EU-Gipfeltreffen in Brüssel

Fragen zur Eurokrise Keine Rettung ohne Ehrlichkeit

Stand: 20.07.2011 13:43 Uhr

Schulden günstig zurückkaufen

Auch der öffentlich diskutierte Rückkauf von Schulden ist keine bequeme Lösung. Funktionieren würde er so, dass Griechenland aus dem europäischen Rettungsschirm (EFSF) Geld bekäme, mit dem es seine Schuldverschreibungen mit einem Abschlag zurückkaufen würde. Zurzeit werden ja griechische Staatspapiere auf den Märkten zu einem Kurs gehandelt, der deutlich unter dem Nennwert liegt.

Um das an fiktiv gegriffenen Zahlen zu erläutern: Griechenland bekäme vom EFSF einen Kredit von 60 Millionen Euro und könnte damit Staatspapiere im Nennwert von 100 Millionen Euro zum Kurswert zurückkaufen. In diesem (noch einmal: fiktiven) Beispiel würde das die Schuldenlast um 40 Millionen Euro senken.

Der Markt ist schon weiter

Aber das Verfahren hat zwei Haken. Zum einen: Zurzeit werden griechische Papiere mit Abschlag gehandelt, weil es auf den Märkten entgegengesetzte Erwartungen gibt: Die Verkäufer der Papiere fürchten, dass die Anleihen bald noch weniger wert sind, und wollen durch den Verkauf retten, was noch zu retten ist. Die Käufer hingegen glauben, dass die Papiere bald wieder wertvoller sein werden, dass Griechenland seine Schulden schon noch wie auch immer bezahlen wird. Sie hoffen, dass sie von Griechenland am Ende weit mehr zurückbekommen werden, als sie bezahlt haben.

Aber warum soll ein Anleger sein Papier an Griechenland mit einem Abschlag zurückgeben? Das geht nur, wenn Griechenland glaubwürdig droht, dass er anderenfalls auch sein ganzes Geld verlieren könnte. Diese Drohung wiederum wäre ein klarer Grund für den "selective default".

Der andere Haken: Für das Geld des EFSF stehen auch Portugal und Irland gerade. Die werden es schwer haben, ihrer Bevölkerung Sparanstrengungen zuzumuten, während sie gleichzeitig genug Geld aufbringen können, um Griechenland die Minderung seiner Schuldenlast zu ermöglichen.

Erinnerung an den Aufbau Ost

Eine ganz andere, aber nicht schnell wirkende Strategie könnte in aktiver Entwicklungshilfe für Griechenland liegen, die neues Wachstum ermöglicht. In der EU-Kommission wird zurzeit intensiv darüber nachgedacht, wie man mit der Entsendung von europäischen Beamten den maroden griechischen Staatsapparat auf die Beine stellen kann (so wie nach 1989 mit der Entsendung von westdeutschen Beamten in die neuen Bundesländer).

Griechenland hat um solche Hilfe gebeten, ein früherer Gipfel hat dies im Grundsatz schon beschlossen. Die Frage ist, ob es in Europa genügend Beamte gibt, die hinreichend griechisch sprechen können. Nicht wenige meinen allerdings auch, dass Griechenland wieder auf die Füße kommen könnte, wenn man es nur mal über längere Sicht ohne immer neue Aufregungen arbeiten ließe.

Was also muss der Gipfel bringen? Zunächst mal das Eingeständnis, dass Griechenland nicht schnell wieder auf die Beine kommt, sondern dass es 15 bis 20 Jahre lang auf Hilfe angewiesen sein wird, und dass es diese Hilfe auch bekommt.

Der Rettungsschirm muss weiter gespannt werden

Dann muss der Rettungsschirm erhöht werden. Die bisherigen 750 Milliarden reichen zwar dicke, um Griechenland zu stabilisieren, aber nicht, um einen glaubwürdigen Schutzschirm über alle gefährdeten Euro-Länder zu spannen. Nach so viel Gerede, nach so viel Hin und Her reicht kleckern nicht mehr. Wer überzeugen will, muss klotzen.

Das Ergebnis des Gipfels wäre noch überzeugender, wenn er Griechenland auch eine Perspektive für neues Wachstum aufzeigen würde. Und er muss die Frage des PSI klären. Ein Scheitern in diesen Fragen ist zwar nicht undenkbar, aber es würde die Märkte verunsichern. Die Probleme würden weiter wachsen, die politischen und finanziellen Kosten für ihre Lösung auch.

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