Interview

Facebook

Börsenexperte zur Facebook-Aktie "Eher ein Fanartikel"

Stand: 18.05.2012 14:20 Uhr

Es ist einer der größten Börsengänge der Geschichte: Bereits vor dem ersten Handelstag nahmen Facebook und bisherige Aktionäre rund 16 Milliarden Dollar ein. Falko Bozicevic, Chefredakteur des Anlegermagazins GoingPublic, bremste im Interview mit tagesschau.de aber die Erwartungen. Kurzfristig erwartet er Kurs-Steigerungen, die langfristigen Perspektiven hält er für unsicher. Seiner Einschätzung nach könnte durch den Börsengang eine neue Internet-Blase entstehen.

tagesschau.de: Was hat Facebook mit seinen Milliarden aus dem Börsengang denn jetzt vor?

Falko Bozicevic: Nicht alle Einnahmen aus dem Börsengang gehen direkt an Facebook. Von den Einnahmen in Höhe von 16 Milliarden Dollar fließen nur sieben Milliarden an das Unternehmen. Die übrigen neun Milliarden Euro sind Umplatzierungen: Die bestehenden Aktionäre, auch Facebook-Gründer Zuckerberg, haben Anteile abgegeben. Darauf werden nun Steuern fällig – ein kleiner Zufluss also an die kalifornische Staatskasse.

alt Falko Bozicevic

Zur Person

Falko Bozicevic, Jahrgang 1969,hat Mathematik und Wirtschaftsmathematik studiert. Seit Herbst 2006 ist er Chefredakteur des Anlegermagazins GoingPublic.

tagessschau.de: Welche Vorteile hat Facebook durch den Börsengang?

Bozicevic: Durch die Börsen-Notierung ist Facebook in der Lage, andere Firmen schnell zu kaufen. Damit wird auch gerechnet: Im mobilen Bereich hat das Unternehmen noch nicht so viel Neues zustande gebracht. Man kann nun mit der eigenen Aktie als Kaufwährung sehr gut andere Unternehmen übernehmen – und dabei die eigenen Mittel schonen.

Neue Internetblase wäre denkbar

tagessschau.de: Einige Experten rechnen damit, dass Facebook bei solchen Übernahmen überhöhte Preise zahlen wird – und dass so eine neue Internet-Blase entstehen könnte.

Bozicevic: Das ist möglich, wie man schon im Vorfeld des Börsengangs gesehen hat. Da hat Facebook mal eben eine Milliarde Dollar auf den Tisch gelegt für den kleinen Foto-Service Instagram. Ein Unternehmen ohne Umsätze und Gewinne, mit 13 Mitarbeitern. Aber Instagram hatte ein aufkommendes Netzwerk, das Facebook anscheinend als Konkurrenz ansah.

tagessschau.de: Schauen wir auf Facebook aus der Anlegerperspektive: Wie wird  die Aktie starten?

Bozicevic: Ich glaube nicht, dass die Aktie kurzfristig absackt. Dafür sind zu viele "heiß" auf die Aktie. Ich habe mit einigen Händlern im Vorfeld gesprochen: Jeder versucht, nahe des Ausgabepreises von 38 Dollar noch irgendwie an Aktien zu kommen. Manche Experten rechnen heute mit einem Kurssprung von 50 Prozent. Aus der Erfahrung der Vergangenheit würde ich sogar eine Verdoppelung nicht ausschließen.

tagessschau.de: Wie sehen Sie die langfristige Perspektive der Facebook-Aktie?

Bozicevic: Ich sehe die Aktie ein bisschen als Fanartikel. Facebook polarisiert sehr stark: Man ist entweder Fan oder man hat gar keinen Account. Beim Kauf der Aktie kann man keine Dividenden erwarten - und man hat natürlich keine garantierten Kurs-Steigerungen. Für die Altersvorsorge ist das mit Sicherheit nichts.

Die Fragen stellte Katrin Prüfig, tagesschau24

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