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Vor möglicher Zinssenkung Finanzbranche wettert gegen EZB-Pläne

Stand: 02.06.2014 15:52 Uhr

Am Donnerstag könnte die Europäische Zentralbank (EZB) die extrem tiefen Zinsen erneut drücken und eine Art Strafgebühr für Geld hortende Geschäftsbanken festlegen. Nun warnte die deutsche Finanzbranche in einem gemeinsamen Appell vor den möglichen Folgen einer weiteren Leitzinssenkung. "Niedrigzinsen enteignen Sparer", hieß es in der Erklärung des Präsidenten des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (Uwe Fröhlich), des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (Georg Fahrenschon) und des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (Alexander Erdland), die via "Bild"-Zeitung veröffentlicht wurde.

Zusätzliche geldpolitische Lockerungen seien daher gefährlich für die Spar- und Stabilitätskultur in Deutschland. Zumal die Verbandspräsidenten den "Patienten Europa" inzwischen auf einem langsamen, aber fortschreitenden Kurs der Besserung sehen. Die von vielen Ökonomen für dieses und nächstes Jahr erwartete wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum spreche "klar" gegen weitere geldpolitische Maßnahmen, schrieben die Verbände. Deflationsgefahren seien nicht erkennbar.

Strafzins - Wohl oder Übel?

Angesichts einer anhaltend niedrigen Inflation in der Euro-Zone deuten führende Notenbanker seit Wochen an, dass die EZB den bereits historisch niedrigen Leitzins im Kampf gegen die zu niedrige Inflation am Donnerstag unter die Marke von 0,25 Prozent senken könnte. In der Diskussion sind außerdem Strafzinsen für Geschäftsbanken, die größere Geldbestände bei der EZB horten. "Ein in der EU noch nie dagewesener Strafzins würde die Kreditvergabe nicht beleben", sagte BVR-Präsident Fröhlich. "Die Medizin würde keine Wirkung zeigen. Die Risiken und Nebenwirkungen wären dagegen umso größer."

Leidtragende der Politik der niedrigen Zinsen sind nach Auffassung der Verbandspräsidenten vor allem die Sparer. "Die anhaltende Niedrigzinspolitik beschädigt die dringend notwendige Altersvorsorge", sagte Sparkassen-Präsident Fahrenschon. Gerade die Menschen in Deutschland legten ihr Geld traditionell sicher an und litten daher besonders unter den Niedrigzinsen.

EZB sieht Deflationsgefahr

Die Zentralbanken haben wegen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise sowie der EU-Staatsschuldenkrise in den vergangenen Jahren weltweit gigantische Geldmengen in das Finanzsystem gepumpt, die Leitzinsen gesenkt sowie unter anderem massiv Staatsanleihen aufgekauft. Zusammen sollten diese Maßnahmen das Finanzsystem stabilisieren und die kriselnden Wirtschaft stützen.

In Europa hält sich die Inflationsrate aber trotz dieser Zuflüsse seit Monaten auf einem sehr niedrigen Niveau von zuletzt gerade einmal 0,7 Prozent. Das schürt die Angst vor einer Deflation, die die wirtschaftliche Lage vor allem in Krisenländern drastisch verschlimmern könnte. In einer Deflation verfallen unter anderem die Preise für Waren und Dienstleistungen, die Nachfrage, die Firmengewinne sowie die Löhne.