Flugzeug am Boden | FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/Shutter

Urabstimmung bei Eurowings Neuer Pilotenstreik rückt näher

Stand: 16.08.2022 18:15 Uhr

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung aufgerufen, damit legt sie die Weichen für einen möglichen Arbeitskampf bei Eurowings. Auch beim Mutterkonzern Lufthansa laufen noch Verhandlungen mit den Piloten.

Im Lufthansa-Konzern droht der nächste Streik. Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder zu einer Urabstimmung aufgerufen. Die Gewerkschaft begründete den Schritt damit, dass der Arbeitgeber kein verhandlungsfähiges Angebot vorgelegt habe. Zuletzt waren die Tarifverhandlungen laut VC ins Stocken geraten.

"Eine Urabstimmung ist kein Streikbeschluss und kein Gesprächsabbruch. Wir sind selbstverständlich weiterhin gesprächsbereit und möchten eine Lösung auf dem Verhandlungsweg erreichen", erklärte VC-Sprecher Lars Frontini. Die Abstimmung endet am 31. August. Bei einer Urabstimmung versichert sich die jeweilige Tarifkommission der Unterstützung der Mitglieder für ihre Linie im Arbeitskampf einschließlich möglicher Streiks.

Die Piloten der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings fordern bessere Arbeitsbedingungen. Es gehe vor allem um eine Entlastung der Cockpit-Belegschaft, hieß es von der Gewerkschaft: "Der starke Anstieg des Flugverkehrs seit Frühjahr ist auf eine ausgedünnte Personaldecke getroffen, was die Kolleginnen und Kollegen stark belastet." Seitens des Unternehmens habe es bisher keine vernünftige Antworten auf diese Situation gegeben.

Verhandlungen mit Lufthansa-Piloten laufen noch

Ähnlich ist die Pilotengewerkschaft bereits bei der Lufthansa-Kerngesellschaft vorgegangen und hat dort große Zustimmung in der Belegschaft erreicht. Derzeit laufen dort Verhandlungen hinter verschlossenen Türen. Streiks soll es während der Gespräche aber nicht geben. Die VC hatte zuletzt angekündigt, das gewerkschaftliche Vorgehen bei den verschiedenen Lufthansa-Gesellschaften enger aufeinander abzustimmen.

Ein Eurowings-Sprecher erklärte, man halte an dem verabredeten Verhandlungsplan fest. "Es bleibt weiterhin unser Anliegen und gemeinsamer Auftrag, eine Lösung am Verhandlungstisch zu vereinbaren." Man wolle gemeinsam Lösungen erarbeiten, die verbesserte Einsatzbedingungen der Piloten und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens berücksichtigten. Die Eurowings erledigt im Lufthansa-Konzern Direktflüge innerhalb Europas und verfügt über rund 100 Flugzeuge.

Auch bei Eurowings-Discover Ausstand möglich

Auch bei der Lufthansa-Tochter Eurowings Discover bahnt sich eine Machtprobe des Managements mit der Kabinengewerkschaft UFO an, die einen Streik nach sich ziehen könnte. Eurowings Discover erklärte, dass es Tarifverhandlungen zurzeit nicht für notwendig halte.

Es gebe seit Anfang des Jahres Repräsentanten der Mitarbeiter von Kabine und Cockpit, mit denen Gehaltserhöhungen "erarbeitet" worden seien. "Auf Grund dieser sehr konstruktiven Zusammenarbeit ist der Geschäftsführung seitens der Belegschaft kein Wunsch zur Einbindung Dritter bekannt", erklärte der Ferienflieger in Reaktion auf Kritik von UFO daran, dass sich das Airline-Management bisher nicht zu Verhandlungen bereit gefunden hat.

"Für uns ist das eine Form des Nein zu Tarifverhandlungen. Wir werden nächste gewerkschaftliche Schritte einleiten", sagte ein UFO-Sprecher, ohne weitere Details zu nennen.

Arbeitsbedingungen in der Kritik

Die Arbeitsbedingungen bei Eurowings Discover, die vor allem mit der Fluggesellschaft Condor konkurriert, sind nach Ansicht von UFO zu schlecht. Die Bezahlung sei zu niedrig, der Freizeitausgleich zwischen den Einsätzen zu kurz, ergänzte der UFO-Sprecher. Das müsse tariflich geregelt werden mit einer Gewerkschaft statt über informelle, vom Arbeitgeber nur geduldete Belegschaftssprecher.

Die Airline schloss Tarifverhandlungen nicht aus. Doch Schritte zu einer Sozialpartnerschaft sollten erst unternommen werden, wenn ein Betriebsrat gewählt sei. Den Anstoß dazu hatten auch die Gewerkschaften gegeben: Seit April gibt es einen Wahlvorstand. Doch dieser müsse dafür erst geschult werden auf Kosten des Arbeitgebers, erklärte der UFO-Sprecher. Termine dazu hätte Eurowings Discover aber erst für September angeboten. Das Management spiele auf Zeit.