Facebook im App-Store von Apple | Bildquelle: AP

Umgang mit fragwürdigen Posts Kritik und Werbeboykott - Facebook reagiert

Stand: 27.06.2020 04:13 Uhr

Mehrere Konzerne schalten keine Werbung mehr bei Facebook. Begründung: Das Netzwerk tue nicht genug gegen Fake News und Hasskommentare. Nun will Facebook fragwürdige Posts plötzlich doch markieren - auch solche von US-Präsident Trump.

Facebook ändert seinen Umgang mit fragwürdigen Inhalten. Das Unternehmen kündigte an, künftig Beiträge von Politikern zu markieren, wenn diese gegen die Nutzungsregeln verstoßen. Das gelte auch für Inhalte, die US-Präsident Donald Trump in dem Sozialen Netzwerk verbreitet.

Konzernchef Mark Zuckerberg zufolge sollen zudem Posts gelöscht werden, in denen behauptet werde, dass Menschen etwa einer gewissen Herkunft, Religion oder sexuellen Orientierung eine Gefahr für die Sicherheit oder Gesundheit darstellten.

Facebook war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil es - anders als Twitter - unwahre Behauptungen Trumps kommentarlos auf der Seite hatte stehen lassen. Twitter hatte vor einigen Wochen damit begonnen, Beiträge von Trump mit einem Link zu versehen, wenn diese nicht den Fakten entsprachen.

Auch Coca-Cola und Unilever schalten keine Werbung mehr

Auch eigene Mitarbeiter hatten Facebook-Chef Zuckerberg kritisiert. Mehrere Firmen hatten zudem angekündigt, keine Anzeigen mehr bei Facebook zu schalten. Dieser Boykott bekommt nun gewichtige Unterstützung: Der Konsumgüterriese Unilever und der Autobauer Honda gaben bekannt, in den USA vorerst keine Werbeanzeigen mehr bei dem Online-Netzwerk und seiner Tochter Instagram zu schalten.

Der Boykott des Unilever-Konzerns trifft allerdings nicht nur Facebook, sondern auch Twitter. Das niederländisch-britische Unternehmen begründete die Entscheidung mit der Verantwortung der Unternehmen im Umgang mit kontroversen Beiträgen im Netz - speziell angesichts der angespannten politischen Atmosphäre in den USA. Facebook und Twitter müssten mehr tun, besonders bei Hasskommentaren und spalterischen Beiträgen während des US-Wahlkampfes. An der Börse gerieten Facebook und Twitter nach der Mitteilung des Konsumgüterkonzerns stark unter Druck.

Unilever-Zentrale in Rotterdam | Bildquelle: AFP
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Unilever-Zentrale in Rotterdam. Zu dem Konzern gehören unter anderem Marken wie Knorr, die Eiscreme "Ben & Jerry's" oder die Körperpflegeprodukte Dove.

Aufruf von US-Bürgerrechtlern

Honda teilte mit, im Juli keine Anzeigen mehr bei Facebook und Instagram zu platzieren, um ein Zeichen gegen "Hass und Rassismus" zu setzen. Zuvor hatten sich bereits etliche andere Unternehmen, darunter der US-Mobilfunk-Gigant Verizon und die bekannten Outdoor-Marken The North Face und Patagonia der Initiative #StopHateForProfit angeschlossen.

Auch Coca-Cola zog inzwischen nach - beschränkt sich bei dem Boykott aber nicht auf den Facebook-Konzern. Man werde für mindestens 30 Tage jegliche Werbung in allen Online-Netzwerken aussetzen, teilte Konzernchef James Quincey mit. Online-Netzwerke sollten mehr "Transparenz und Verantwortung" an den Tag legen, forderte er. "Es gibt keinen Platz für Rassismus in der Welt und es gibt keinen Platz für Rassismus in den sozialen Netzwerken." Coca-Cola ist eine der bekanntesten Marken der Welt und gibt enorme Summen für Werbung aus. 

US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden - Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen. Die US-Protestwelle gegen Rassismus und Polizeigewalt hat die Kritik an Facebook, zu nachlässig mit kontroversen Beiträgen umzugehen, wieder stark aufflammen lassen.

Facebook: Weitere Unternehmen in den USA boykottieren das soziale Netzwerk
Marcus Schuler, Los Angeles
27.06.2020 06:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 27. Juni 2020 um 07:37 Uhr.

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