Plaketten mit dem Facebook-Logo | Bildquelle: REUTERS

Messenger-Aufnahmen Auch Facebook ließ zuhören und abtippen

Stand: 14.08.2019 01:19 Uhr

Apple, Google und Amazon haben ihr Vorgehen schon geändert - jetzt zieht Facebook nach: Künftig will man keine Nutzeraufnahmen mehr auswerten lassen. Viele Nutzer haben von der Praxis wohl gar nichts gewusst.

Facebook hat Mitarbeiter einige Aufnahmen von Nutzern aus seinem Chatdienst Messenger anhören und abtippen lassen. Betroffen gewesen seien Nutzer, die die Transkriptionsfunktion für Sprachunterhaltungen eingeschaltet hätten, erklärte das Online-Netzwerk dem Finanzdienst Bloomberg.

Aufgabe der Mitarbeiter sei es gewesen, zu prüfen, ob die Software die gesprochenen Sätze korrekt verstanden habe. Die Nachrichten seien anonymisiert und die Praxis vor mehr als einer Woche gestoppt worden.

Bei Facebook hätten sich Hunderte Beschäftigte bei externen Dienstleistern die Audioclips angehört, schrieb Bloomberg unter Berufung auf informierte Personen. Sie seien im Unklaren darüber gelassen worden, unter welchen Umständen die Aufnahmen gemacht wurden und für welchen Zweck sie sie abtippen, hieß es. Die Unterhaltungen hätten zum Teil "vulgäre" Inhalte enthalten.

Marc Zuckerberg bei Facebooks F8-Konferenz | Bildquelle: AFP
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Facebook soll Hunderte Personen damit beschäftigt haben, Chatnachrichten auszuwerten.

Auch Amazon, Apple und Google in der Kritik

In den vergangenen Wochen waren auch Amazon, Apple und Google in die Kritik geraten, weil sie Mitschnitte von Sprachassistenz-Software von Mitarbeitern auswerten ließen, ohne dass es den Nutzern bewusst war.

Für Facebook ist die Situation noch etwas heikler: Seit Jahren geht das Gerücht um, Apps des Online-Netzwerks hörten den Nutzern zu, um die Werbung zu personalisieren. Als angeblicher Beleg werden Fälle genannt, in denen Anzeigen zu einer vorherigen Unterhaltung passen. Facebook wies den Vorwurf stets zurück, auch Gründer und Chef Mark Zuckerberg verneinte dies im Frühjahr ausdrücklich bei einer Anhörung im US-Kongress und sprach von einer "Verschwörungstheorie".

Erlaubnis erteilt - aber wofür?

Facebook hatte damals auch erklärt, das Online-Netzwerk verarbeite Audiodaten nur, wenn ein Nutzer die Erlaubnis dazu erteilt habe. Während klar ist, dass für eine Transkriptionsfunktion Aufnahmen verarbeitet werden müssen, dürfte den Nutzern - ähnlich wie bei den anderen Tech-Konzernen - nicht bewusst sein, dass in einigen Fällen auch Menschen sie zu hören bekamen. Die Unternehmen holten sich bei den Nutzern pauschal die Erlaubnis, Daten zur Verbesserung des Dienstes zu nutzen. Dass dafür möglicherweise auch Sprachaufnahmen nicht nur von einer Software analysiert, sondern auch von Menschen gehört werden könnten, wurde dabei nicht ausdrücklich erwähnt.

Bei Apple gab es zumindest einen Hinweis auf die Möglichkeit solcher Transkriptionen bei seiner Sprachassistentin Siri in einem Sicherheitsdokument für Entwickler. Der Text war für gewöhnliche Nutzer jedoch schwer zu finden. Apple setzte die Auswertung der Mitschnitte aus und versprach, sich künftig die ausdrückliche Erlaubnis dafür zu holen.

Auch Google stoppte die Praxis Anfang Juli. Amazon bietet Nutzern seit Kurzem die Möglichkeit, die Auswertung von Mitschnitten durch Menschen zu verhindern.

Facebook is hearing you: auch das soziale Netzwerk ließ Nutzeraufnahmen auswerten
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
14.08.2019 06:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. August 2019 um 03:00 Uhr.

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