Fragen und Antworten

Dampfende Kühltürme

Regierung fordert weitere CO2-Einsparungen Wie teuer sind die Klimaschutzziele?

Stand: 24.11.2014 18:12 Uhr

Wie viel muss zusätzlich eingespart werden, um die Klimaschutzziele - 40 Prozent weniger Emissionen gegen über 1990 - bis zum Jahr 2020 zu erreichen?

Deutschland muss mehr CO2 einsparen als bislang gedacht: Um weitere 62 bis 100 Millionen Tonnen soll der Ausstoß sinken. Das sieht ein Plan vor, den die Bundesregierung in der kommenden Woche offiziell vorstellen wird. Ohne diese zusätzlichen Anstrengungen sinken die Emissionen gegenüber dem Referenzjahr nur um etwa 33 Prozent - deshalb kommen diese Mengen zu den bislang vereinbarten Einsparungen hinzu.

Auf den Bereich Verkehr entfallen demnach zehn Millionen Tonnen, auf die Landwirtschaft drei Millionen Tonnen. Durch Energieeffizienz sollen weitere 25 bis 30 Millionen Tonnen eingespart werden. Den größten Beitrag sollen die Energieunternehmen leisten, mit zusätzlichen Einsparungen von 22 bis 55 Millionen Tonnen. Die Hoffnung von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel ist es, dass Konzerne wie E.ON, RWE oder Vattenfall ältere Kohlekraftwerke drosseln oder ganz abstellen, um die Einsparungen zu erreichen. Vorgaben macht er jedoch nicht.

Wie gerecht ist diese Verteilung der Lasten?

Obwohl sie am meisten einsparen müssen, kommen die Energiekonzerne nach Meinung vieler Experten noch günstig davon. "Die Energiewirtschaft wurde bei den bisherigen Einsparungen durchaus geschont, da das eigentliche Klimaschutzinstrument, der CO2-Emissionsrechtehandel, nicht funktioniert", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Logos der vier großen Energiekonzerne EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall
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Die großen Energiekonzerne kündigten bereits Schadenersatzforderungen an.

Experten gehen deshalb davon aus, dass die Unternehmen deutlich mehr einsparen müssten. Dafür gibt es mehrere Gründe: Sie sind für knapp 40 Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Außerdem ist die Menge der Emissionen in den letzten Jahren angestiegen, unter anderem weil die Energiekonzerne ihre Stromexporte deutlich gesteigert haben - und auf Kosten des Klimas gute Gewinne gemacht haben. Dagegen werden private Haushalte über Energieeffizienzmaßnahmen wie die verpflichtende Wärmedämmung bei Eigenheimen verhältnismäßig stark belastet.

Wie wirken sich die zusätzlichen Einsparungen auf den Strompreis aus?

"Derzeit haben wir große Überkapazitäten auf dem Strommarkt", sagt Kemfert. Würden alte und ineffiziente Kohlekraftwerke abgestellt, stiege zwar der Preis an der Strombörse in Leipzig. Allerdings sinke dadurch die EEG-Umlage, die sich aus der Differenz zwischen konventionellem Strom und dem Preis für Ökostrom berechnet. Das entlaste die Verbraucher, meint auch Energieexpertin Kemfert: "Somit dürfte der Endkundenpreis kaum höher ausfallen als vor der Marktbereinigung."

Dazu kommt aber auch noch ein anderer Faktor: die sogenannten Umweltkosten. Dazu berechnen Energieexperten die indirekten Kosten der Kohlekraft. Denn jedes Jahr gibt der Staat Milliarden für die Folgen des Klimawandels aus, der infolge der hohen CO2-Emissionen entsteht. Dazu zählen etwa Kosten für die Folgen von Hochwasser, Stürmen oder extremen Unwettern (die in Folge des Klimawandels immer häufiger auftreten). Aber auch Versicherungsschäden, beispielsweise durch Ernteausfälle oder Schäden an Gebäuden und Autos, fließen in die Berechnungen ein. Demnach liegt der "wahre" Preis für Kohlestrom knapp zehn Cent über dem, was der Verbraucher an seinen Energieversorger zahlt.

Deutsche Klimaziele: Stromkonzerne sollen Co2-Ausstoß drastisch verringern
23.11.2014

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Wie reagieren die Konzerne auf die Ankündigung?

"Kraftwerksstilllegungen schädigen die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie ganz unmittelbar", erklärte dagegen BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber. Die Stromkonzerne bereiten deshalb offenbar eine Klage vor: Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, fordern die Konzerne Ausgleichszahlungen von rund 500 Millionen Euro pro Jahr, falls sie eine Kapazität von 5000 Megawatt vom Netz nehmen müssen - dies entspräche etwa zehn Kohlekraftwerken. Auch der "Spiegel" berichtete, die Energiekonzerne drohten mit Milliarden-Klagen, falls sie gezwungen würden, Kraftwerke ohne Entschädigung zu schließen.

Drohen im Winter dann nicht Engpässe - oder gar ein Blackout?

Ein weiteres Gegenargument der Stromkonzerne, wegen weiterer CO2-Einsparungen drohten Versorgungsengpässe oder gar ein Black-Out, lässt Klaus Müschen, Leiter der Abteilung Klimaschutz und Energie im Umweltbundesamt nicht gelten: "Dieses Argument höre ich schon seit Jahrzehnten". Auch die Ökonomin Kemfert pflichtet ihm bei: "Wir schwimmen im Strom, verramschen ihn an der Börse und exportieren große Mengen Strom zu Billigpreisen. Dies schwächt die Wirtschaftlichkeit aller Kraftwerke, auch der für die Energiewende so wichtigen Gaskraftwerke aber auch Pumpspeicherkraftwerke."

Ein Blackout droht nach Meinung der Experten deshalb nicht. Und falls es doch dazu kommen sollte, gibt es genügend Gaskraftwerke, die auf ihren Einsatz warten, weil sie im Moment nicht rentabel sind - und die Strom mit nur halb so viel Klimagas erzeugen wie die Kohlemeiler.

Wie viel CO2 stoßen wir momentan aus und wer hat daran welchen Anteil?

Der größte Verursacher von Emissionen ist laut Zahlen des Umweltbundesamts die Energiewirtschaft: Sie trägt mit knapp 40 Prozent zum jährlichen Ausstoß von rund 951 Millionen Tonnen bei. Danach kommt das Verarbeitende Gewerbe mit 116 Millionen Tonnen CO2-Äquivalent. Der Verkehrssektor trägt 156 Millionen Tonnen bei und auf Landwirtschaft sowie Metall- und Chemieindustrie entfallen etwa 69 Millionen Tonnen. Die Privathaushalte verursachen etwa 100 Millionen Tonnen CO2.

Seit 1990 ist der Ausstoß an Treibhausgasen kontinuierlich gesunken. Wieso steigt er seit einigen Jahren aber wieder?

Das liegt zum einen daran, dass der Ausstoß im Krisenjahr 2009 auf einen historischen Tiefpunkt sank. Zum anderen ist Kohle derzeit sehr günstig. Die großen Konzerne exportieren deshalb zunehmend Strom ins Ausland. Der Nettoexport, also die Menge, die wir mehr aus- als einführen, lag im vergangenen Jahr bei rund 33 Terawattstunden. Zum Vergleich: Pro Jahr werden in Deutschland knapp 530 Terawattstunden Strom verbraucht - wir verkaufen also rund sechs Prozent unseres Jahresstromverbauchs. Die Menge an Treibhausgasen ist dadurch um 30 Millionen Tonnen gestiegen.

Warum ist der Brennstoff Braunkohle so schädlich?

Blick auf riesige Maschinen für den Abraum und die Förderung von Braunkohle
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Blick auf riesige Maschinen für den Abraum und die Förderung von Braunkohle im Braunkohletagebau Welzow-Süd

Braunkohle ist der fossile Brennstoff mit der höchsten Klima- und Umweltbelastung. Die Stromerzeugung aus ihr verursacht mit einem Ausstoß von knapp 1000 g/kWh die höchsten klimaschädlichen CO2-Emissionen pro Energieeinheit. Bei Erdgas liegt dieser Wert bei nur etwa 250 g/kWh. Dennoch brummen die deutschen Kohlekraftwerke auf vollen Touren. Etwa zwei Drittel unseres Stroms kommt aus dem fossilen Brennträger. "Es gibt für die Energieunternehmen zwei Stellschrauben, um die Einsparungen zu erreichen", erklärt ARD-Umweltexperte Werner Eckert. "Entweder die Betreiber drosseln die vorhandenen Kohlekraftwerke - oder sie schalten ein paar ab." Weil es wirtschaftlicher ist, werden sie wohl "ein paar Blöcke abschalten, vor allem kleinere und ältere", meint Eckert.

Welche Kosten kommen auf uns zu, wenn wir die Klimaschutzziele nicht erreichen?

In einer Studie des DIW heißt es: "Wenn kein forcierter Klimaschutz betrieben wird (…), fielen in Deutschland schon bis zum Jahr 2050 Kosten von insgesamt knapp 800 Milliarden Euro an." Allein die erhöhten Energiekosten beliefen sich auf knapp 300 Milliarden Euro, wovon die privaten Haushalte einen großen Teil tragen müssten. Damit ist klar: Es ist günstiger, jetzt Geld für Klimaschutz zu investieren, als hinterher die Schäden zu reparieren. Neben der Energiewirtschaft sieht DIW-Expertin Kemfert vor allem im Verkehrsbereich und beim Immobiliensektor noch großes Einsparpotenzial. "Somit sind die Maßnahmen bis 2020 nur erste Schritte für mehr Klimaschutz in der Zukunft", resümiert die Ökonomin.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. November 2014 um 12:00 Uhr.

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