Euro-Schutzschild

Experten zum Euro-Hilfspaket Euro-Rettungsschirm: Chance oder Desaster?

Stand: 21.05.2010 17:54 Uhr

Michael Christopher Burda: "Es gibt keine Alternative"

Michael Christopher Burda
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Michael Christopher Burda ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Humboldt-Universität Berlin.

Es gibt leider gegenwärtig keine Alternative zum Euro-Rettungsschirm. Denn die Gefahr eines Flächenbrands kann nicht ausgeschlossen werden. Dieser wäre noch größer als der, den wir nach der Lehman-Pleite im Oktober 2008 erlebt haben.

Der Austritt Griechenlands aus der EU, der Rausschmiss aus der Währungsunion oder die Wiedereinführung der Drachme wären von massiven Unwägbarkeiten begleitet, die nur Ideologen oder Träumer ignorieren können. Wir wissen einfach nicht, wie stark die Auswirkungen eines Staatsbankrotts im Euroland sein könnten. Nicht nur die französischen Banken, sondern auch deutsche, niederländische und andere europäische Kreditinstitute wären betroffen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit würde die Finanzwirtschaft von einer zweiten Kreditklemme heimgesucht, mit negativen Folgen für die Konjunktur. Die Einführung der Drachme würde der deutschen Wirtschaft großen Schaden zufügen. Sich unbedacht auf diese Gefahren einzulassen - gerade zur Zeit der größten Wirtschaftskrise seit 75 Jahren - wäre fahrlässig und unverantwortlich.

Die Politiker, auch die deutschen, haben beim Maastricht-Vertrag massive Versäumnisse zu verantworten, indem sie die Möglichkeit eines schleichenden Euro-Staatsbankrotts schlichtweg ignoriert haben. Eine "no-Bailout Klausel" für Griechenland ist einfach nicht glaubhaft, wenn die eigenen, überdimensionierten und unverantwortlich handelnden Finanzinstitute mit im Schlamassel stecken. Aber jetzt haben wir den Salat. Die damalige Entscheidung, chronische Defizitsünderländer ins Euroland einzulassen, war ein Fehler, kann aber nicht mehr zurückgedreht werden.

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