DAX Kurve | picture alliance/dpa

Schwankende Aktienkurse Was Anleger in der Krise tun sollten

Stand: 02.03.2022 16:37 Uhr

An den Börsen herrscht hohe Nervosität wegen des Kriegs in der Ukraine. Ist ein weiterer Absturz der Kurse zu erwarten - und was raten Experten aktuell Privatanlegern?

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Der Krieg ist längst an der Börse angekommen. Weltweit sind die Aktienindizes seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine stark schwankend auf Berg- und Talfahrt. Thomas Mayer, Gründer der Denkfabrik Flossbach von Storch Research, erklärt das so. "An der Oberfläche betrachtet ist es ein Auf und Ab. Schaut man unter die Oberfläche, dann sieht man, dass sich die Märkte für diese neue, alte Welt, die eine Rückkehr des Kriegs und der Inflation in Europa beinhaltet, neu positionieren."

Konkret macht das der Ökonom an seiner Analyse des MSCI World fest: dem globalen Aktienindex. Der sei zwar seit Jahresbeginn um 7,4 Prozent gefallen. Doch einzelne Sektoren wie Öl und Gas, aber auch Luftfahrt und Verteidigung sind im gleichen Zeitraum deutlich gestiegen. "Es gibt eine gewaltige Umwälzung gegenwärtig im Aktienmarkt", sagt Mayer.

Große Abhängigkeit von Exporten

Was bedeutet das nun für Anleger? Christian Kahler, Anlagestratege bei der DZ-Bank rät dazu, die Ruhe zu bewahren. Es sei denn, ein Anleger ist stark einseitig in Unternehmen investiert, die von Russland abhängig sind. Zudem rät der Aktienexperte davon ab, ausschließlich Aktien von heimischen Unternehmen zu kaufen: "Deutschland ist natürlich ein exportstarkes Land, und da ist generell meine Empfehlung, eher global zu investieren, weil US-Unternehmen zum Beispiel deutlich sicherer sind, was Russland anbelangt."

Zu den möglichen Kriegsfolgen gehört aus Sicht der großen Wirtschaftsforschungsinstitute ein Anstieg der Inflation - allein schon wegen der weiter anziehenden Rohstoffpreise. Auch darauf reagiert der Aktienmarkt. Der DAX mit seinem hohen Anteil an Industrie-Unternehmen, die auf die Rohstoffe angewiesen sind, hat seit Jahresbeginn schon gut 13 Prozent verloren.

Der Branchenkenner Hendrik Buhrs vom Verbraucherportal "Finanztip" rät Anlegern, sich breit aufzustellen: "Wir sehen deutlich im Moment, wie wichtig es ist, eine ausgewogene Geldanlage an der Börse zu haben. Wer weltweit anlegt und auf die großen bekannten weltweiten Aktienindizes setzt, der spürt das bei weitem nicht so stark."

Schutz vor Inflation

DZ-Bank Analyst Kahler ermutigt Anleger außerdem zu einem langen Atem. "Aktienstrategie - das sagt ja schon das Wort Strategie - ist immer langfristig ausgerichtet. Man soll hier nicht auf die nächsten paar Wochen schauen, sondern auf die nächsten Jahre", sagt der Experte. "Und von daher sollte man jetzt auch unbedingt alles, was man hat als Sparer, behalten - seien es Sparpläne oder Einmalanlagen."

Nach Ansicht von Volkswirt Mayer vom Flossbach von Storch Research Institute müssen Anleger sich jetzt vor allem gegen die länger andauernde Inflation, sprich Geldentwertung, schützen. Der steigende Goldpreis zeigt, dass viele Anleger derzeit in diesen sogenannten sicheren Hafen fliehen - typisch in Krisenzeiten.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. März 2022 um 16:41 Uhr.