Windräder vor blauem Himmel, am Boden sieht man eine Solaranlage. | Bildquelle: dpa

Erneuerbare Energien Auch ungenutzter Strom kostet

Stand: 11.12.2018 09:04 Uhr

Das Jahr begann stürmisch und dann kam viel Sonne: perfekt für Betreiber von Windrädern und Solaranlagen. Doch alles, was an Ökostrom zu viel produziert wird, wird teuer - auch für die Kunden.

Die Überproduktion an Ökostrom kommt Verbraucher 2018 teuer zu stehen. Einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" zufolge fallen Hunderte Millionen Euro an Kosten an.

Bezahlt werden muss der Strom, der aus Erneuerbaren Energiequellen gewonnen, aber dann nicht ins Stromnetz eingespeist wird. Für diese Überproduktion steht den Betreibern von Windkraft-, Photovoltaik-Anlagen oder Anbietern von Biomasse, aus der Strom gewonnen wird, eine Entschädigung zu - und die tragen die Kunden der Stromanbieter.

Kosten nehmen immer mehr zu

In diesem Jahr werden die Entschädigungssummen wesentlich höher ausfallen als 2017, prognostiziert die Bundesnetzagentur. Allein im ersten Quartal stieg der Anspruch der Ökostrom-Erzeuger um mehr als 60 Prozent: von 142 Millionen Euro auf 228. Insgesamt standen den Erzeugern im vergangenen Jahr rund 610 Millionen Euro zu, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 237 Millionen Euro.

Und im kommenden Jahr droht sich die Summe noch weiter zu erhöhen. Entschädigt werden die Ökostromlieferanten nämlich auch, wenn ihre Anlage zwar betriebsbereit, aber noch gar nicht ans Netz angeschlossen ist. 2019 werden laut Netzagentur allein für Windräder auf See ohne Netzanschluss Kosten von 144 Millionen Euro anfallen.

Die Vorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, kritisierte im Interview mit der "Augsburger Allgemeinen" die Verschwendung von Ökostrom, "weil klimaschädlicher Kohlestrom die Netze verstopft". Sie forderte alternative Verwendungsmöglichkeiten für die Überkapazitäten, etwa zum Heizen oder im Verkehrsbereich.

Rekord an Ökostrom

Dem Stromanbieter E.ON zufolge steuert Deutschland in diesem Jahr auf eine Rekordproduktion von Ökostrom hin. Berechnungen zufolge werde in dieser Woche der Stromgewinn aus Erneuerbaren Energiequellen das Niveau des gesamten Vorjahres übersteigen. "Bis Jahresende rechnen wir mit mehr als 200 Milliarden Kilowattstunden erzeugtem und eingespeistem Strom aus erneuerbaren Energien - rund fünf Milliarden mehr als 2017 und so viel wie nie zuvor", sagte Victoria Ossadnik, Vorsitzende der Geschäftsführung von E.ON Deutschland.

Der Grund: Die Stürme im Januar dieses Jahres brachten besonders viel gewonnene Energie durch Windräder, vor allem an der Küste. Und die ausgiebigen Sommermonate ließen die Stromerzeugung über Solaranlagen in die Höhe schnellen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2018 um 09:00 Uhr.

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