Blick durch eine Lupe auf das soziale Netzwerk Facebook | Bildquelle: dpa

Insider warnen "Facebook ist ein Tatort"

Stand: 07.02.2018 08:45 Uhr

Sie waren Investoren und Berater - jetzt wenden sich Tech-Größen aus dem Silicon Valley gegen Facebook und Co. Sie wollen gegen die negativen Auswirkungen sozialer Netzwerke vorgehen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Es ist eine ungewöhnliche Initiative, die sich in San Francisco am nördlichen Rand des Silicon Valley gebildet hat. Sie nennt sich "Zentrum für humane Technologie" und wurde von ehemaligen Mitarbeitern von Facebook, Google und anderer Tech-Unternehmen gegründet.

Facebook-Logo mit Like-Button | Bildquelle: REUTERS
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"Durch das ständige Liken und Teilen erhält das Gehirn einen Dopamin-Kick."

"Dich wütend oder ängstlich zu machen - das ist gut für das Geschäft von Facebook, aber nicht für Nutzer oder die Menschen in den USA", sagt Roger McNamee. Er war einer der ersten Facebook-Investoren und beriet dessen Gründer Mark Zuckerberg. Doch jetzt hat er die Hoffnung in Facebook verloren - und mit ihm andere bekannte Tech-Manager des Silicon Valley. Zum Beispiel Justin Rosenstein, der den "Gefällt-mir"-Knopf erfunden hat.

Diskussion gefordert

Ihre Verbitterung richte sich vor allem gegen Facebook, sagt Tristan Harris, ehemaliger Google-Manager, der die neue Initiative leitet. "Diese Tech-Unternehmen haben einen großen Einfluss auf unsere Kultur, auf unser Wahlverhalten, auf die Entwicklung von Kindern. Sie sind mächtiger als nahezu jeder Politiker - sie beeinflussen die Gedanken von zwei Milliarden Nutzern. Dazu benötigen wir eine Diskussion", fordert Harris im Wirtschaftssender Bloomberg.

Die Kritik an den mächtigen Tech-Unternehmen kommt nicht von ungefähr. Alles fing mit den Wahlen in den USA Ende 2016 an. Damals hatte Facebook-Chef Zuckerberg eine mögliche Beeinflussung der Nutzer durch russische Propaganda zurückgewiesen und als vollkommen "verrückt" abgetan. In den folgenden Monaten musste er scheibchenweise zugeben, dass die Beeinflussung riesige Ausmaße hatte.

Mark Zuckerberg | Bildquelle: REUTERS
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Nach und nach musste Facebook-Chef Beeinflussungen der US-Wahl zugeben.

Sucht und Schaden

"Sie haben Informationen zurückgehalten: Erst hieß es, es wurden nur 100.000 Dollar für Anzeigen ausgegeben. Dann stellt sich heraus: Die russische Kampagne hat 150 Millionen Menschen beeinflusst", erzählt Harris. Facebook habe das erst bei der Kongressanhörung am 1. November zugegeben." Nun will das Unternehmen alles alleine in Ordnung bringen, man solle ihm nur vertrauen. Facebook ist nach wie vor ein Tatort."

Erst kürzlich hat Marc Benioff, Chef des Cloudanbieters Salesforce, gefordert, man solle Facebook behandeln wie die Tabakindustrie. Das soziale Netzwerk mache süchtig und schade den Menschen. Apple-Chef Tim Cook meinte, er wolle nicht, dass sein Neffe soziale Netzwerke benutze. Ärzte in den USA hatten Facebook vor wenigen Tagen aufgefordert, eine Chat-App wieder vom Markt zu nehmen, die sich an Kinder ab sechs Jahren richtet.

Abo-Modell für Facebook?

Und Facebook-Investor Sean Parker sagte, nur Gott wisse, was den Gehirnen von Kindern angetan werde. Durch das ständige Liken, das gegenseitige Erwähnen und das dauernde Teilen von Texten, Bildern und Videos erhalte das menschliche Gehirn eine Art Dopamin-Kick, erklärt er. Der Nutzer kontrolliere ständig seinen Facebook-Feed - genau das hätten die Programmierer im Sinn gehabt. Ihnen gehe es einzig darum, die Nutzer ständig in dem Netzwerk zu halten.

Die Initiative für "menschenfreundliche Technologie" will jetzt eine Website starten. Ihr Ziel ist, die Nachteile der verschiedenen Technologien aufzuzeigen und die Entwickler im Silicon Valley dafür zu sensibilisieren. Außerdem plant sie eine millionenschwere Werbekampagne. McNamee, der ehemalige Facebook-Investor und Zuckerberg-Mentor, fordert von dem Netzwerk, sein Geschäftsmodell zu ändern. Statt sich über Anzeigen zu finanzieren, sollte es ein Abo-Modell einführen.

Insider warnen vor Facebook
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
07.02.2018 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 07. Februar 2018 um 09:00 Uhr.

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