EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev | EPA

Abkommen mit der EU Aserbaidschan soll mehr Gas liefern

Stand: 18.07.2022 17:10 Uhr

Gazprom macht "höhere Gewalt" für ausfallende Gaslieferungen aus Russland geltend. Um unabhängiger von russischem Gas zu werden, hat die EU nun auch eine Vereinbarung mit Aserbaidschan geschlossen - das Land soll in den nächsten Jahren deutlich mehr Gas liefern.

Um unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden, will die EU deutlich mehr Gas aus Aserbaidschan importieren. In den nächsten fünf Jahren soll das Land im Kaukasus doppelt so viel Gas liefern wie ursprünglich vereinbart. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev unterzeichneten in der Hauptstadt Baku eine entsprechende Absichtserklärung.

"Mit dieser Absichtserklärung schlagen wir heute ein neues Kapitel in unserer Energiezusammenarbeit mit Aserbaidschan auf", erklärte von der Leyen. Das Land sei ein wichtiger Partner in den Bemühungen der EU, sich von russischen Energielieferungen zu lösen.

Aliyev betonte, dass Fragen der Energiesicherheit heute wichtiger seien denn je: "Eine langfristige, vorhersehbare und sehr zuverlässige Zusammenarbeit zwischen der EU und Aserbaidschan im Energiebereich ist natürlich von großem Wert."

Aserbaidschan ist eine frühere Sowjetrepublik am Kaspischen Meer und wird von Aliyev autoritär regiert. Das Land unterhält enge Beziehungen zu seinem nördlichen Nachbarn Russland. Bislang liefert Aserbaidschan jährlich 8,1 Milliarden Kubikmeter Gas in die EU, 2023 sollen es bereits zwölf Milliarden sein. Bis 2027 soll die jährliche Liefermenge auf 20 Milliarden Kubikmeter anwachsen.

Erneuerbare Energien sollen ausgebaut werden

Neben den Gaslieferungen sieht die Absichtserklärung auch vor, enger bei erneuerbaren Energien zusammenzuarbeiten. Aserbaidschan habe in diesem Bereich "enormes Potenzial", sagte von der Leyen, insbesondere bei Offshore-Windenergie und grünem Wasserstoff. So werde Aserbaidschan sich von einem Lieferanten fossiler Brennstoffe zu einem Partner für erneuerbare Energien entwickeln. Derzeit werde an einem Abkommen gearbeitet, mit dem die wirtschaftliche Zusammenarbeit verstärkt werden soll.

Karte: Aserbaidschan

Gazprom macht "höhere Gewalt" geltend

Im Streit um ausbleibende Gaslieferungen des russischen Energieriesen Gazprom hat der Konzern gegenüber dem deutschen Gasversorger Uniper "höhere Gewalt" (Force Majeure) geltend gemacht. Uniper habe ein Schreiben von Gazprom Export erhalten, "in dem das Unternehmen rückwirkend Force Majeure für die bisherigen und aktuellen Fehlmengen bei den Gaslieferungen geltend macht", erklärte der Düsseldorfer Konzern. Der Konzern habe dies formell zurückgewiesen.

Mit dem Verweis auf höhere Gewalt können Unternehmen versuchen, sich vor juristischen Klagen von Kunden auf ihre Haftung aus Lieferverträgen zu schützen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge hat Gazprom mit Schreiben vom 14. Juli erklärt, seinen Lieferungen wegen eines durch höhere Gewalt verursachten Notfalls vom 14. Juni an nicht mehr nachkommen zu können.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2022 um 17:00 Uhr.