Gebäude der US-Notenbank | dpa

Kampf gegen hohe Inflation US-Notenbank hebt Leitzins deutlich an

Stand: 04.05.2022 21:01 Uhr

Die US-Notenbank Fed reagiert auf die hohe Inflation und hebt den Leitzins um 0,5 Prozentpunkte an. Künftig liegt er zwischen 0,75 bis 1 Prozent. Es ist die stärkste Anhebung seit 22 Jahren.

Wie von Analysten erwartet hat die US-Notenbank Federal Reserve Bank (Fed) den Leitzins angehoben. Durch die Erhöhung um 0,5 Prozentpunkte liegt er nun bei einer Spanne von 0,75 bis 1 Prozent. Es ist die erste solch starke Erhöhung seit 22 Jahren. Für gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben.

"Die Inflation ist viel zu hoch", sagte Zentralbankchef Jerome Powell vor Journalisten. "Wir handeln rasch, um sie wieder zu senken", versprach er. Auch bei den nächsten Sitzungen des Zentralbankrats dürften daher wieder Erhöhungen um 0,5 Prozentpunkte anstehen, sagte er.

Ein Balanceakt für die Fed

Die Notenbank hatte die Leitzinsen zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 zur Stützung der Wirtschaft auf Nullniveau abgesenkt. Im Zuge der wirtschaftlichen Erholung stiegen dann aber die Verbraucherpreise stark an - im Jahresvergleich um 8,5 Prozent. Das ist die höchste Teuerungsrate seit 1982. Die Störung der Lieferketten, die deutlich höheren Öl- und Energiepreise und der Arbeitskräftemangel treiben die Inflation an.

Im März hatte die Fed deshalb zum ersten Mal seit 2018 den Leitzins angehoben - um 0,25 Prozent. Notenbankchef Powell erklärte Ende April, das Ziel sei es, die Werkzeuge der Zentralbank so einzusetzen, dass sich Angebot und Nachfrage wieder anpassten und die Inflation zurückgehe. Die Konjunktur solle sich in einer Weise abkühlen, die nicht einer "Rezession" entspreche. Der Balanceakt werde nicht einfach sein, sagte er.

Erhöhungen des Leitzinses verteuern Kredite und bremsen die Nachfrage. "Noch nie gab es einen derart zügigen Zinspfad, während sich gleichzeitig die Weltwirtschaft so zügig abschwächte", sagte Jochen Stanzl, Analyst beim Handelshaus CMC Markets.

Zudem beschlossen die Währungshüter in Washington, die in der Corona-Krise durch massive Anleihenkäufe auf fast neun Billionen Dollar angewachsene Fed-Bilanz ab Juni schrittweise einzudampfen. Damit wird den Finanzmärkten Liquidität entzogen.

Zusammen mit den Erhöhungen des Leitzinses will die Fed mit diesem Schritt Kredite verteuern und die Nachfrage bremsen. Der angekündigte Abbau war von den Finanzmärkten weitestgehend so erwartet worden.

Die Fed ist den Zielen der Preisstabilität und Vollbeschäftigung verpflichtet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Mai 2022 um 20:00 Uhr.