Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa

Nach Rekord-Kurseinbruch Die Quittung für Zuckerberg?

Stand: 27.07.2018 06:49 Uhr

Die Facebook-Aktie hat nach Bekanntgabe der Quartalszahlen eine massive Talfahrt hingelegt. Kritiker machen Fehler der Unternehmensführung für das geringe Nutzer-Wachstum verantwortlich.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Der Kursrückgang der Aktie war unter den größten Verlusten eines Tages, die es in der Geschichte des amerikanischen Aktienmarktes je gegeben hat. Der Absturz allein entspricht dem rechnerischen Gesamtwert von Unternehmen wie McDonald's oder Nike.

Alles nicht so schlimm, sagt ein Teil der Investoren. Facebook sei nach wie vor eine Geldmaschine, so Mark Mahaney im Wirtschaftssender CNBC: "Es gibt den Facebook Messenger und WhatsApp. Das sind zwei Dienste mit Nutzern jenseits der zwei Milliarden. Und beide hat man noch gar nicht monetarisiert."

Kein Selbstläufer

Auslöser für den dramatischen Wertverlust an der Börse waren insbesondere die aktuellen Nutzerzahlen. In Europa sind diese um eine Million zurückgegangen - auf 376 Millionen für einmal im Monat aktive Nutzer. Bei den täglich zurückkehrenden Mitgliedern in Europa gab es sogar einen Rückgang von 282 auf 279 Millionen.

Dennoch ist Facebook, was die Zahl seiner Mitglieder angeht, gewachsen - aber eben deutlich langsamer als erwartet. Viele Anleger hätten das Wachstum bei Facebook für selbstverständlich gehalten, meint der Investor Ed Keon. Sie nahmen an, da könne man nichts falsch machen. Es ist aber eben kein Selbstläufer.

Auch Mitarbeiter verlieren massiv

Vom rapiden Wertverlust der Facebook-Aktie dürften viele Mitarbeiter des sozialen Netzwerks in der Firmenzentrale von Facebook in Menlo Park im Silicon Valley schockiert gewesen sein. Die meisten der 30.000 Facebook-Mitarbeiter sind über Aktienpakete, die sie erst nach einer bestimmten Zeit verkaufen dürfen, an dem Unternehmen beteiligt.

Allein das Vermögen von Konzernchef Mark Zuckerberg ist gestern um fast 16 Milliarden Dollar geschmolzen. Für die Analystin Natasha Lamp sind die Ursachen klar. In der Tech-Sendung von Bloomberg TV in San Francisco sagte sie: "Versagen der Unternehmensführung, Manipulationen bei den Wahlen, Fake News, Hate Speech und sexuelle Belästigung sowie Gewaltverherrlichung, die via Facebook hinausgetragen wird - all diese Dinge hätte man schon viel früher und proaktiv angehen können."

Markt gesättigt, Kosten steigen

Roger McNamee gehörte zu den ersten Investoren in das soziale Netzwerk. Heute ist er ein scharfer Kritiker. Auch er sieht die Skandale der vergangenen Monate als eine Ursache. Außerdem glaubt er, dass dem Netzwerk in seinen Märkten mit der höchsten Profitabilität langsam die Nutzer ausgehen.

Gemeint sind hier die USA und Europa. In den Staaten verdiente Facebook mit Werbung gut 25 Dollar pro Nutzer im vergangenen Quartal. In Europa waren es nur 8,60 Dollar. Die Marktsättigung ist das eine. Weil Facebook jetzt massiv in Datenschutz und Sicherheit investieren muss und Tausende neue Mitarbeiter einstellen will, wird aber die Profitabilität des Unternehmens leiden.

Loyalität gefährdet?

Langfristig könnte sogar Facebook-Gründer Zuckerberg Probleme bekommen. Und zwar mit seinen eigenen Mitarbeitern, mein Kritiker McNamee: "Die Loyalität der Mitarbeiter wird sinken. Ihre Bereitschaft, über bestimmte Dinge einfach hinwegzusehen, wird abnehmen - wie zum Beispiel die ethnischen Säuberungen in Myanmar, die Wahleinmischung in den USA oder beim Brexit. All das ist den Mitarbeitern bisher leicht gefallen, weil der Aktienkurs abhob wie eine Rakete."

Dramatischer Kursverlust bei Facebook
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
27.07.2018 06:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 27. Juli 2018 Deutschlandfunk um 06:21 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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