Ein Tankwagen der Shell AG fährt in der Nähe von Köln durch ein Rapsfeld. | null

Umstrittene Öko-Bilanz Wie bio ist E10?

Stand: 08.03.2011 13:55 Uhr

Man kann vieles ausrechnen - aber auch das Gegenteil. Die Frage, ob Ethanol im Benzin gut für die Umwelt und die Menschen ist oder nicht, kennt mehrere Antworten - vor allem wenn man die Folgen betrachtet, die der Anbau von "Bio"-Sprit weltweit hat.

Werner Eckert

Von Werner Eckert, SWR

Auf dem Papier ist E10 klimaschützend. Das muss in Deutschland sogar nachgewiesen werden. Vom Anbau von Getreide oder Zuckerrüben bis zum Tank wird da durchgerechnet, wo Klimagase anfallen. Am Ende muss der Bio-Anteil im Sprit mindestens 35 Prozent weniger davon freisetzen als Mineralöl. Die deutschen Bauern und die Biosprit-Industrie behaupten sogar, dass sie noch deutlich günstiger produzieren. Und nur die deutschen Unternehmen können momentan überhaupt zertifiziertes Ethanol - und damit Ware für E10 - liefern.

Aber: Solche Rechnungen sind extrem umstritten. Komplexe natürliche Vorgänge lassen sich eben nicht so einfach in Formeln fassen. Mit anderen Annahmen kann man auch das Gegenteil dieser Aussagen berechnen. Außerdem ist die Zertifizierung "kurzsichtig". Sie betrachtet nur einen konkreten Acker und sieht nicht die Folgen, die der Anbau von Biosprit weltweit hat.

Anbauflächen für Lebensmittel oder "Bio"-Sprit

Rohstoffe für Ethanol dürfen nicht auf geschützten Flächen angebaut werden - mit dieser Vorschrift kann die EU vielleicht verhindern, dass für Zuckerrohr in Brasilien direkt Urwald abgeholzt wird. Aber: Selbst wenn das Zuckerrohr dann auf "alten" Äckern angebaut wird, dann frisst es Anbauflächen für Nahrungsmittel. Und dann wird der Urwald eben für die abgebrannt. Das Ergebnis ist das gleiche.

Werden die Pläne der EU-Staaten in Sachen Biosprit umgesetzt, dann braucht man dafür weltweit eine Fläche, die zweimal der Größe Belgiens entspricht, hat das Institute for European Environment Policy in London ausgerechnet. Und die USA haben noch weitreichendere Pläne.