Neubau von Mehrfahmilienhäusern in Hamburg | dpa

Kosten des Wohnens Ist bald Schluss mit immer teureren Immobilien?

Stand: 18.03.2021 12:31 Uhr

Wohnraum verteuert sich weiter. Doch einiges deutet darauf hin, dass das Ende des Immobilienpreis-Booms in Sicht ist - zumindest in einigen deutschen Metropolen.

Von Oliver Feldforth, HR

Seit Jahren gehen die Wohnungspreise in den Ballungsräumen immer nur nach oben. Dem aktuellen Wohnatlas der Postbank zufolge wurden in mehr als 94 Prozent aller deutschen Landkreise und kreisfreien Städte Wohnimmobilien im vergangenen Jahr teurer. "Corona und die Erfahrung des Lockdowns haben bei vielen Menschen den Wunsch nach Wohneigentum noch verstärkt", sagt Eva Grunwald, Leiterin Immobiliengeschäft Postbank. Durchschnittlich kosteten Eigentumswohnungen bundesweit demnach inflationsbereinigt 9,6 Prozent mehr als 2019.

Oliver Feldforth

München drittteuerste Stadt Europas

Damit könnte es zumindest in München und Frankfurt bald vorbei sein, glauben die Experten der Deutschen Bank. Die deutschen Wohnungspreise seien teilweise auf internationales Niveau gestiegen, so eine Studie der Deutsche Bank Research. Die teuerste Stadt Deutschlands sei München, mit Quadratmeterpreisen außerhalb der Innenstadt von rund 8400 Euro die drittteuerste Stadt Europas und nach Hongkong, Paris und Genf global auf Rang vier weltweit.

Geprüft haben die Immobilienexperten der Bank, wie sich in den kommenden Jahren auf der Angebotsseite die leicht steigende Zahl von fertiggestelltem Wohnraum zu der Nachfrageseite mit Einwohnerzahl und Menschen pro Wohneinheit verhält. In den A-Lagen, also guten Innenstadtlagen in den Metropolen, wird nach Einschätzung der Banker die Nachfrage noch viele Jahre das Angebot übertreffen, während es in der Peripherie in etwa zwei Jahren zum Ausgleich kommen werde.

Bei den Preisen für Immobilien ist es andersherum. "Die Preise in Innenstadtlagen der großen Städten sind in den vergangenen Jahren so stark gestiegen, dass dort nur noch wenig Luft nach oben ist", so Studienleiter Jochen Möbert, Volkswirt bei Deutsche Bank Research. "Die Preise für die Randlagen, beispielsweise im Speckgürtel von Hamburg haben hingegen aber noch mehr Steigerungspotential."

Steigendes Interesse am Landleben

Die demografische Entwicklung sieht Andreas Pfnür von der TU Darmstadt als einen der Gründe für ein Ende des Immobilienpreis-Booms. Der Fachmann für Immobilienwirtschaft sieht in naher Zukunft eine sinkende Nachfrage sowohl für Gewerberaum, aufgrund des Fachkräftemangels aber auch für Wohnraum in zentralen Lagen. Das liege am Wunsch, attraktiv, aber nicht unbedingt zentral, sondern durchaus eher ländlicher zu leben und dennoch nahe am Wohnort zu arbeiten.

Das verstärkte Arbeiten zu Hause führe zu einer Trendumkehr bei der Urbanisierung. "Der ländliche Raum wird stärker nachgefragt", so Pfnür. "Wir haben nicht zu wenig Wohnraum in Deutschland, sondern er lag bis jetzt am falschen Ort." Das könne sich jetzt ändern.

Kerstin Hennig, Professorin für Real Estate an der EBS Universität in Wiesbaden, ist da zurückhaltender. Der Flächenbedarf - auch bei den gewerblich genutzten Immobilien - werde nur leicht zurückgehen, glaubt sie. "Trotz Homeoffice brauchen wir Austauschräume beim Arbeiten, sonst kann der kreative, inspirierende Funken nicht fliegen", sagt sie.

Berlin auf dem Weg zur globalen Metropole

Eine Ausnahme ist nach Ansicht der Deutsche Bank-Experten die Hauptstadt. "Berlin ist auf dem Weg, eine globale Metropole zu werden", so Jochen Möbert. Da seien die gegenwärtigen Immobilienpreise dort noch regelrecht günstig.

Wohnhäuser in Berlin mit dem Fernsehturm im Hintergrund | dpa

Die Preise in Berlin halten Immobilienexperten immer noch für vergleichweise günstig. Bild: dpa

Neue Umweltauflagen, auch durch das neue "Gebäude-Energie Gesetz", könnten die Baukosten weiter nach oben treiben, so dass Investoren kalte Füße bekommen. Steigende Kosten könnten aber nicht mehr über hohe Preise wieder hereingeholt werden. Das Ausweichen auf das Land ist jedoch eine Alternative, die auch Pfnür sieht.

So spricht vieles dafür, dass der vermeintlich unaufhaltsame Anstieg der Immobilienpreise doch bald zu einem Ende kommen könnte. Zumindest für ein paar Jahre. Denn wer weiß, ob der Trend zum Homeoffice und zum Arbeiten im heimischen Quartier anhält.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. März 2021 um 14:00 Uhr.