zuwachs bei der Bausparsumme für die Monate Januar bis September 2022 auf knapp 49 Prozent. Die Zahl der Vertragsabschlüsse sei um 22,8 Prozent gestiegen. Die Landesbausparkassen stehen für rund ein Drittel des deutschen Marktes, den Rest teilen sich private Institute.

Der Grund für den Boom liege auf der Hand, so Guthmann: "Bauherren und Käufer wollen ihre Immobilienfinanzierung bestmöglich vor dem Risiko steigender Zinsen absichern." Eine sichere Eigenkapitalbildung und niedrig verzinste Darlehen - das sei die Kernidee des Bausparens. Das hätten die Menschen im Frühjahr wieder für sich entdeckt.

Beim Bausparen ließen sich noch langfristig Bauzinsen zwischen 1,5 und 2,5 Prozent sichern, sagt auch Hertweck. Zum Vergleich: Laut Zahlen des Vergleichsportals Check24 lagen die Zinsen für Baufinanzierungen in Höhe von 300.000 Euro bei Banken Ende November zwischen 3,0 und 5,2 Prozent.

Traum vom Wohneigentum ungebrochen?

Der Run aufs Bausparen zeige auch, dass der Traum vom Eigenheim für viele Menschen noch nicht geplatzt ist, heißt es von den Bausparkassen. Nur: Bei der Machbarkeit gebe es immer mehr Probleme. Für viele Menschen sei Wohneigentum derzeit nicht bezahlbar, sagt Guthmann. Und das nicht nur, weil das Eigenkapital nicht reiche, sondern weil sich viele auch die Kreditraten nicht mehr leisten könnten.

Daher brach das Neugeschäft deutscher Banken mit Baufinanzierungen in der zweiten Jahreshälfte ein. Die Beratungsfirma Barkow Consulting sprach zuletzt von einem Rekordrückgang. Das ganze Jahr über floss weiterhin viel Geld von den Bausparkassen in den Wohnungsmarkt: Die privaten Anbieter gehen davon aus, 2022 ihre bisherige Rekordmarke von 31 Milliarden Euro an Baugeldauszahlungen aus dem Jahr 2020 wieder erreichen zu können.

Und bei den öffentlich-rechtlichen Bausparkassen zeichnet sich laut Guthmann sogar ein leichtes Plus im Vergleich zu den vorangegangenen beiden Jahren ab. 2021 flossen 9,2 Milliarden Euro. Das sei vor allem auf das erste Halbjahr zurückzuführen. "Inzwischen macht sich der Rückgang der Nachfrage nach Baufinanzierungen aber auch bei den Bausparkassen bemerkbar", so Guthmann.