Zahlreiche Lkw stehen vor dem Hafen von Dover im Stau. | dpa

Brexit-Verluste Britische Fischhändler werden entschädigt

Stand: 20.01.2021 12:59 Uhr

Lange Lkw-Staus an britischen Häfen: Wegen neuer Zollbestimmungen nach dem EU-Austritt kommt es bei Ausfuhren zu starken Verzögerungen. Frische Ware, wie Fisch, verdirbt. Die britische Regierung will nun helfen.

Um die Export-Verluste der Fischhändler auszugleichen, will die britische Regierung ihnen insgesamt 23 Millionen Pfund (circa 26 Millionen Euro) Schadenersatz zahlen. Kleine und mittlere Unternehmen, die seit dem 1. Januar 2021 von Lieferschwierigkeiten betroffen sind, können bis 100.000 Pfund (circa 113.000 Euro) beantragen, wie die Regierung mitteilte.

Neue bürokratische Hürden, wie aufwändige Zollerklärungen, Fang- und Gesundheitsbescheinigungen, haben seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU zu starken Verzögerungen bei den britischen Ausfuhren geführt. Laut britischem Hafenverband mussten sogar fünf Prozent aller Lkw an der Grenze umkehren - wegen inkorrekter Papiere. Vielen Händlern von Fisch und Meeresfrüchten verdirbt die Ware, bevor sie europäisches Festland erreicht.

"Wir arbeiten weiterhin eng mit den Sektoren Fischerei und Aquakultur zusammen, um sicherzustellen, dass sie unterstützt werden und weiterhin fischen können, denn sie tragen zur Wirtschaft unserer Küstengemeinden bei", sagte Umweltminister George Eustice.

Schottische Fischer demonstrieren

Von den Verzögerungen betroffen sind vor allem schottische Unternehmen, da sie den Großteil der Branche ausmachen. Sie hatten am Montag mit ihren Lastwagen im Londoner Regierungsviertel für Hilfen demonstriert. Laut dem Verband Scotland Food & Drink Association könnten Exporteure derzeit mehr als eine Million Pfund pro Tag verlieren.

Die schottische Regionalregierung begrüßte grundsätzlich die neuen Hilfen aus London, verwies aber darauf, dass nicht alle betroffenen Betriebe davon profitieren könnten - und forderte Nachbesserungen.

Auch andere Branchen betroffen

Probleme gibt es auch in anderen Bereichen. So klagt die britische Schweinebranche, dass Tonnen von Schweineköpfen für die Produktion von Würsten und Pasteten in niederländischen Häfen feststeckten.

Die Behörden dort fordern offenbar, dass sie auf Krankheiten getestet werden. "Diese Lebensmittel sind bereits verkauft worden, aber können aufgrund der Bürokratie und missverständlichen Regeln (...) ihr Ziel nicht erreichen", sagte David Lindars vom Verband der britischen Fleischproduzenten.