Die Bank of England in London | picture alliance / empics

Überraschende Zinswende Britische Notenbank erhöht Leitzinsen

Stand: 16.12.2021 14:15 Uhr

Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie hat eine der großen Zentralbanken der westlichen Welt wieder die Zinsen angehoben: Die Bank of England erhöhte den Leitzins um 0,15 Prozentpunkte und reagierte damit auf die hohe Inflationsrate.

Die britische Notenbank stemmt sich gegen die hohe Inflation und hat ihren Leitzins erstmals in der Corona-Pandemie angehoben. Der Leitzins steigt um 0,15 Prozentpunkte auf 0,25 Prozent, wie die Bank of England (BoE) nach der Sitzung des geldpolitischen Ausschusses in London mitteilte. Analysten hatten mehrheitlich mit unveränderten Zinsen gerechnet.

"Es ist die erste Zinsanhebung unter den G7-Staaten seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Der Zinsschritt kommt überraschend", kommentierte Thomas Gitzel von der VP Bank. Vermutlich habe sich die Zentralbank in einer "Not-gegen-Elend"-Situation befunden. Viele Fachleute waren sich nicht sicher, wie sich die Bank of England verhält. Denn die Währungshüter befinden sich in einem Dilemma: So ist die Inflation im Königreich zwar hoch, was für steigende Zinsen spricht. Zugleich breitet sich aber die neue Corona-Variante Omikron rapide aus und dämpft das Wirtschaftsgeschehen.

Zinsschritt "mutig"

"Nachdem die BoE im November noch vor der Zinswende zurückgezuckt war, hat die Sorge vor den Inflationsgefahren heute die Oberhand gewonnen", erklärte Elmar Völker von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ähnlich überrascht äußerte sich Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe: "Der Zinserhöhungsdrang ist offenbar größer als die Konjunkturbedrohung durch Omikron. Angesichts der hohen Neuinfektionen ist der Zinsschritt mutig." Für weitere Zinsanhebungen dürfte dagegen die Pandemie-Entwicklung maßgeblicher sein.

Hintergrund der Entscheidung ist die hohe Inflation in Großbritannien, die im November die Fünf-Prozent-Marke überschritten hat und einen zehnjährigen Höchststand markierte. Zuletzt war die Teuerungsrate mit 5,1 Prozent weit über das Ziel der Notenbank hinausgeschossen. "Weitere Zinsschritte der Bank von England müssen ins Kalkül gezogen werden, zumal die Inflation vermutlich erst im April den Höhepunkt bei rund sechs Prozent erreichen soll", so Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).

Angetrieben werden die Preise unter anderem durch die stark gestiegenen Energiekosten sowie aus der Pandemie-Krise resultierendem Materialmangel und Lieferengpässen. Ökonomen warnen zudem vor einer sich selbst verschärfenden Lohn-Preis-Spirale, sollten Arbeitnehmer höhere Löhne als Kompensation für die stark steigenden Preise verlangen. Diese Faktoren heizen auch die Inflation in den USA kräftig an, so dass die US-Notenbank Fed mehrere Zinserhöhungen für nächstes Jahr ins Auge fasst.

Entscheidung nicht einstimmig

Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses MPC bei der Bank of England fiel nicht einstimmig aus. Acht Notenbanker, darunter Zentralbankchef Andrew Bailey, stimmten für steigende Zinsen. Die Notenbankerin Silvana Tenreyro stimmte jedoch gegen einen unmittelbaren Zinsschritt. Die Bank of England deutete die Notwendigkeit weiterer Zinsstraffungen an, die jedoch in moderatem Tempo erfolgen sollen.

Dass es sich die Notenbank nicht einfach gemacht hat mit ihrer Entscheidung, zeigen auch die Aufzeichnungen zur Zinssitzung, die zeitgleich veröffentlicht wurden. Darin heißt es, dass das Auftauchen der Omikron-Variante eigentlich für ein Abwarten gesprochen habe, um die Auswirkungen der neuen Mutante auf die Wirtschaft zu prüfen. Andererseits habe der hohe Preisauftrieb eine zeitnahe Straffung erfordert.

Das britische Pfund quittierte den Zinsschritt mit deutlichen Kursgewinnen gegenüber Dollar und Euro. Britische Staatsanleihen gerieten hingegen unter Druck, im Gegenzug stiegen die Kapitalmarktzinsen an. Britische Aktien büßten einen Teil ihrer zuvor erzielten Gewinne ein.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 16. Dezember 2021 um 13:44 Uhr.