Gebäude der Europäischen Zentralbank in Frankfurt | dpa

Neue Leitlinien vorgestellt EZB macht Bankenfusionen leichter

Stand: 12.01.2021 13:28 Uhr

Grenzüberschreitende Fusionen von Banken gibt es in der Europa so gut wie keine. Das will die bei der Europäischen Zentralbank angesiedelte Branchenaufsicht nun ändern.

Nach monatelangen Beratungen hat die europäische Bankenaufsicht jetzt die finale Fassung eines Leitfadens vorgelegt, der den Instituten darlegt, was von ihnen bei Fusions- oder Übernahmeprojekten erwartet wird.

Die Anforderungen der Bankenaufsicht sollen dadurch transparenter und planbarer für die Geldhäuser werden, sagte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria. Die Europäische Zentralbank (EZB) ist seit Herbst 2014 für die Überwachung der großen Banken im Euroraum zuständig, darunter in Deutschland die Deutsche Bank und die Commerzbank.

Grenzüberschreitende Fusionen voranbringen

In ihrem Leitlinienentwurf stellen die Kontrolleure unter anderem klar, dass an fusionierte Institute nicht notwendigerweise höhere Kapitalanforderungen gestellt werden. Auch können die Banken zeitweise ihre eigenen Modelle zur Berechnung der Kapitalvorgaben einsetzen. Zudem wollen die Bankenwächter den Geldhäusern bei der Nutzung von negativen Firmenwerten bei Übernahmen - im Fachjargon "Badwill" genannt - entgegenkommen.

Insgesamt sollen die neuen Leitlinien den europäischen Banken dabei helfen, grenzüberschreitende Fusionen zu erleichtern. Es sei zwar nicht Aufgabe der Branchenaufsicht, Übernahmen voranzutreiben oder sie zu verhindern, aber eine gut gestaltete und gut umgesetzte Konsolidierung könne helfen, die Probleme der Überkapazität und der geringen Ertragskraft anzugehen, die den europäischen Bankensektor seit der letzten Finanzkrise geschwächt haben, heißt es aus der EZB. Dies trage auch zur finanziellen Solidität des Bankensystems bei.

Zersplitterte Bankenlandschaft

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos hatte erst vor kurzem die Geldhäuser der Eurozone zu mehr Zusammenschlüssen und Kosteneinsparungen aufgefordert. Im Vergleich zu den USA und China gilt die europäische Bankenlandschaft als zersplittert. Besonders dramatisch ist die Lage in Deutschland, wo zwei Großbanken gegen eine Vielzahl von öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Instituten antreten und sich deshalb im Privatkundengeschäft mit geringen Marktanteilen begnügen müssen.

In puncto Börsenwert und Gewinnen hinken die europäischen Institute - allen voran die Deutsche Bank und die Commerzbank - den Konkurrenten aus den USA seit Jahren hinterher. In einigen europäischen Ländern hat das Fusionstempo zuletzt bereits zugenommen. So gab es in Spanien, wo der Konsolidierungsdruck ebenso hoch ist wie hierzulande, mehrere Übernahmen in der Branche. Vor grenzüberschreitenden Fusionen weichen die Banken bisher aber zurück, denn die Risiken durch eine von Land zu Land unterschiedliche Rechtslage sind einfach zu groß.