Gewitterwolken über dem Bankenviertel von Frankfurt am Main | dpa

Geldinstitute im Stresstest Wie fit sind Europas Banken?

Stand: 30.07.2021 08:14 Uhr

Weniger Einnahmen in Nullzins-Zeiten, digitale Konkurrenz und dann noch Covid: Die Banken haben Probleme. Nun hat die europäische Bankenaufsicht das Ergebnis des neuesten Stresstests vorgelegt.

Von Oliver Feldforth, hr

Alle zwei Jahre schlägt für Europas Geldhäuser die Stunde der Wahrheit. Die europäische Aufsichtsbehörde fordert sie auf auszurechnen, wie die Bank mit einem Negativszenario klarkäme und wie viel Eigenkapital als Sicherheit nach einer längeren und einschneidenden Krise übrigbliebe. Auf einen Privathaushalt übertragen bedeutet das, man rechnet aus, ob es die Familienkasse aushält, wenn der Kühlschrank, das Hausdach und das Auto gleichzeitig kaputtgehen. Aus Deutschland nehmen sieben Geldhäuser an dem Stresstest teil: neben der Deutschen Bank und der Commerzbank die Landesbanken Hessen-Thüringen, Baden-Württemberg und die BayernLB sowie die Volkswagen-Bank und die DZ-Bank.

Oliver Feldforth

Wegen der Pandemie ein Jahr verschoben

Eigentlich war es vergangenes Jahr wieder soweit, aber aufgrund der Pandemie verschoben die Aufseher der europäischen Aufsicht European Banking Authority (EBA) den Test auf dieses Jahr. Die Ergebnisse will die Behörde heute Abend veröffentlichen. Der Test umfasst die gesamte Europäische Union - 50 Banken. Von ihnen haben 38 ihren Sitz im Euro-Währungsraum. Diese werden von der Europäischen Zentralbank EZB beaufsichtigt, die auch die Stresstests im Auftrag der EBA dort abwickelt. Nach dem Brexit sind die britischen Geldhäuser nicht mehr dabei.

Der oberste EZB-Bankenaufseher Andrea Enria glaubt, dass die neuen Informationen helfen, die wirkliche Situation der Kreditinstitute zu erkennen: "Der diesjährige Stresstest wird Aufschluss darüber geben, wie sich die Bankbilanzen angesichts erneuter Widrigkeiten verändern würden." Dadurch könne die EZB Dividendenauszahlungen an die Aktionäre mit den Geldhäusern individuell fundierter besprechen.

Ein reales und ein fiktives Szenario

Die EBA gibt zwei Szenarien vor. Eines orientiert sich an den realen Wirtschaftsprognosen der Notenbanken wie der Bundesbank. Daneben gibt es ein Krisenszenario: Die Wirtschaftsleistung geht bis 2023 um 3,6 Prozent zurück, die Arbeitslosigkeit schnellt um 4,7 Prozent nach oben, die Preise für Gewerbeimmobilien brechen ein, die Aktienmärkte auch.

Jetzt sollen die Banken beweisen, dass sie eine solche heftige Krise durchstehen, ohne ihrerseits ins Wanken zu kommen. Haben sie auch nach längerer Zeit mit diesen Hiobs-Botschaften noch genügend Kapital? Die EBA gibt die Regeln des Tests vor und kontrolliert mit der EZB und den nationalen Notenbanken; rechnen müssen die Banken aber selbst. In einem weiteren Stresstest unterzieht die EZB in Eigenregie parallel dann noch 51 weitere Banken aus dem Euro-Währungsraum, die der europaweiten Aufsicht EBA zu klein waren. Das schaffe mehr Sicherheit, heißt es aus der Europäischen Zentralbank.

Krisenszenario nicht "extrem" genug?

Die Zahlen der Banken sollen den Bankenwächtern von der EZB auch Informationen geben, welche Anforderungen zur Absicherung sie den jeweiligen Geldhäusern in Zukunft zusätzlich auferlegen. Neben den gesetzlichen Vorgaben zum Vorhalten von Eigenkapital verlangt die EZB nämlich zusätzliche Sicherheiten von den beaufsichtigten Geldhäusern. Dabei helfen die errechneten Zahlen des Stresstests.

"Ich bin bei diesem Test vorsichtig", sagt Volker Brühl vom Center for Financial Studies an der Universität Frankfurt am Main. Es seien keine extremen Krisenszenarien zu Grunde gelegt worden. Die aber könnten eventuell etliche Banken in wirklich ernste Schwierigkeiten bringen. Diese regelmäßigen Stresstests seien aber allemal besser als nichts.

Nächstes Jahr kommt der "Klima-Risiko-Stresstest"

Beim letzten Stresstest 2018 hatten alle Banken genug Kapitalpuffer bei der angenommenen Krise. Die NordLB war die Bank, die in Deutschland am schlechtesten abschnitt. Schuld daran waren faule Schiffskredite. Durchfallen kann bei dem jetzigen Test niemand, denn es gibt keine Mindestkapitalquote. Aber die Aufseher könnten Banken dazu verdonnern, als Sicherheit für mehr Kapital zu sorgen.

Im nächsten Jahr wollen die Aufseher einen "Klima-Risiko-Stresstest" starten. Die Frage dabei: Inwieweit bedeuten Klimarisiken wie steigende Temperaturen auch ein Risiko für Banken, finden sich also in deren Bilanzen wieder. Damit werden die Bankenkontrolleure Neuland betreten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2021 um 07:35 Uhr.