Eine Hand hält ein Stethoskop über einem Tisch | dpa

Wegen Energiepreiskrise Gassen warnt vor Praxis-Schließungen

Stand: 15.10.2022 17:05 Uhr

Praxisräume müssen beheizt und medizinische Geräte mit Strom betrieben werden - aber die Kosten steigen. Kassenärzte-Chef Gassen warnt, Ärzte könnten ihre Praxen schließen. Von den gesetzlichen Krankenkassen gibt es Kritik.

Wegen der stark gestiegenen Energiepreise könnte sich die ärztliche Versorgung in Deutschland verschlechtern, warnt Andreas Gassen, der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Auch für die Praxisräumen stiegen die Strom- und Heizkosten.

"Wenn die Heizkosten für die Praxisräume massiv steigen, wenn sich Stromkosten etwa für Radiologen verfünffachen oder sogar verzehnfachen, dann stellt sich die Frage, ob zum Beispiel MRT-Untersuchungen noch wirtschaftlich durchführbar sind", sagte Gassen den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Frühe Rente für Hausärzte

Bei den Hausärzten sei ein Drittel über 60 Jahre alt. Wer am Ende seiner Berufslaufbahn stehe, könne deshalb früher als geplant die Mietverträge nicht verlängern und aufhören, so Gassen.

Die krisenbedingten Praxisschließungen könnten im nächsten oder übernächsten Jahr zu spüren sein. "Und das in einer Lage, wo wir jetzt schon viele Praxen nicht nachbesetzen können. Die wohnortnahe Versorgung ist dann noch stärker gefährdet", sagte Gassen.

Kritik von den Krankenkassen

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) kritisierten Gassens Aussagen. Die "Unkenrufe" verunsicherten Millionen von Patienten, sagte Florian Lanz, Sprecher des GKV-Spitzenverbandes, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.

Praxisbesitzer erhielten pro Jahr im Durchschnitt weit über 200.000 Euro Reinertrag, Radiologen sogar mehr als 400.000 Euro. "Es steht bereits fest, dass das Ärzte-Gesamthonorar im kommenden Jahr um 1,4 Milliarden Euro steigt", so Lanz. Das seien rechnerisch 11.000 Euro pro Arzt mehr.

Die Ärzte sollten lieber "diesen Honorarzuwachs, den Millionen Menschen durch ihre Krankenkassenbeiträge finanzieren, würdigen, statt reflexhaft nach noch mehr zu rufen", so Lanz.