Containerbrücken im Hamburger Hafen (2009)

EU-Kommission stellt Herbstprognose vor Europa an der Grenze zur Rezession

Stand: 10.11.2011 11:26 Uhr

Die Schuldenkrise und die daraus resultierende Dauerverunsicherung der Märkte würgt die Konjunktur in Europa ab. "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen, und es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", erklärte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Für die Eurozone erwartet Rehn im kommenden Jahr nur noch ein Mini-Wachstum in Höhe von 0,5 Prozent - nach 1,5 Prozent im laufenden Jahr. Für 2013 werden 1,3 Prozent angenommen.

Stagnation "bis weit ins Jahr 2012 hinein"

Aktuell rechnet die Kommission sogar mit einem Minuszeichen für die Wirtschaft der Eurozone: In den 17 Ländern werde das BIP insgesamt im 4. Quartal 2011 gegenüber den drei Vormonaten leicht um 0,1 Prozent schrumpfen. Im 1. Quartal des kommenden Jahres wird dann mit 0,0 Prozent eine Stagnation erwartet. Die Kommission sprach von einem drastischen Vertrauenseinbruch, der Investitionen und Konsum behindere. Rehn sagte, der Schlüssel zu mehr Wachstum liege darin, das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Budgets und in das Finanzsystem wiederherzustellen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in der gesamten Europäischen Union wird der Prognose zufolge "bis weit ins Jahr 2012 hinein stagnieren" und im gesamten kommenden Jahr nur um 0,6 Prozent wachsen, gegenüber 1,6 Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2011. Auch Deutschland wird im kommenden Jahr keine Konjunkturlokomotive mehr sein. Die deutsche Wirtschaft wird laut Kommission nur noch um 0,8 Prozent wachsen. 2013 sollen es dann 1,5 Prozent sein.

EU-Wirtschaftskommissar Olli Rehn

EU-Wirtschaftskommissar Rehn sieht Europa am Rande einer Rezession.

Für den Arbeitsmarkt rechnet die Behörde ebenfalls "mit keiner realen Verbesserung", wie Rehn erklärte. Demnach wird die Arbeitslosenquote EU-weit von 9,7 Prozent 2011 auf 9,8 Prozent im kommenden Jahr steigen, in Deutschland allerdings von 6,1 Prozent auf 5,9 Prozent sinken.

Griechenlands Schulden stiegen auf 200 Prozent des BIP

Die Situation in Griechenland dürfte ohne fremde Hilfe völlig aus dem Ruder laufen. Die Wirtschaft wird laut EU im kommenden Jahr erneut schrumpfen; dieses Mal um 2,8 Prozent. Die gesamtstaatliche Verschuldung werde 2012 und 2013 jeweils knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Für das laufende Jahr wird die griechische Verschuldung auf knapp 163 Prozent geschätzt. Erlaubt sind in der EU höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Haushaltsdefizit ginge von 8,9 Prozent in diesem Jahr auf 7,0 Prozent 2012 zurück und bliebe auch im Folgejahr in etwa auf diesem Stand. In dem Szenario ist allerdings nicht der vor kurzem angekündigte Forderungsverzicht der privaten Gläubiger Griechenlands von 50 Prozent der ausstehenden Staatsanleihen berücksichtigt.

Hoffnungsvolle Prognose für Italien

In Italien, das derzeit ebenfalls im Fokus der Krise steht, ist die Lage weitaus weniger dramatisch. Die Neuverschuldung sinkt nach der Prognose von 4,0 Prozent des BIP in diesem Jahr auf 2,3 Prozent 2012 sowie auf 1,2 Prozent 2013. Die Regierung in Rom hatte allerdings Maßnahmen angekündigt, mit denen der Haushalt im Jahr 2013 ausgeglichen werden soll. Der Schuldenstand soll laut Prognose im kommenden Jahr bei 120 Prozent verharren und ab 2013 leicht sinken.