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Kolumne Euroschau Die EZB muss handeln

Stand: 02.02.2011 09:53 Uhr

Von Klaus-Rainer Jackisch, HR

Auf Inflation reagieren die Deutschen sehr sensibel. Zwar haben die meisten eine massive Geldentwertung noch nie erlebt. Doch vor allem die Hyper-Inflation von 1923 hat einen nachhaltigen Eindruck in der Volksseele hinterlassen. Seit einigen Monaten steigen die Preise wieder - unerwartet heftig. Galoppierende Kosten für Rohstoffe aller Art, insbesondere für Öl und Gas, aber auch anziehende Lebensmittelpreise sind die Ursache. Selbst beim Discounter um die Ecke ist der Preisschub spürbar.

Im Januar lag die Inflationsrate bei 1,9 Prozent. Die Preise, die Industrie und Handel für importierte Waren zahlen, stiegen im Dezember so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr.

Eine Gefahr für die Konjunktur?

Kein Wunder, dass Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), schon mehrfach vor Inflation warnte. Das ist ein deutliches Signal, dass die Zinsen in der Eurozone schneller steigen könnten als erwartet - und vielen lieb ist. Denn anziehende Zinsen dämpfen die Konsumneigung. Es ist dann lukrativer, Geld anzulegen als auszugeben. Höhere Zinsen machen aber auch Kredite, etwa für Hauseigentümer und Unternehmer, teurer und dämpfen damit die Konjunktur.

Um Deutschland macht sich Trichet die wenigsten Sorgen. Er muss europäisch denken: In Spanien stiegen die Preise im Dezember um 2,9 Prozent, in Belgien um 3,4 Prozent und in Griechenland um 5,2 Prozent.

Politischer Druck mit Folgen

Für die gesamte Eurozone lag die Inflationsrate im Januar bei 2,4 Prozent und damit deutlich über dem von der EZB selbst gesteckten Ziel von knapp unter zwei Prozent. Sollte sich diese Tendenz fortsetzen, müssen die Währungshüter handeln. Nicht nur, um ihre Hauptaufgabe zu erfüllen, nämlich Preisstabilität zu gewährleisten. Sondern vor allem, um wieder glaubwürdig zu werden. Denn der Ruf der EZB ist schwer ramponiert: Weil sie im Zuge der Schuldenkrise auf politischen Druck und entgegen ihrer Statuten Staatsanleihen hoch verschuldeter Euro-Länder kaufte, litt ihr Ansehen.

EZB muss ihrer Hauptaufgabe nachkommen

Umso mehr muss sie jetzt ihrer eigentlichen Aufgabe nachkommen. Das heißt, dass sie über kurz oder lang die Zinsen erhöhen muss. Nicht am Donnerstag auf der monatlichen Ratssitzung, auch nicht in den nächsten Monaten. Aber spätestens im Frühherbst, sofern sich an der Preisentwicklung nichts ändert. Politikern wird das nicht gefallen, die in Wahlkampfzeiten um den Wirtschaftsaufschwung fürchten. Doch darauf darf die EZB keine Rücksicht nehmen: Sie muss handeln, Vertrauen zurückgewinnen und wieder einen stabilen Euro mit geringer Inflation garantieren. Dafür - und nur dafür - ist sie schließlich da.

Klaus-Rainer Jackisch schreibt von nun an regelmäßig seine Kolumne Euroschau, in der er einen Blick auf die monatliche EZB-Ratssitzung wirft.

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