Der Facebook-Schriftzug an einer Wand. | Bildquelle: AP

Nach Sammelklage Facebook entschädigt Inhalte-Prüfer

Stand: 13.05.2020 08:07 Uhr

Wer bei Facebook Inhalte überprüft, ist oft Szenen von Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt. Einige der Prüfer sahen sich zu wenig vom Konzern unterstützt und klagten. Sie sollen nun insgesamt 52 Millionen Dollar erhalten.

Facebook und seine Inhalte-Prüfer in den USA, die ihr Job krank gemacht hat, haben sich in einem Gerichtsverfahren auf eine Zahlung von 52 Millionen Dollar geeinigt. Die Einigung gilt für mehr als 10.000 Menschen aus Kalifornien, Texas, Arizona und Florida, die seit 2015 für Facebook gearbeitet haben. An der Sammelklage beteiligte sogenannte Moderatoren sollen jeweils mindestens 1000 US-Dollar erhalten.

Betroffene, bei denen im Zusammenhang mit ihrer Tätigkeit bei Facebook psychische Erkrankungen nachgewiesen wurden, sollen außerdem bis zu 50.000 Dollar für ihre Behandlungskosten bekommen, wie die Anwälte der Kläger mitteilten. Die Einigung muss allerdings noch vom zuständigen Richter gebilligt werden.

Das Löschzentrum von Facebook in Berlin | Bildquelle: dpa
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Auch in Deutschland beschäftigt Facebook Menschen in sogenannten Löschzentren, um illegale und anstößige Inhalte zu entfernen.

Gravierende psychische Belastungen

Moderatoren sind oft drastischen Inhalten wie Kindesmissbrauch, Enthauptungen, Terrorakten, Tierquälerei und anderen verstörenden Bildern und Videos ausgesetzt. Sie sind oft nicht direkt bei Facebook, sondern bei Dienstleistern angestellt.

Im Herbst 2018 verklagte eine frühere Inhalte-Prüferin Facebook mit dem Vorwurf, sie habe durch die gesehenen Inhalte nach neun Monaten eine posttraumatische Belastungsstörung davongetragen. In einer Sammelklage wurde dem sozialen Netzwerk vorgeworfen, die Prüfer nicht angemessen vor den gravierenden psychischen Belastungen geschützt zu haben, die mit ihrer Arbeit einhergehen.

Mehr Unterstützung für Moderatoren

Facebook kündigte in der Einigung auch weitere Vorkehrungen zum Schutz der geistigen Gesundheit der sogenannten Moderatoren an. So soll bei Videos standardmäßig der Ton ausgeschaltet bleiben und sie in schwarz-weiß abgespielt werden. Bewerber für die Jobs sollen speziell auf mentale Widerstandsfähigkeit geprüft werden, hieß es weiter.

Das Unternehmen erklärte, es sei den Menschen dankbar, die diese wichtige Arbeit machten, um eine sichere Umgebung für alle zu schaffen. Dem Unternehmen sei daran gelegen, ihnen durch diesen Vergleich und in Zukunft zusätzliche Unterstützung zukommen zu lassen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Mai 2020 um 10:00 Uhr.

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