Eingepackte Neuwagen stehen in einem Waggon zum Transport bereit | dpa

ACEA-Zahlen zu Neuwagen Automarkt in Europa legt wieder zu

Stand: 16.09.2022 11:51 Uhr

Nach mehr als einem Jahr steigen die Auto-Zulassungszahlen in der Europäischen Union wieder. Im August wurden im Vergleich zum vergangenen Jahr 4,4 Prozent mehr Neuwagen zugelassen.

Die Autohersteller haben in der EU im August erstmals seit 13 Monaten wieder mehr Neuwagen ausgeliefert als vor einem Jahr. Im vergangenen Monat seien rund 650.000 neue Pkw angemeldet worden, ein Plus von 4,4 Prozent, teilte der europäische Herstellerverband ACEA heute mit. Noch im Juli war die Zahl der Pkw trotz des ohnehin niedrigen Vergleichszeitraums mit einem Minus von 10,4 Prozent rückläufig gewesen.

In Italien und Spanien war die Erholung danach stärker als in Deutschland und Frankreich. In Italien stiegen die Neuzulassungen um 9,9 Prozent, in Spanien um 9,1 Prozent. In Deutschland und in Frankreich fielen die Zugewinne moderater aus mit einem Plus von jeweils drei und 3,8 Prozent. Das Volumen sei aber weiterhin noch deutlich unter dem Niveau vor der Pandemie-Krise 2019.

Entspannung am Chip-Markt?

Als wichtigsten Effekt für die gestiegenen Zulassungszahlen macht Peter Fuß, bei EY zuständig für die Automobilbranche, die Entspannung auf dem Chip-Markt aus. Dadurch seien aktuell mehr Fahrzeuge verfügbar. Das eine sei es, ein Fahrzeug zu bestellen - eine Neuzulassung komme aber nur dann zustande, wenn das Auto auch angekommen sei. Fuß betont gegenüber tagesschau.de, dass sich die Lage am Chip-Markt zwar entspanne; Die Krise aber noch nicht vorbei sei.

Das ifo-Institut hatte erst kürzlich Zahlen zum Materialmangel in der deutschen Industrie bekanntgegeben. Die leidet noch immer unter den Engpässen, im August entspannte sich die Lage im Vergleich zum Vormonat jedoch leicht. Im Juli gaben 73 Prozent der Unternehmen an, unter Engpässen zu leiden, im August waren es noch 62 Prozent.

Dass die steigende Inflation Verbraucher dazu bewege, vor einer weiteren Teuerung mögliche Autokäufe vorzuziehen, das sieht Fuß jedoch nicht. Die Teuerung könne zwar eine Erwartungshaltung erzeugen, schnell noch zu kaufen. Den Kauf müsse man sich aber auch leisten können. Der Experte rechnet bei der höheren Belastung der Haushalte durch steigende Energiepreise eher mit einer Kaufzurückhaltung bei Automobilen als mit boomenden Zulassungszahlen.

VW mit größtem Rückgang

Von Januar bis August beläuft sich das Minus danach auf knapp zwölf Prozent bei fast sechs Millionen Neuzulassungen. Besonders stark betroffen zeigten sich Italien (minus 18,4 Prozent) und Frankreich (minus 13,3 Prozent).

Von den deutschen Marken büßte der europäische Marktführer Volkswagen am meisten ein mit einem Rückgang um 19 Prozent seit Jahresanfang. Der Marktanteil verringerte sich um einen Prozentpunkt auf 10,9 Prozent. Von den drei Premiumherstellern übergab BMW von Januar bis August 404.000 Autos an Kunden, ein Rückgang um fast 13 Prozent (Marktanteil 6,7 Prozent).

Bei Mercedes-Benz lag das Minus bei 6,8 Prozent, der Marktanteil verbesserte sich leicht auf 5,8 Prozent. Die Volkswagen-Tochter Audi verkaufte zehn Prozent weniger Neuwagen und stabilisierte ihren Anteil bei fünf Prozent.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 16. September 2022 um 12:40 Uhr.