Die BaFin-Zentrale in Bonn | dpa

Gamestop-Spekulationen BaFin prüft Mitarbeitergeschäfte

Stand: 12.04.2021 10:42 Uhr

Haben Mitarbeiter der Finanzaufsicht BaFin unerlaubt mit Aktien der US-Unternehmen Gamestop und AMC spekuliert? Die Behörde untersucht nun zwei Verdachtsfälle.

Die deutsche Finanzaufsicht BaFin prüft mögliche Aktienspekulationen von Beschäftigten bei der Behörde. In insgesamt zwei Fällen gehe die BaFin der Frage nach, ob angezeigte private Finanzgeschäfte als spekulativ einzuordnen seien, teilte das Bundesfinanzministerium mit. Betroffen seien zwei Personen. Das Ministerium antwortete auf eine Anfrage von Fabio de Masi, des Finanzexperten der Linken im Bundestag. Die Geschäfte waren demnach bei einer Untersuchung von Mitarbeitergeschäften mit Aktien der US-Unternehmen Gamestop und AMC Entertainment aufgefallen.

Die Bundesregierung verwies darauf, dass es sich bei Gamestop und AMC um US-Unternehmen handele und Aktien dieser Unternehmen nicht dem Handelsverbot der BaFin für private Finanzgeschäfte unterliegen. Diese Unternehmen unterstünden auch nicht der Unternehmensaufsicht der BaFin.

Rein spekulative Geschäfte verboten

Grundsätzlich wäre ein Handel mit diesen Aktien für BaFin-Mitarbeiter also gestattet. Das gilt aber nicht, wenn es sich dabei um spekulative Geschäfte handelt, denn solche Privatgeschäfte seien seit dem 16. Oktober 2020 in der Behörde nicht mehr erlaubt. Sollten die beiden Mitarbeiter tatsächlich solche Geschäfte durchgeführt haben, wäre das aus Sicht der BaFin und des Ministeriums nicht hinnehmbar.

Mit "spekulativen Geschäften" ist bei der BaFin das kurzfristige Handeln am Markt gemeint - beispielsweise mit derivativen Finanzinstrumenten oder Aktien. Bei Spekulationen stehen kurzfristige Gewinne im Vordergrund, während eine Investition die langfristige Rendite zum Ziel hat.

Kurskapriolen bei Gamestop

Die Kurskapriolen des US-Videospielehändlers Gamestop hatten die Börsen über Wochen in Atem gehalten. Auch mit Aktien der Kinokette AMC wurde spekuliert. Der Wert der Aktien hatte sich teils deutlich erhöht. Bei Gamestop etwa hatten Kleinanleger mit konzertierten Käufen Hedgefonds gezwungen, ihre Wetten auf einen Kursverfall der Papiere aufzulösen. Das trieb den Kurs nach oben, da die Hedgefonds gezwungen waren, sich mit Gamestop-Aktien einzudecken.  

Anschließend schmolzen die Gewinne aber wieder zusammen. Wer zufällig den richtigen Zeitpunkt getroffen hatte, konnte gleichwohl massive Kursgewinne einstreichen. Mit wirtschaftlichen oder geschäftlichen Erfolgen des Unternehmens hatten diese nichts zu tun - es handelte sich um eine reine Wette. Gamestop steht als Einzelhändler in der Spielebranche schon lange unter Druck, weil sich das Geschäft mehr und mehr ins Internet verlagert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Februar 2021 um 07:35 Uhr.