Wasserstoff | dpa

EU billigt Finanzierung 5,4 Milliarden Euro für Wasserstoff-Förderung

Stand: 15.07.2022 16:05 Uhr

Er ist ein Baustein auf dem Weg der EU in Richtung Klimaneutralität: Wasserstoff. Nun dürfen sich Mitgliedsstaaten an der Förderung der dafür nötigen Industrie beteiligen - mit bis zu 5,4 Milliarden Euro.

Die EU hat sich in Sachen Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2050 will sie klimaneutral werden und die Abkehr von fossilen Brennstoffen vollzogen haben. Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat den Druck nochmals erhöht - da die EU-Staaten nun möglichst schnell möglichst unabhängig von russischen Ressourcen für die Energiegewinnung wie Gas und Kohle werden wollen. Einen Weg, diese Ziele umzusetzen, sieht die EU in der Nutzung von Wasserstoff.

Um den Auf- und Ausbau der für die Produktion und Verwendung von Wasserstoff notwendigen Industrie voranzutreiben, haben die Wettbewerbshüter der EU nun genehmigt, dass EU-Staaten diesen Wirtschaftszweig finanziell fördern dürfen. Das teilte die EU-Kommission mit.

"Enormes Potenzial für die Zukunft"

Konkret geht es um das Projekt "IPCEI Hy2Tech". Damit soll die Erzeugung, die Speicherung, der Transport und der Vertrieb von Wasserstoff realisiert werden. 15 EU-Länder stehen hinter diesem Plan - und die dürfen dank der Zusage durch die EU nun Fördermittel von bis zu 5,4 Milliarden Euro in die Wasserstoffindustrie investieren.

Die EU hofft, dass mit den staatlichen Finanzspritzen auch die privaten Investitionen in den Wasserstoffsektor zunehmen: Bis zu 8,8 Milliarden Euro prognostiziert die EU an privaten Fördermitteln, die infolge der staatlichen Unterstützung generiert werden könnten.

"Wasserstoff hat ein enormes Potenzial für die Zukunft", betonte die für Wettbewerb zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager. Für den "ökologischen Wandel" sei Wasserstoff "unverzichtbar". Voraussetzung der EU, damit Wasserstoff als saubere Energiequelle gilt, ist, dass bei seiner Herstellung sogenannter grüner Strom verwendet wird, der also aus regenerativen Energiequellen gewonnen wird.

Auch EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton sieht im Wasserstoff großes Zukunftspotenzial, mit dem gleichzeitig Tausende neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten. Dank der Wasserstoffindustrie werden in den am Projekt beteiligten EU-Ländern den Erwartungen der EU zufolge etwa 20.000 neue Jobs entstehen.

Vier deutsche Unternehmen dabei

In das "IPCEI Hy2Tech"-Projekt sind nach Angaben der EU 41 Teilprojekte integriert, an denen insgesamt 35 EU-Unternehmen beteiligt sind - vier davon aus Deutschland, darunter Daimler Truck und Bosch.

Hinter der Abkürzung IPCEI verbirgt sich dabei die Definition "Important Project of Common European Interest". Laut Bundeswirtschaftsministerium handelt es sich um ein "transnationales, wichtiges Vorhaben von gemeinsamem europäischen Interesse, das mittels staatlicher Förderung einen wichtigen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie und Wirtschaft leistet".

Bereits im vergangenen Jahr konnten sich deutsche Betriebe mit Investitionsvorhaben und geplanten Projekten darum bewerben, Kandidat für IPCEI im Bereich Wasserstoff zu werden. Stand Mai 2021 hatte das Bundeswirtschaftsministerium 62 Unternehmen als mögliche IPCEI-Standorte ausgewählt.