Viele Hände greifen 2001 nach der Euro-Einführung in Deutschland nach den sogenannten Euro-Starterkits. | picture alliance / Gero Breloer/

Erstausgabe am 01.01.2002 Euro-Bargeld feiert 20. Geburtstag

Stand: 31.12.2021 15:49 Uhr

Vor 20 Jahren wurde der Euro zum ersten Mal als Bargeld ausgegeben. Elektronische Zahlungsmittel sind zwar auf dem Vormarsch, doch die Abschaffung von Scheinen und Münzen steht kaum zur Debatte.

Von Klaus-Rainer Jackisch, hr

Es war eine besondere Silvesternacht, als vor 20 Jahren die neuen Euro-Banknoten und -Münzen in den Umlauf kamen. Überall in der damals zwölf Mitgliedsstaaten umfassenden Eurozone wurde das neue Geld gefeiert - mit als erstes in Finnland, wo wegen der Zeitverschiebung die Euro-Scheine eine Stunde früher als hierzulande aus den Automaten kamen und die Finnmark ablösten. In Athen jubelten die Menschen nahe der Akropolis, auch wenn viele wehmütig von der 2700 Jahre alten griechischen Drachme Abschied nahmen. In Deutschland tauschte der damalige Finanzminister Hans Eichel, SPD, als einer der ersten auf der Berliner Silvester-Party 200 Deutsche Mark und bekam dafür 102 Euro und 26 Cent.

Klaus-Rainer Jackisch

Zunächst wurde mit dem Euro gefremdelt

Den Euro sah Eichel vor allem als weiteren Schritt zur europäischen Integration: "Jedenfalls ist er ein weiteres Stück Verwirklichung der Einheit Europas und insbesondere des europäischen Binnenmarktes. Und alles, was in dem Binnenmarkt Schranken beiseite räumt, hilft dem Wirtschaftswachstum", so Eichel. "Der Euro ist ein Bestandteil des Programms für mehr Wohlstand in Europa."

Mit dem Bargeld hatten die rund 300 Millionen Menschen der damaligen Eurozone erstmals die neue Währung in der Hand, die bereits drei Jahre zuvor als Buchgeld eingeführt worden war. Um den Gebrauch zu erleichtern, gaben die Banken sogenannte Starter-Kits heraus, die eine Auswahl an Scheinen und Münzen enthielten. In den ersten Jahren betrachtete insbesondere die deutsche Bevölkerung die neue Währung mit großer Skepsis, vor allem weil sich der Euro schnell zu einem gefühlten Teuro entwickelte - eine Entwicklung, die auch der erste EZB-Präsident Wim Duisenberg später zugeben musste. Doch mittlerweile hat sich die Währung durchgesetzt und auch an Beliebtheit gewonnen. Das liegt vor allem daran, dass sich der Euro trotz der zahlreichen Krisen als stabile Währung etabliert hat.

Bargeld verliert weltweit an Bedeutung

Wie überall in der Welt verliert das Bargeld aber auch in der Eurozone immer mehr an Bedeutung, insbesondere in den nordeuropäischen Ländern. Kredit- und Debitkarten, Buchgeld oder neue Zahlsysteme sind auf dem Vormarsch, zusätzlich angetrieben durch die Pandemie. "In Deutschland sehen wir vor allem eine Generationskluft", sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für Deutschland der ING Bank. "Die älteren Deutschen versuchen immer noch mit Bargeld zu zahlen, während die Bargeldnutzung bei den Unter-35-Jährigen schon Richtung Null geht. Das heißt, hier wächst eine ganze Generation heran, die überhaupt nicht mehr mit Bargeld zahlt, sondern die eher mit dem Smartphone zahlt, die mit der Karte zahlt, aber definitiv nicht mehr mit Scheinen und Münzen."

Viele Staaten versuchen auch, die Bargeldnutzung zu begrenzen, um etwa Steuerhinterziehung, Geldwäsche oder den Drogenhandel besser in den Griff zu bekommen - ein Grund, weshalb etwa die Ausgabe des 500-Euro-Scheins eingestellt wurde. Dies seien zwar legitime Gründe, sagen Akteure an den Finanzmärkten. Man dürfe aber nicht vergessen, dass jeder Bürger auch ein Recht auf Selbstbestimmung habe, was er mit seinem Geld mache, meint Antje Praefcke, Devisenmarkt-Expertin bei der Commerzbank: "Er hat es verdient, er kann es ausgeben, wo und wann er will. Das muss nicht jeder wissen. Denn alle anderen Zahlungen, sei es mit einer Kreditkarte, sei es mit einer Bankkarte, sind - wenn man es wirklich darauf anlegt - in irgendeiner Form nachvollziehbar."

Neues Design und neue Scheine ab 2024

Diese Freiheit und Selbstbestimmung der Verbraucherinnen und Verbraucher hält auch die Europäische Zentralbank für ein hohes Gut. Sie hat deshalb immer wieder betont, dass eine Abschaffung des Bargeldes für sie nicht in Frage kommt.

Ändern könnte sich dennoch einiges: denn die abstrakte Gestaltung der Geld-Scheine mit Brücken, Toren und Fenstern steht zur Disposition. Anlässlich des Jubiläums soll eine Befragung der mittlerweile 340 Millionen Bürgerinnen und Bürger in der heute auf 19 Länder erweiterten Eurozone durchgeführt werden. Ziel ist es, zu ermitteln, ob ein anderes Design oder neue Motive auf den Banknoten gewünscht werden. Die neuen Scheine sollen dann ab 2024 in den Umlauf kommen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 31. Dezember 2021 um 14:41 Uhr.