Blick auf die Bankentürme in Frankfurt am Main | EPA

Europäische Zentralbank Klimawandel - Banken müssen noch viel tun

Stand: 08.07.2022 11:39 Uhr

Banken müssen sich noch viel stärker auf die finanziellen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten. Zu diesem Ergebnis kommt ein Klima-Stresstest der Europäischen Zentralbank. Durchfallen konnten Banken bei dem Test nicht.

Die Europäische Zentralbank (EZB) mahnt Banken angesichts drohender Milliardenrisiken infolge des Klimawandels zum Handeln. "Die Banken des Euro-Währungsgebiets müssen dringend ihre Bemühungen zur Messung und Steuerung des Klimarisikos verstärken", forderte der Chef der EZB-Bankenaufsicht, Andrea Enria, bei der Vorlage der Ergebnisse des ersten Klimastresstests der EZB.

In ungünstigen Szenarien dürften sich umweltbezogene Verluste für die Branche auf mindestens 70 Milliarden Euro summieren. Die Summe bezieht sich auf 41 der 104 Banken in dem Test. Sie spiegele "nur einen Bruchteil" des tatsächlichen klimabedingten Risikos für die Branche wider, warnten die Aufseher. Der Vizechef der EZB-Bankenaufsicht, Frank Elderson, betonte: "Wir erwarten von den Banken, dass sie entschlossen handeln und kurz- bis mittelfristig robuste Klima-Stresstests entwickeln."

Wie gut für den Fall der Fälle gewappnet?

Die von der EZB direkt beaufsichtigten Geldhäuser mussten durchrechnen, wie gut sie gegen finanzielle und wirtschaftliche Schocks aus Klimarisiken gewappnet sind: extreme Hitze, heftige Überschwemmungen, ein drastisch steigender Preis für den Ausstoß von klimaschädlichem Kohlendioxid.

Wie wirken sich solche Szenarien auf Immobilienfinanzierungen aus? Wie groß ist das Risiko, dass der grüne Umbau der Wirtschaft Unternehmenskunden in Schwierigkeiten bringt und dies zu Einbußen für Banken führt? Je nachdem wie schnell die Politik Maßnahmen auf den Weg bringt, um die Erderwärmung zu bremsen, kommen Risiken mehr oder weniger stark zum Tragen.

Klimarisiken als Faktor bei Kreditvergabe

Das wurde in drei Szenarien über einen 30-Jahres-Zeitraum modelliert. Die Aufseher erkannten an, dass Banken seit 2020 bei der Berücksichtigung von Klimarisiken "einige Fortschritte" gemacht haben. Allerdings verfügten rund 60 Prozent der nun unter die Lupe genommenen Institute noch nicht über einen Rahmen für Stresstests, um das Klimarisiko für ihr Geschäft zu modellieren. Nur 20 Prozent berücksichtigten Klimarisiken als Faktor bei der Kreditvergabe.

Der Stresstest fand zudem heraus, dass im Geschäft mit Unternehmenskunden der Institute fast zwei Drittel der Erträge aus treibhausgasintensiven Branchen stammt. In einem dritten Teil des Belastungschecks mussten Banken Verluste infolge von extremen Wetterereignissen wie Hitzewellen und Überflutungen und unter verschiedenen Übergangsszenarien kalkulieren.

Durchfallen konnten Banken bei dem Klimastresstest nicht. Die Ergebnisse haben nach Angaben der EZB-Bankenaufseher auch keine direkte Auswirkung auf die Kapitalanforderungen für die Institute.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2022 um 12:00 Uhr.