Eine Tasse Kaffee steht auf einem Tisch umgeben von Kaffeebohnen

Ministerforderung Eine Steuer weniger für Fairtrade-Kaffee?

Stand: 02.12.2019 10:56 Uhr

Im Laden kostet ein Kilo Kaffee etwa acht Euro - doch die Bauern in Entwicklungsländern bekommen davon nur rund 50 Cent. Die Minister Müller und Heil - gerade unterwegs in Äthiopien - wollen das ändern.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil haben sich für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair angebaute und verarbeitete Produkte ausgesprochen. Müller sagte beim Besuch der Minister in Äthiopien, dass damit ein Wettbewerbsvorteil für jene Produkte geschaffen würde, die unter Beachtung von Mindeststandards erzeugt werden.

Denn die Arbeitsbedingungen auf den Kaffeeplantagen sind oft katastrophal. Vielfach sind es Kinder, die zu Hungerlöhnen arbeiten.

50 Cent für Roh-Kaffee vor Ort - verkauft für acht Euro

Heil sprach sich dafür aus, darüber in der Großen Koalition zu sprechen. Müller argumentierte, dass Kaffee eines der Hauptprodukte von Entwicklungsländern sei, aber für die Rohware im Einkauf ein Niedrigstpreis bezahlt werde. Dieser entspreche gerade einmal drei oder vier Prozent des Preises, den Kunden in Deutschland für das Endprodukt bezahlten.

In Äthiopien bekämen also die Bauern für ein Kilogramm lediglich 50 bis 60 Cent, und dann verlange der deutsche Finanzminister 2,19 Euro Kaffeesteuer und verkauft werde es im Geschäft für für acht Euro. "Das hat doch mit Gerechtigkeit nichts zu tun", sagte der CSU-Politiker. Die Regelung sei "von vorgestern - vor 200 Jahren eingeführt", so Müller.

Er will diese Steuer nutzen, um fair produzierten Kaffee attraktiver zu machen. Dadurch könne der Marktanteil wachsen, "damit in den Erzeugerländern die Kaffeekrise beendet werden kann, Kinder nicht mehr auf die Plantage müssen", so Müller.

Müller und Heil in Äthiopien | Bildquelle: Markus Sambale
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Die Minister Heil (links) und Müller sind gemeinsam in Äthiopien unterwegs.

Ein Drittel von Äthiopiens Kaffee geht nach Deutschland

Arbeitsminister Heil, der zusammen mit Müller in Äthiopien unterwegs ist, zeiget sich offen für den Vorschlag: Äthiopien habe 2,5 Millionen Plantagen und produziere massiv Kaffeebohnen. Gleichzeitig werde nur ein Prozent des Kaffees im Land geröstet. Das sei nicht einzusehen. Die Wertschöpfung müsse auch im Anbaugebiet möglich sein.

Die Kaffeesteuer ist laut deutschem Finanzministerium eine nationale Verbrauchsteuer, die von der Zollverwaltung erhoben wird und dem Bund zusteht. Die jährlichen Steuereinnahmen betragen demnach rund eine Milliarde Euro. Äthiopien gehört zu den wichtigsten Kaffee-Exporteuren und führt etwa ein Drittel des erzeugten Kaffees nach Deutschland aus. Eine Schwierigkeit ist allerdings, dass die Kriterien, wann ein Kaffee als fair gehandelt gilt, derzeit nicht einheitlich sind.

Zu niedriger Einkaufspreis auch für Schokolade

Müller hatte die teilweise Abschaffung bereits im vergangenen Jahr ins Gespräch gebracht. Als Entwicklungsminister spricht er immer wieder auch die Herstellungsbedingungen in den Entwicklungsländern für andere Produkte an. So rief er die Verbraucher dazu auf, gerade in der Adventszeit öfter zu nachhaltig produzierten Kakao- und Schokoladenwaren zu greifen. "In den nächsten Wochen werden allein 140 Millionen Schokonikoläuse produziert", sagte Müller der "Rheinischen Post". Wenn nur noch faire Schokonikoläuse gekauft würden, wäre das ein großes Zeichen der Solidarität. Millionen Euro würden direkt nach Westafrika an die Kakaobauern und deren Familien fließen.

Für billige Einkäufe zahle jemand anderes die Rechnung, sagte Müller: "Damit wir unseren Kindern günstige Schokolade ‎in den Nikolausstiefel stecken können, schuften weltweit 2,3 Millionen Mädchen und Jungen auf Kakaoplantagen." Der Einkaufspreis für Schokolade sei auf dem Weltmarkt so niedrig, dass die Bauern und ihre Familien davon nicht leben könnten.

Mit Informationen von Markus Sambale, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Addis Abeba.

Entwicklungsminister Müller: Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee abschaffen
Markus Sambale, ARD Berlin
02.12.2019 09:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Dezember 2019 um 10:20 Uhr.

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