Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei einer Präsentation

Facebook baut Messenger aus Im Dialog mit Chatbots

Stand: 13.04.2016 08:00 Uhr

Facebook will das Betriebssystem für Kommunikation im Netz werden. Der nächste Schritt sind dabei Chatbots, die über den Facebook-Messenger laufen sollen. Konzernchef Zuckerberg erklärte nun, wie das funktionieren kann.

Von Wolfgang Stuflesser, ARD-Studio Los Angeles

Kaum vorstellbar, dass ein Multi-Milliardär wie Mark Zuckerberg oft in der Warteschleife von Hotlines landet. Aber er traf schon einen Punkt, als er bei seiner Präsentation sagte, er kenne niemanden, der gern bei einem Unternehmen anrufe. Genau da setzt das Konzept der Chatbots an: Roboterprogramme, mit denen ich als Nutzer über Textnachrichten kommuniziere - nur dass am anderen Ende eben kein Mensch, sondern eine Maschine sitzt, mit Spracherkennung und künstlicher Intelligenz.

Zuckerberg verspricht viel: Das Gespräch soll dem mit einem Freund ähneln und soll nicht - wie ein Anruf in der Warteschleife - die volle Aufmerksamkeit fordern. Es soll funktionieren, ohne dass man für jede Firma eine eigene App installieren muss. "Dann kann ich zum Beispiel per Text-Nachricht eine Pizza bestellen - und der Chatbot fragt nach, welche Sorte, welche Größe und wohin die Pizza geliefert werden soll", sagt Zuckerberg.

900 Millionen nutzen den Facebook-Messenger

Das Ganze läuft auf dem Smartphone nicht über die Facebook-App, sondern in der Extra-Anwendung Facebook-Messenger. Von den rund 1,6 Milliarden Facebook-Nutzern in aller Welt verwenden mehr als 900 Millionen auch den Messenger. Diese Zahl soll natürlich noch wachsen, wenn es nach Facebook geht.

Vor zwei Jahren hat Mark Zuckerberg deshalb den damaligen Chef des Online-Bezahldienstes PayPal, David Marcus, abgeworben. Kein Wunder, dass der nun die Zukunft des Messengers im Bereich Kommerz sieht. Pizza bestellen, Blumen verschenken, Schuhe ordern - und dann alles am besten mit der bei Facebook hinterlegten Bankverbindung zahlen.

Chatbot-Programmierung soll möglichst einfach sein

Das Programmieren der Chatbots will Facebook für die Firmen so einfach wie möglich machen, sagte Marcus. Der Chatbot werde mit Beispiel-Dialogen gefüttert - und dann sollen künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen dafür sorgen, dass das Programm ähnliche Dialoge erkennt, auch wenn der Nutzer vielleicht etwas andere Wörter verwendet. So müsse nicht jede Variante neu programmiert werden.

Die Technik hat sich zum Beispiel in China schon länger etabliert. Und auch Microsoft bezeichnete vorige Woche Chatbots als die "Apps der Zukunft" und Sprache als die "neue Bedienoberfläche". Facebook arbeitet mit mehreren Dutzend Partnerunternehmen zusammen - der Nachrichtensender CNN hat zum Beispiel einen Chatbot entwickelt, der dem Nutzer die wichtigsten Schlagzeilen schickt und dann fragt, ob man mehr dazu lesen möchte.

Präsentation zur 10-Jahres-Strategie von Facebook
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Zuckerberg präsentierte auch die Zehn-Jahres-Strategie von Facebook.

Zehn-Jahres-Strategie von Facebook

Die Chatbots sind nur ein Teil von Facebooks Zehn-Jahres-Strategie, wie sie Zuckerberg bei der Entwicklerkonferenz in San Francisco vorgestellt hat. Dazu gehört auch, dass Facebook vorige Woche die Funktion Facebook Live freigeschaltet hat: Damit kann jede und jeder über die Facebook-Smartphone-App live Videos verbreiten - an potenziell immerhin rund 1,6 Milliarden Facebook-Nutzer.

So viele werden es natürlich meist nicht sein, die sich das Hochzeitsvideo oder die ersten Schritte eines Kindes anschauen, die die Eltern live ins Netz streamen. Aber Facebook will damit vermutlich einem Trend entgegenwirken: Vor ein paar Tagen hatte die Technik-Website "The Information" gemeldet, dass das Teilen solcher persönlicher Inhalte bei Facebook in nur einem Jahr um mehr als ein Fünftel zurückgegangen sei. Stattdessen teilten die Nutzer eher weniger private Inhalte wie Online-Artikel, die sie gelesen haben. Wird Facebook aber zur Leseliste meiner Freunde, dann sinkt für mich der Anreiz, mich häufiger am Tag dort einzuklinken - und damit verliert Facebook langfristig Werbeeinnahmen. Live-Videos könnten das ändern.

Zuckerberg selbst sagt, die Leute schauten diese Videos länger an und kommentierten sie mehr als zehn Mal so häufig wie Videos, die nicht live sind. Und weiter im Zehn-Jahres-Plan: Am Ende soll vor allem die Zahl der Online-Nutzer insgesamt massiv wachsen - denn mehr als vier Milliarden sind noch gar nicht im Netz. Auch da hat Facebook ja verschiedene Initiativen gestartet, um zum Beispiel das Internet in entlegene Regionen Afrikas oder Asiens zu bringen. Die Welt in zehn Jahren, wie Facebook sie sich wünscht, ist kommunikativ, in weiten Teilen online - aber auch eben auch abhängig von Facebook als einer Art Betriebssystem für Kommunikation im Netz.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. April 2016 um 13:50 Uhr

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