Andrij Melnyk | picture alliance / dpa

Ukraine-Konflikt Botschafter fordert milliardenschweres Hilfspaket

Stand: 18.02.2022 12:36 Uhr

Nach eigenen Angaben hat die Ukraine seit der russischen Annexion der Krim 280 Milliarden Dollar an Wirtschaftsleistung verloren. Gegenüber Kontraste fordert Botschafter Melnyk mehr finanzielle Hilfen von Deutschland.

Von Sascha Adamek, rbb

Der Botschafter der Ukraine Andrij Melnyk fordert angesichts der Kosten der russischen Aggression ein "milliardenschweres Hilfspaket" von der Bundesregierung. Gegenüber dem ARD-Politikmagazin Kontraste kritisierte er: "Dass die Ampel-Regierung sich gerne zum Hauptretter der Ukraine hochstilisiert, ist nichts anderes als ein schönes Märchen." Zwar sei man dankbar für die Zusagen von Bundeskanzler Scholz in Höhe von 150 Millionen Euro ungebundener Kreditgarantien. "Wenn man aber vor Augen führt, wie riesig schon jetzt unsere Verluste wegen des seit acht Jahren andauernden russischen Kriegs sind", so der Botschafter, sei die Zusage von Scholz "zwar nicht ganz symbolisch - aber eher überschaubar". 

Verlust von 280 Milliarden Dollar

Wie Kontraste berichtet, sollen dem Land seit Beginn der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014 bis 2020 eine Wirtschaftsleistung von insgesamt 280 Milliarden Dollar entgangen sein. Kontraste bezieht sich dabei auf eine Studie des in London ansässigen "Centre for Economics and Business Research" im Auftrag der ukrainischen Regierung. Allein durch das zurückgegangene Bruttoinlandsprodukt seien dem Staat bis 2020 Steuer-Einnahmeverluste von 48,5 Milliarden Dollar entstanden. Zusätzlich hätten die militärischen Aktivitäten als Reaktion auf das russische Vorgehen und den Kampf gegen die Separatisten im Donbass zusätzliche 15 Milliarden Dollar gekostet. Insgesamt habe allein der Staatshaushalt dadurch einen Schaden von 63,5 Milliarden Dollar erlitten.

Die aktuelle Krise verschlechtere die Lage zusätzlich, sagte Melnyk gegenüber Kontraste: So werde der Zugang der Ukraine zu den Finanzmärkten schwieriger, und die Zinsen stiegen für das Land. Allein um den Luftverkehr angesichts "des drohenden großen Krieges aufrechtzuerhalten", habe die Regierung dieser Tage über eine halbe Milliarde Euro für die Versicherer von Fluggesellschaften ausgegeben. Ein Hilfspaket der Bundesregierung sei notwendig, "um die ukrainische Wirtschaft zu stabilisieren, einschließlich politischer Garantien für Investitionen", so Melnyk.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. Februar 2022 um 08:15 Uhr und am 13. Februar 2022 um 11:05 Uhr.