Blick auf die Skyline des Mailändischen Stadtteils Porta Nuova. | picture alliance / Nicole Becker

Corona-Folgen für Finanzbranche Europas Banken trotzen der Krise

Stand: 10.02.2022 16:16 Uhr

Die Banken in der Eurozone sind erstaunlich gut durch die Corona-Pandemie gekommen - dieses Fazit ziehen die Aufseher der Europäischen Zentralbank. Doch Inflation und Zinswende bedeuten neue Risiken.

Von Ursula Mayer, hr

Zu Beginn der Corona-Pandemie 2020 waren die Bankenaufseher der Europäischen Zentralbank nervös. Es gab Lockdowns, die Wirtschaft brach ein. In diesen Strudel sollten Europas Banken nicht hineingerissen werden. Deshalb ergriffen die Aufseher mehrere Maßnahmen. Zum Beispiel empfahlen sie den Geldhäusern, auf Ausschüttungen zu verzichten und ihr Geld zusammenzuhalten. Mit Erfolg. 

"Die europäischen Banken sind im Großen und Ganzen gut durch die Pandemie gekommen", sagte Frank Elderson, der stellvertretende Vorsitzende der EZB-Bankenaufsicht, auf der Jahrespressekonferenz. Die EZB überwacht 115 Geldhäuser in der gesamten Eurozone. Dazu zählen die Deutsche Bank, die Commerzbank, die Dekabank und die DZ Bank. Und die europäischen Institute hätten sich generell als krisenresistent erwiesen, so Eldersons Fazit.

  

Bisher sind nur sehr wenige Kredite geplatzt

Sechs Sorgenkinder gebe es, heißt es bei der Bankenaufsicht. Denen habe aber nicht die Pandemie zugesetzt, sondern deren Probleme seien hausgemacht. Die Banken müssten sich nun konkrete Maßnahmen überlegen, wie sie ihre finanzielle Situation verbessern könnten. Um welche Institute es sich handelt und was sie konkret machen sollen, legen die Aufseher nicht offen.  

Bemerkenswert: Im Krisenjahr 2021 haben die europäischen Geldhäuser Unternehmen und Privatleuten viel Geld geliehen. Entgegen allen Befürchtungen sind von allen Krediten aber nur zwei Prozent faul oder ausfallgefährdet. Es handelt sich um Kredite im Wert von 400 Milliarden Euro. Das mag dramatisch klingen. Aber tatsächlich sitzen die Banken damit auf weniger notleidenden Krediten als vor der Corona-Pandemie, und so scheint das zunächst kein großes Problem zu sein.    

Institute brauchen dickeres Finanzpolster

Entwarnung will der Vizepräsident der EZB-Bankenaufsicht trotzdem nicht geben. Elderson verweist auf die staatlichen Hilfen, die viele Unternehmen und Privatleute bekommen. Ob sie aber ihre Kredite ohne diese Unterstützung zurückzahlen können, ist nicht klar. Und was, wenn die Hilfen zurückgefahren werden? Da könnte das dicke Ende noch kommen.

"Es ist unentbehrlich, dass sich die Banken für die Zukunft wappnen", so Elderson. Vor allem ihre Kreditrisiken müssten die Banken noch besser im Blick haben. Vorsorglich fordern die Aufseher von den Finanzinstituten dickere Finanzpolster. Sollten die letztes Jahr insgesamt 14,9 Prozent an Eigenkapital zurücklegen, sollen es dieses Jahr 15,1 Prozent sein. 

Wenn Geldhäuser gegen diese Vorschriften dauerhaft verstoßen, können die Aufseher hart durchgreifen. So können sie zum Beispiel Geldstrafen verhängen oder den Banken im schlimmsten Fall sogar die Lizenz entziehen. Bisher wurden solche Sanktionen aber nur selten verhängt.

Deutsche Banken erweisen sich als krisenresistent

Auch Deutschlands oberster Bankenaufseher Joachim Wuermeling von der Bundesbank zeigt sich zufrieden: "Bei dem europäischen Fiebermessen kommen die hiesigen Banken gut weg", sagt er. Die Krisenzeit würden sie insgesamt in einem guten Zustand verlassen. Und das hat aus seiner Sicht auch damit zu tun, dass sie in der Krise generell sehr besonnen und umsichtig Kredite vergeben haben. 

Allerdings sieht Wuermeling, der im Vorstand der Bundesbank für die Bankenaufsicht zuständig ist, ein weiteres Problem, nämlich die hohe Inflation. In der gesamten Eurozone wie auch in Deutschland lag sie zuletzt bei rund fünf Prozent. "Das führt sowohl bei Verbrauchern als auch bei Unternehmen zu teils erheblich gestiegenen Kosten", warnt er. Und auch das könne letztlich dazu führen, dass sie den Banken Geld schuldig blieben und Kredite am Ende doch platzen könnten.

An langlaufende Kredite gebunden

Selbst wenn die Zinsen steigen, wäre das für die Banken erst einmal schwierig.  Denn dann müssen sie auch ihren Kunden fürs Ersparte wieder Zinsen zahlen, damit die nicht zur Konkurrenz wechseln. Dabei hätten die Banken selbst von den höheren Zinsen erst einmal wenig, weil sie viele langlaufende Kredite zu niedrigen Zinsen herausgegeben haben, an die sie in den kommenden Jahren gebunden sind. "Das kann kurzfristig zu einem Problem werden, wächst sich aber über die Zeit aus", sagt Bundesbank-Vorstandsmitglied Wuermeling. 

Und als wären das nicht schon genug Herausforderungen, muss die Bankenbranche auch noch die Risiken des Klimawandels stärker in den Blick nehmen. Dieses Jahr führt die Europäische Zentralbank ihren ersten Klimastresstest durch. Die Ergebnisse will sie im Juli veröffentlichen.