Die Bankentürme der Innenstadt und die Lichter in den Büros der Europäischen Zentralbank (EZB) leuchten im letzten Licht des Tages. | dpa

Belastungscheck der EBA und EZB Europas Banken sind stressresistent

Stand: 30.07.2021 19:40 Uhr

Könnten Europas Geldinstitute eine neue Wirtschaftskrise überstehen? Das haben die Bankenaufseher in einem Stresstest untersucht. Das Ergebnis: Die Banken wären trotz Kapitaleinbußen gewappnet für die Krise.

Durch die Corona-Pandemie, die Minuszinsen und den starken Kostendruck sind Europas Banken eigentlich schon gestresst genug. Wie hart träfe es sie, wenn nun eine neue Krise käme, in der die Konjunktur und die Börsen einbrechen würden? Die europäische Bankenaufsicht EBA und die Aufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) haben das untersucht. Sie ließen über 100 Banken durchrechnen, wie tragfähig ihre Kapitalpuffer in Stress-Szenarien sind.

Kernkapitalquote würde um knapp ein Drittel schrumpfen

Am Freitagabend veröffentlichten die Aufseher die Ergebnisse. Laut dem Stresstest der EBA würden die Geldinstitute im simulierten Krisenszenario fast ein Drittel ihrer Kapitalpuffer einbüßen. Die harte Kernkapitalquote würde von 15 Prozent Ende 2020 auf nur noch 10,2 Prozent Ende 2023 schrumpfen. Im Krisenszenario wurde ein deutlicher Konjunktureinbruch von 3,6 Prozent in der EU, eine steigende Arbeitslosenquote auf 12,1 Prozent, ein Absturz der Gewerbeimmobilien-Preise und ein Börsen-Einbruch angenommen.

Deutsche Banken weniger gut gerüstet

Schlechter als der Durchschnitt schnitten die deutschen Banken ab. Bei der Deutschen Bank würde die harte Kernkapitalquote von 13,6 Prozent Ende des vergangenen Jahres auf 7,6 Prozent 2023 sinken. Bei der Commerzbank läge die Quote bei 8,5 Prozent im Krisenfall.

Dennoch kommentierten die beiden Banken die Ergebnisse positiv. "Selbst in einem noch verschärften ungünstigen Szenario beweist die Deutsche Bank ihre Widerstandsfähigkeit in einer möglichen Wirtschaftskrise", erklärte der Finanzvorstand der Bank, James von Moltke. Auch Commerzbank-Risikovorstand Marcus Chromik zeigte sich erfreut. "Die Commerzbank hat komfortable Liquiditäts- und Kapitalpuffer. Das gibt uns genügend Spielraum für unsere Transformation", erklärte er.

VW Bank schneidet am besten ab

Bestes deutsches Institut im EBA-Test war die Volkswagen Bank, die auch im schärfsten Stressszenario noch 15,48 Prozent an Kernkapitalquote aufwies. Das genossenschaftliche Spitzeninstitut DZ Bank landete mit einer Quote von 10,21 Prozent genau im europäischen Durchschnitt.

In Summe landeten die sieben deutschen Banken im EBA-Test unter dem Durchschnitt und im Ländervergleich mit einer Kernkapitalquote von durchschnittlich 8,78 Prozent knapp vor Italien (8,6 Prozent) und Schlusslicht Irland (8,44 Prozent). "Wegen der hohen Exporte der deutschen Volkswirtschaft und der starken Abhängigkeit deutscher Banken vom Zinsgeschäft ist der Kapitalverzehr bei den deutschen Banken leicht höher als im EU-Durchschnitt", erklärte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling. "Das ist kein Grund zur Beunruhigung und auch keine Schwäche, sondern spiegelt nur die höhere Verwundbarkeit der deutschen Volkswirtschaft in einer weltweiten Rezession wider."

Die EBA untersuchte 50 Banken aus 15 europäischen Ländern, darunter sieben Institute aus Deutschland. Neben der Deutschen Bank und der Commerzbank wurden auch die BayernLB, die DZ Bank, die Landesbank Baden-Württemberg, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) sowie die Volkswagen Bank dem Stresstest unterzogen.

Paralleler Stresstest der EZB

In einem nahezu identischen Stresstest hat die EZB weitere 51 direkt von ihr beaufsichtigte Banken aus dem Euroraum unter die Lupe genommen. Bei ihnen sank im Schnitt die Kernkapitalquote im Krisenszenario auf 11,3 Prozent von 18,1 Prozent. Hier waren neun deutsche Institute dabei.

Die harte Kernkapitalquote der 89 Banken aus dem Euroraum in den beiden Stresstests der EZB und der EBA würde den Angaben zufolge durchschnittlich um 5,2 Prozentpunkte sinken - von 15,1 Prozent Ende 2020 auf 9,9 Prozent Ende 2023. Am schlimmsten würde es die italienische Monte Paschi erwischen. Sie würde im Krisenszenario das komplette Eigenkapital verlieren.

Durchfallen konnte bei dem Krisentest keine Bank. Allerdings sollten die Geldhäuser, die schlecht abgeschnitten haben, Maßnahmen einleiten, ihre Kapitalpuffer zu verstärken. Ansonsten dürften die europäischen Bankenaufseher einschreiten und könnten ihnen zum Beispiel bei der Ausschüttung der Dividenden Grenzen setzen.

So intervenierten die Bankaufseher in der Vergangenheit bei der Commerzbank. Ende 2018 zweifelten sie bei der Prüfung des Geschäftsmodells an den Gewinnzielen des Frankfurter Geldinstituts. Vor einem Jahr kritisierten die Aufsichtsbehörden die zu wenig stringent nach vorn orientierte Strategie der Commerzbank.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Juli 2021 um 19:00 Uhr und um 20:00 Uhr.