Gebäude der US-Notenbank | dpa

Größter Zinssprung seit 1994 US-Notenbank hebt Leitzins kräftig an

Stand: 15.06.2022 21:28 Uhr

Zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate erhöht die US-Notenbank ihren Leitzins stark um 0,75 Prozentpunkte. Damit liegt er nun in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent, wie die Fed mitteilte. Es ist der größte Sprung seit 1994.

Im Kampf gegen die hohe Inflation hat die US-Notenbank Fed den Leitzins so kräftig angehoben wie seit 1994 nicht mehr. Sie beschloss eine Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte auf die neue Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent. Die Fed gab damit die dritte Leitzinserhöhung in diesem Jahr bekannt.

Die Währungshüter signalisierten, dass sie dieses Jahr noch mehrfach nachlegen werden, um die Inflation in Schach zu halten. Sie peilen für das Jahresende im Schnitt ein Zinsniveau von 3,4 Prozent an. Im März hatten sie noch einen Wert von 1,9 Prozent ins Auge gefasst. Auf längere Sicht wird ein Zinsniveau von 2,5 Prozent anvisiert.

Inflation bleibt noch länger über Zielwert

Ihre Inflationsprognose erhöhten die Geldpolitiker ebenfalls. Die Teuerungsrate soll trotz der geplanten Zinsschritte 2022 durchschnittlich bei 5,2 Prozent liegen, eine Steigerung von 0,9 Prozentpunkten gegenüber der vorigen Prognose vom März. In den kommenden beiden Jahren soll die Rate dann auf 2,7 beziehungsweise 2,3 Prozent fallen und sich damit dem Zielwert der Fed von 2,0 Prozent annähern.

Für das laufende Jahr prognostizieren die Währungshüter nun nur noch ein Wirtschaftswachstum von 1,7 Prozent, nach bisher 2,8 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell bekräftigte die "Entschlossenheit" der Notenbank, die Inflation einzudämmen. Die Inflation ist auch eine starke Belastung für US-Präsident Joe Biden. Dessen Demokraten müssen angesichts des Unmuts der Wähler bei den Kongress-Zwischenwahlen im November herbe Niederlagen befürchten.

"Klares Signal der Stabilität"

"Die Zinserhöhung um 75 Basispunkte ist ein klares Signal, dass die Bank ihr Stabilitätsziel nach längerem Zögern jetzt mit Nachdruck verfolgt und nicht die Fehler der Politik in den 1970er-Jahren wiederholen wird", kommentierte Volkswirt Michael Heise von HQ Trust. Zwar sei mit einer deutlichen Abschwächung der Konjunktur zu rechnen. Eine starke Rezession werde aber durch hohe Auftragsbestände der Industrie und eine starke Post-Corona-Nachfrage im Dienstleistungssektor verhindert werden.

Finanzmärkte relativ gelassen

An den Finanzmärkten war angesichts der jüngst überraschend auf 8,6 Prozent gestiegenen Teuerungsrate in den USA ein Schritt in dieser ungewöhnlichen Größe erwartet worden. Entsprechend gefasst reagierten die Märkte auf den Entscheid. Der amerikanische Leitindex Dow Jones kletterte nach einer ersten negativen Reaktion wieder in positives Terrain.

Auch EZB hebt Leitzinsen an

Wegen der hohen Inflation stehen die Notenbanken weltweit unter Druck, ihre lockere Geldpolitik zu straffen. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) hatte nach langem Zögern zuletzt beschlossen, die milliardenschweren Anleihenzukäufe zum 1. Juli zu beenden. "Die Entscheidung wurde einstimmig gutgeheißen", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

Bei der nächsten regulären Sitzung des EZB-Rates am 21. Juli will die EZB die Leitzinsen erstmals seit elf Jahren wieder erhöhen, zunächst um jeweils 0,25 Prozentpunkte. Im September dürften Europas Währungshüter dann nachlegen - bei anhaltend hoher Inflation sogar stärker als im Juli. Voraussetzung dafür sei, dass die hauseigenen Prognosen die Inflationsrate im Jahr 2024 bei 2,1 Prozent oder höher sehen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juni 2022 um 20:00 Uhr.