Blick auf das Gebäude der Allianz Global Investors in Frankfurt am Main | REUTERS

Wegen Hedgefonds-Streits Allianz jetzt auch im Visier der BaFin

Stand: 07.09.2021 14:05 Uhr

Wegen hoher Verluste spekulativer Fonds ihrer Tochter AGI steht die Allianz Versicherung in den USA seit Monaten unter Druck. Nun ermittelt auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin gegen die Münchner.

Die Allianz-Tochter AGI hat mit spekulativen Fonds hohe Verluste gemacht - deshalb ermittelt die US-Börsenaufsicht SEC schon seit Längerem. Jetzt hat auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin eigene Ermittlungen in dem Fall gestartet, wie mehrere mit der Sache vertraute Personen zur Nachrichtenagentur Reuters sagten.

Hintergrund sind milliardenschwere Verluste, die amerikanische Pensionsfonds und andere Großinvestoren mit Finanzprodukten erlitten haben, die ihnen von der AGI verkauft wurden. Die unter dem Namen "Structured Alpha" aufgelegten Fonds waren in der ersten Corona-Krise im Frühjahr letzten Jahres eingebrochen. Branchenintern ist von Forderungen von bis zu sechs Milliarden Dollar die Rede, die auf den Versicherer zukommen könnten.

Börsenwert eingebrochen

Der Allianz-Vorstand warnte deshalb Anfang August, dass der mit den Fonds verbundene Streit das Konzernergebnis erheblich belasten könne. Der Aktienkurs der Allianz war daraufhin um bis zu zehn Prozent eingebrochen und unter die Schwelle von 200 Euro gerutscht. Damit büßte der Börsenwert rund vier Milliarden Euro ein. Seitdem pendelt der Kurs um die Marke von 200 Euro, nachdem er noch im Juni über 220 Euro geklettert war. Die Nachricht über Ermittlungen der BaFin hat den Kurs der Allianz-Aktie nun aber kaum beeinflusst.

In den USA ermittelt nicht nur die SEC, auch das Justizministerium hat sich in das Verfahren eingeschaltet. Bei den ins Visier der Behörden geratenen Produkten geht es um Hedgefonds, die von der AGI bereits im Jahr 2005 speziell für den US-Markt angeboten wurden. Sie machen allerdings nur einen Bruchteil des von der Allianz-Tochter verwalteten Gesamtvermögens von 600 Milliarden Dollar aus. Zehn Milliarden Dollar davon sollen in Structured-Alpha-Fonds angelegt sein. Die Fonds haben das Ziel, eine höhere Rendite zu erzielen als der Gesamtmarkt, in den meisten Fällen dient der Aktienindex S&P 500 als Vergleichsgröße (Benchmark).

Was wussten die Führungskräfte?

Bei der BaFin seien mehrere Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen mit dem Thema beschäftigt, sagten die Insider zu Reuters. Die Beamten prüften, ob Führungskräfte der Allianz außerhalb des Fondsbereichs von den Ereignissen, die zu den Milliardenverlusten führten, wussten oder daran beteiligt waren. Die Ermittlungen bei der BaFin befänden sich noch in der Phase, in der Fakten zusammengetragen würden. Sie hätten aber an Fahrt aufgenommen, seit die Allianz Anfang August die US-Untersuchungen bekannt gemacht habe.

Die Allianz erklärte, sie sei in regelmäßigem Kontakt mit der BaFin zu allen möglichen Themen, auch zu den Structured-Alpha-Fonds. Dies sei ein normaler Prozess und es gebe nichts weiteres dazu zu sagen. Die BaFin lehnte einen Kommentar ab.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. September 2021 um 13:40 Uhr.