Euro-Schutzschild

Experten zum Euro-Hilfspaket Euro-Rettungsschirm: Chance oder Desaster?

Stand: 21.05.2010 17:54 Uhr

Hans-Werner Sinn: "Nicht im deutschen Interesse"

Hans-Werner Sinn
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Hans-Werner Sinn ist Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung.

Indem Deutschland für die europäischen Schuldenländer bürgt, verschafft es seinen Konkurrenten auf dem Kapitalmarkt weiterhin ungebremsten Zugang zum deutschen Sparkapital. Diese Politik liegt nicht im deutschen Interesse, denn die ersparten Mittel werden dringend in Deutschland gebraucht.

Während die Staaten der europäischen Peripherie sich zum Teil hemmungslos verschuldeten und ihre Volkswirtschaften in einen Rauschzustand versetzten, erschlaffte Deutschland. Deutschland hat seit 1995 von allen Ländern am wenigsten zuhause investiert, und es war Vizeschlusslicht beim Wirtschaftswachstum. In letzter Zeit floss über die Hälfte der deutschen Ersparnisse über die Banken in ausländische Investitionsprojekte und ausländischen Konsum.

Die deutschen Bürgschaften sind darüber hinaus gefährlich für die Stabilität Europas, weil sie die Schuldner zur Fortsetzung ihrer Maßlosigkeit ermuntern und die Anleger belohnen, die deren Staatspapiere erwarben, weil sie auf den Freikauf spekulierten. Wenn Deutschland nun einen Rettungsschirm aufspannt, dann ist es unerlässlich, dass die Ansprüche der Gläubiger gekürzt werden, bevor deutsches Steuergeld in die Haftung genommen wird. Nur so kann man die Schuldenlawine bremsen. Dieses fundamentale Manko veranlasst das ifo Institut, den Rettungsschirm in dieser Form abzulehnen. Die Zeit für Nachverhandlungen auf europäischer Ebene besteht.

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