Mähdrescher bei der Getreide-Ernte | Bildquelle: dpa

Ernteprognose des Bauernverbands Ernte wegen Dürre noch schlechter als erwartet

Stand: 01.08.2018 13:13 Uhr

Die Getreideernte soll in diesem Jahr noch schlechter ausfallen als befürchtet. Statt 41 seien es schätzungsweise 36 Millionen Tonnen, teilte der Bauernverband mit. Agrarministerin Klöckner versprach rasche Hilfen.

Angesichts der Dürre in vielen Regionen Deutschlands erwarten die Bauern eine noch schlechtere Getreideernte als bisher befürchtet. Statt zunächst geschätzter 41 Millionen Tonnen sei nur mit einer Menge von rund 36 Millionen Tonnen zu rechnen, teilte der Bauernverband in einer neuen Zwischenbilanz der laufenden Ernte mit.

"Viele Bauern brauchen jetzt eine schnelle Unterstützung", forderte Bauernpräsident Joachim Rukwied. "Die aus unserer Sicht eindeutigen Zahlen lassen eine grundsätzliche Entscheidung über Dürrehilfen schon jetzt zu." Die Voraussetzungen für Finanzhilfen der Länder in besonders betroffenen Regionen seien klar erfüllt. Rukwied sprach von einem "katastrophalen Ausmaß der Dürreschäden". Die Mengen blieben deutlich hinter den ohnehin geringen Erwartungen zurück.

Im vergangenen Jahr waren 45,6 Millionen Tonnen Getreide eingefahren worden. Wegen geringer Ertragsausichten und Sorgen um eine ausreichende Futterversorgung hätten einige Betriebe Getreide gehäckselt. Auch bei Mais zeichneten sich Einbußen ab.

Die aktuelle Prognose enthält in großem Umfang auch tatsächliche Erntemengen. Wegen Hitze und Trockenheit vor allem im Osten und Norden drohen Ausfälle auch bei Gras als Tierfutter. Der Bauernverband forderte bereits rasche Nothilfen von möglichst einer Milliarde Euro.

Bund will amtliche Erntebilanz abwarten

Bundesagrarministerin Julia Klöckner informierte das Kabinett über die aktuelle Lage. "In vielen Regionen haben wir massive Futterknappheit", sagte sie nach der Sitzung. Deswegen sei es vereinzelt zu Notschlachtungen gekommen. Sie habe die Bundesländer aufgefordert mitzuteilen, wie den Haltern von Rindern und Schweinen kurzfristig geholfen werden könne. An diesen Landeshilfen werde sich der Bund beteiligen. Zuständig für Finanzhilfen sind zuerst die Länder. An diesen Landeshilfen werde sich der Bund aber beteiligen, kündigte Klöckner an.

Über Hilfen für Bauern, die wegen der Trockenheit mit starken Einbußen bei der Ernte rechnen müssen, will die Bundesregierung aber erst nach Vorliegen des Ernteberichts Ende August entscheiden. Klöckner machte deutlich, dass sie fundierte Daten abwarten will, ehe zusätzliches Steuerzahlergeld eingesetzt wird. Es sei richtig, die Ernte abzuwarten "und dann zu entscheiden, wie viel Geld fließen muss", sagte auch Unionsfraktionschef Volker Kauder der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er betonte mit Blick auf die "Ausnahmesituation" indes auch: "Wir sollten nicht kleinlich sein."

Landwirte offenbar sehr unterschiedlich betroffen

Am Dienstag hatten Experten von Bund und Ländern bereits eine erste Bestandsaufnahme vorgenommen. Dabei sei klar geworden, dass die Landwirte in Deutschland sehr unterschiedlich betroffen sind, "aber insbesondere die Hitzewelle der letzten drei Wochen die Situation überall extrem verschärft hat", hieß es danach. "Wir waren uns einig, dass die Länder jetzt die notwendigen Daten so schnell wie möglich liefern, denn nur dann kann der Bund auch schnell handeln", sagte der Parlamentarische Staatssekretär Michael Stübgen (CDU).

Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte angesichts der Dürre einen Wandel hin zu einer naturschonenderen Bewirtschaftung. Landwirte seien in weiten Teilen des Landes hart betroffen, "gleichzeitig aber auch Teil des Problems", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Das Prinzip, Lebensmittel zu Dumpingpreisen in Massen zu produzieren, hat ausgedient."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2018 um 12:00 Uhr.

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