Olivenöl und Ölzweig

EU verbietet Olivenöl-Kännchen in Restaurants Kampf den Karaffen

Stand: 17.05.2013 16:15 Uhr

Das sei nicht lustig, sondern Verbraucherschutz, betonte ein Sprecher: Die EU verbietet ab 2014 offene Olivenöl-Kännchen in Restaurants. Die vier größten Produzenten von Olivenöl in der EU dürfte es freuen - sie hatten das Verbot gefordert.

Andreas Reuter ARD-Studio Brüssel

Von Andreas Reuter, HR-Hörfunkstudio Brüssel

Auf der Terrasse nur Kännchen, für Kaffee mag das weiter gelten. Bei Olivenöl aber gilt: überhaupt keine Kännchen mehr. In Restaurants darf Olivenöl also nicht mehr umgefüllt werden, in kleine Glasfläschchen etwa oder in Metallkännchen mit Klappdeckel. Das Öl muss immer in der Original-Flasche auf den Tisch. Da kennt die EU-Kommission kein Pardon.

"Die Vorschriften besagen: Restaurants müssen Flaschen verwenden, die nicht wieder nachgefüllt werden können, und mit besonderen Verschlüssen", so Sprecher Oliver Drewes. "Und natürlich gehört auf so eine Flasche auch ein Etikett, dem genau zu entnehmen ist, ob das Öl nun wirklich kaltgepresst ist und extra nativ."

Das, so der Kommissionssprecher, sei doch eine gute Nachricht für die Verbraucher in Europa: "Denn vom 1. Januar des nächsten Jahres an werden wir sicherstellen, dass wir die Qualität und die Herkunft des Olivenöls garantieren können", so Drewes.

Salz- und Pfeffer-Streuer bleiben erlaubt

Die Betonung liegt auf Olivenöl. Denn Essig darf weiterhin in Nachfüllkännchen serviert werden. Auch Salz- und Pfeffer-Streuer bleiben erlaubt. Aber die Ölkännchen, die gehören bald auf den Müll. Und auch danach werden die Abfallberge wachsen - wenn all die kleinen Original-Ölfläschchen weggeworfen werden, alle vermutlich noch mit jeder Menge Restöl darin. Denn welcher Wirt, der auf sich hält, will seinen Gästen schon eine halb-leere Ölflasche zumuten.

Aber nein, sagt Kommissionssprecher Olivier Bailli, man wolle weder Restaurant-Besitzer noch Verbraucher bevormunden: "Wir verteidigen hier nur das Recht der Konsumenten, genau die Produkte zu bekommen, für die sie bezahlen", betont Bailli. Und das könnte schon bald etwas mehr sein. Denn natürlich kostet Öl aus kleinen Flaschen mehr als aus dem Kanister, der in Kännchen umgefüllt wird. Vielleicht war das ja auch der Hintergedanke derer, die das Ölkännchen-Verbot gefordert hatten. Darunter sind Spanien, Italien, Portugal und Griechenland - die vier größten Olivenöl-Produzenten in der EU.

Olivenöl und Ölzweig

Essig darf weiterhin in Nachfüllkännchen serviert werden, auch Salz- und Pfeffer-Streuer bleiben erlaubt - nur die Olivenöl-Karaffen verbannt die EU aus den Restaurants.

Dieser Beitrag lief am 17. Mai 2013 um 15:51 Uhr auf NDR Info.

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KOMMENTARE

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Sasquatch 18.05.2013 • 00:54 Uhr

Wo bleibt da der Verstand

Der Ingenieur Professor Werner Gilde beschrieb bereits in den 80er Jahren in seinem Buch "Dienstreise mit Augenzwinkern", wie andere Länder, allen voran Japan, keine Steuergelder für Dinge verschwenden, die jeder normale Mensch bereits im Kindergarten lernt um den gesunden Menschenverstand nicht durch ueberflüssige Gesetzen zu beleidigen. * Dazu gehört, nicht gegen einen vorbeirasenden Zug zu rennen, Abfall in eine Mülltonne zu werfen und auch, mit Lebensmitteln so umzugehen, dass sich dort niemand etwas wegholen kann. Dafür braucht man keine Gesetze, sondern nur ein wenig Vertrauen darin, dass die Menschen, wenn man sie gewähren lässt, in der Regel ganz von allein die richtigen Entscheidungen treffen. * Aber ein Molloch wie die EU, der Krümmungsgrade für Saure Gurken vorschreibt und schon mal 17 Jahre brauchte, um einen Standard für die Rückspiegel von Traktoren zu entwerfen, kann natürlich nichts dem Zufall (oder dem gesunden Menschenverstand) überlassen. * Koste es, was es wolle.