Der Autobauer Fiat Chrysler FCA hat überraschend sein Angebot zur Fusion mit dem französischen Hersteller Renault zurückgezogen. | Bildquelle: REUTERS

Automarkt Fusion von Fiat Chrysler und Renault geplatzt

Stand: 06.06.2019 09:18 Uhr

Die milliardenschwere Fusion der Autobauer Fiat Chrysler und Renault ist geplatzt. Fiat Chrysler zog sein Angebot zurück und warf Frankreich als Anteilseigner eine Verzögerungstaktik vor. Paris hofft offenbar weiter auf einen Deal.

Die angestrebte Fusion von Fiat Chrysler (FCA) und Renault ist vom Tisch. Überraschend zog FCA sein Angebot "mit sofortiger Wirkung" zurück, nachdem zuvor Renault auf Wunsch des französischen Staates gezögert hatte, das Gesprächsangebot überhaupt anzunehmen.

"Politischen Voraussetzungen nicht gegeben"

Es sei klar geworden, dass derzeit die politischen Voraussetzungen, damit ein solcher Zusammenschluss erfolgreich sei, in Frankreich nicht gegeben seien, teilte der italienisch-amerikanische Autobauer in einer Stellungnahme in London mit. FCA sei weiterhin davon überzeugt, dass der Fusionsvorschlag überzeugend gewesen sei und für alle Parteien Vorteile gebracht hätte.

Die französische Regierung reagierte mit Unverständnis auf die Entscheidung. Der französische Staat habe als Aktionär von Renault das Angebot mit Offenheit aufgenommen und konstruktiv mit allen betroffenen Parteien zusammengearbeitet, hieß es in einer Mitteilung von Wirtschaftsminister Bruno Le Maire.

Bruno Le Maire | Bildquelle: AFP
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Wirtschaftsminister Bruno Le Maire zeigte sich verwundert über den Rückzug von Fiat Chrysler.

Die französische Regierung habe für ihre Zustimmung zur Fusion vier Bedingungen gestellt, hieß es von Le Maire weiter: der Erhalt von Arbeitsplätzen und Fabriken, das Fortführen einer gemeinsamen Initiative mit Deutschland, um eine Batterie für Elektroautos zu entwickeln sowie eine künftige Unternehmensführung, die ein Gleichgewicht zwischen Fiat und Renault sichere. In diesen ersten drei Punkten sei man sich bereits einig gewesen, so der Finanzminister, für die vierte Bedingung - dem Fortbestand der Allianz zwischen Renault und Nissan - habe man noch den Rückhalt von Nissan einholen wollen. Darum habe die Regierung um fünf Tage mehr Zeit gebeten.

Doch der Aufschub der Fusionsgespräche, den Le Maire verlangt hatte, trug offenbar mit zum Rückzug von Fiat-Chrysler bei. Dessen Spitze hatte darauf gedrängt, offizielle Fusionsgespräche möglichst sofort zu beginnen.

"Für eine Hochzeit um Zeit zu bitten, ist doch normal"

Frankreichs Haushalts-Staatssekretär Gerald Darmanin kritisierte diesen Schritt deutlich: "Der französische Staat hat im Verwaltungsrat um Zeit gebeten, damit Fiat eine Garantie für die Arbeitsplätze abgeben und mit den Japanern gesprochen werden kann. Für eine Hochzeit um Zeit zu bitten, das ist doch normal", sagte Darmanin im Radiosender franceinfo. Fügte aber auch hinzu: "Ich glaube, wir sollten die Tür nicht schließen."

Angesichts der Herausforderungen in der Autoindustrie könnten die Gespräche zu einem späteren Zeitpunkt vielleicht wieder aufgenommen werden, sagt der Staatssekretär.

"Verpasste Gelegenheit" für Renault

Der Autobauer Renault zeigte sich enttäuscht. Die nun geplatzte Fusion sei eine verpasste Gelegenheit. Aus dem Unternehmen hieß es, das Fiat-Angebot habe durch finanzielle Vorzüge und industrielle Logik überzeugt.

FCA hatte in der vergangenen Woche bekanntgegeben, sich mit Renault zusammenzuschließen. Die Unternehmen hätten gemeinsam zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen und die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern können. Fiat Chrysler hatte vorgeschlagen, dass beide Unternehmensgruppen - also FCA und Renault - je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen.

Erst positiv, dann zögerlich

Renault hatte bereits unmittelbar nach Veröffentlichung der Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns mit Interesse reagiert. Auch der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, reagierte positiv.

Mit Informationen von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Fusion zwischen Fiat Chrysler und Renault geplatzt
Marcel Wagner, ARD Paris
06.06.2019 12:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 06. Juni 2019 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.

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