Die Zentralen der Deutschen Bank (l) und der Commerzbank in Frankfurt am Main | dpa

Regulierung im Finanzsektor Banken fordern Kurswechsel

Stand: 08.09.2021 15:28 Uhr

Während die US-Banken längst wieder Milliarden scheffeln, hinken Europas Institute hinterher. Die Manager machen dafür eine Überregulierung verantwortlich - und fordern einen radikalen Kurswechsel.

Nach der Verschärfung der Regeln für Banken in Folge der Finanzkrise ist es nach Ansicht von Commerzbank-Chef Manfred Knof nun an der Zeit, den Geldhäusern entgegenzukommen und das enge Korsett aus Regeln und Regularien zu lockern. "Erstens brauchen wir nicht mehr, sondern klügere Regulierung", sagte der Manager, der die zweitgrößte börsennotierte Bank Deutschlands führt. "Auch brauchen wir einen Rahmen, der uns nicht weiter belastet, sondern Handlungsspielräume eröffnet", so der Banker auf einer Veranstaltung des "Handelsblatts".

Auch Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Sparkassen-Präsident Helmut Schleweis plädieren für weniger Regulierung. Damit müsse die Politik verhindern, dass Deutschland und Europa im internationalen Wettbewerb zurückfielen. Tatsächlich zeigt ein Blick auf die jüngsten Quartalszahlen der großen internationalen Banken, dass die europäischen Häuser, allen voran die deutschen, noch immer deutlich weniger Geld verdienen als die Konkurrenten aus den USA. Die damit verbundene Handlungsschwäche der Institute treibt global agierende Konzerne zunehmend in die Arme der US-Häuser. Diese Entwicklung könne jedoch nicht im Sinne der deutschen und europäischen Wirtschaft sein, mahnen die Bankmanager.

Einheitlicher europäischer Kapitalmarkt gefordert

Commerzbank-Chef Knof fordert deshalb von der künftigen Bundesregierung Schritte zur Stärkung des europäischen Kapitalmarktes und des Finanzstandorts Deutschland. "Deutschland und Europa haben großes Potenzial. Die Politik muss Innovation fördern, damit wir im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfallen", sagte Knof. Bereits zuvor hatte er gefordert, die Politik dürfe sich bei der Schaffung eines gemeinsamen Finanzbinnenmarktes nicht im Klein-Klein verlieren. "Nationale Interessen müssen gegenüber europäischer Souveränität zurücktreten."

Ebenso müssten die Kosten für Regulierung gesenkt werden, sagte er. Diese belasteten die Institute und schadeten den Kunden. Die Einführung eines einheitlichen europäischen Kapitalmarktes sei auch deshalb so wichtig, damit sich die Unternehmen leichter frisches Geld besorgen können. "Es ist an der Zeit, die Hürden wegzuräumen und das volle Potenzial des Bankenmarktes auszuschöpfen." Dafür müsse die Politik nun die Weichen stellen.

Sewing fordert "großen Sprung"

Tatsächlich gibt es in den USA keinen Abwicklungsfonds wie in Europa. Auch die Vorgaben bei nachhaltigen Finanzierungen sind weniger streng. Deutsche-Bank-Chef Sewing verlangte deshalb mehr Einsatz für einen einheitlichen Kapitalmarkt in Europa. Zwar sei es richtig, Großbanken besonders sorgfältig zu regulieren. "In Europa haben wir jedoch gleichzeitig viel dafür getan, Banken gar nicht mehr groß werden zu lassen. Das aber ist ein fragwürdiger Kurs - nimmt doch die Bedeutung von Größe in der Finanzwelt exponentiell zu", sagte der Manager, der seit dem 1. Juli auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist. Vielmehr gelte es endlich "die Größenvorteile Europas" zu nutzen.

Sewing fordert deshalb einen radikalen Kurswechsel. "Wir können uns da keinen evolutionären Weg mehr leisten, hier braucht es jetzt einen großen Sprung. Das wird auch die überfällige Konsolidierung über Landesgrenzen hinweg beschleunigen", so der Banker.

Bei der von Sewing und Knof angemahnten Kapitalmarktunion geht es darum, bürokratische Hürden zwischen den einzelnen EU-Staaten abzubauen, damit sich die Unternehmen leichter und nach einheitlichen Regeln Geld beschaffen können. Verbraucher sollen zudem mehr Möglichkeiten für grenzüberschreitende Geldanlagen bekommen. Kredite und Finanzierungen werden in Europa - im Gegensatz zu den USA - hauptsächlich von Banken vergeben. Pläne der EU-Kommission für eine Kapitalmarktunion liegen seit September 2015 auf dem Tisch, doch die Umsetzung stockt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in der Sendung "Börse am Mittag" am 07. September 2021 um 13:35 Uhr.