Parkettleger bei der Arbeit | Bildquelle: picture alliance / dpa Themendie

Fachkräftemangel "Riesenbedarf" bei Handwerkern

Stand: 25.12.2019 11:11 Uhr

Straßenbau und Gebäudetechnik, Sanitär, Heizung, Nahrungsmittel - Fachkräfte fehlen in allen Bereichen des Handwerks. Verbandsspräsident Wollseifer setzt auf das Einwanderungsgesetz - aber nicht nur.

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) | Bildquelle: dpa
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Einwanderer, Langzeitarbeitslose und Frauen - hier sieht Handwerkspräsident Wollseifer Potenzial.

Handwerkspräsident Wollseifer sieht einen "Riesenbedarf" an Fachkräften in der Branche. Mittlerweile fehlten diese in fast allen Gewerken, betont er. Dadurch komme es zu Verzögerungen etwa bei Brückensanierungen oder dem Breitbandausbau.

Zumindest eine leichte Entspannung verspricht sich Wollseifer vom Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das im März in Kraft tritt. Es sei klar, dass nicht sofort 30.000 Fachkräfte vor der Tür stünden, betonte er. Aber wenn einige Tausend Fachkräfte pro Jahr aus Drittländern kämen, wäre das seiner Meinung nach ein Erfolg.

Wunsch nach unbürokratischem Gesetz

Das Fachkräfteeinwanderungsgesetz soll qualifizierten Arbeitnehmern aus Nicht-EU-Staaten den Weg nach Deutschland erleichtern. Es sei nun eine gemeinsame Aufgabe, in Drittstaaten Fachkräfte zu gewinnen, Berufsabschlüsse anzuerkennen, Fachkräfte bei Bedarf zu qualifizieren und zu vermitteln.

"Das wollen wir alle zusammen machen", so der Handwerkspräsident. "Das Gesetz muss unbürokratisch und unkompliziert angewendet werden."

Die Zuwanderung von Fachkräften könne eine wirkliche Entlastung bringen, sagte Wollseifer. "Aber die bestehende Fachkräftelücke werden wir auch so nicht vollständig füllen können."

Möglichst mehr Frauen in technischen Berufen

Deshalb müssten weiter auch alle Potenziale in Deutschland gefördert werden. So müsse dafür gesorgt werden, dass Langzeitarbeitslose in den ersten Arbeitsmarkt kommen.

Weiter konstatierte Wollseifer: "Wir müssen Frauen - gerade auch in technischen Berufen - fördern. Damit noch mehr Frauen überhaupt im Beruf tätig werden können, müssen die Bedingungen etwa durch mehr Kitas und Ganztagsbetreuung in den Schulen verbessert werden."

Grüne fordern Handwerk für Frauen attraktiver zu machen

Die Grünen-Bundestagsfraktion forderte die Bundesregierung auf, Handwerksberufe für Frauen attraktiver zu machen. "Dass das deutsche Handwerk oft immer noch eine Männerdomäne ist, müsste nicht so sein", sagte die Mittelstandsbeauftragte Claudia Müller. "Die Regierung könnte weit mehr leisten, indem sie den Mutterschutz und Familienverträglichkeit verbessern würde."

Müller kritisierte, dass die Zahl der Frauen und der Frauenanteil in Handwerksberufen in den vergangenen Jahren "nur minimal angestiegen sind". Laut einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Grünen-Fraktion, aus der Nachrichtenagentur AFP zitiert, stieg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen der Frauenanteil in den vergangenen Jahren zwar in vielen Bereichen an, liegt aber weiterhin deutlich unterhalb des Männeranteils.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 25. Dezember 2019 um 09:00 Uhr.

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