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Energiekonzern EnBW Von der Kohle zur Klimaneutralität

Stand: 05.05.2021 17:16 Uhr

Bei der Energiewende setzt sich der Stromriese EnBW ehrgeizige Ziele. Doch bis der Konzern komplett auf fossile Energien wie Kohlekraft verzichtet, dürfte noch einige Zeit vergehen.

Von Luca Rizzelli, SWR  

Auf dem eigenen Instagram-Profil scheint EnBW schon längst in der emissionsfreien Zukunft angekommen zu sein. Windräder, Solaranlagen und Ladestationen für E-Autos soweit das Auge reicht. Keine Spur von Steinkohle und Atomenergie, obwohl beides die Geschichte des Energiekonzerns über Jahrzehnte geprägt hat.

Auf der Hauptversammlung unterstrich Konzernchef Frank Mastiaux nun dieses Selbstbild. Die angepeilten Ziele seien übererfüllt, vor allem bei der Energie aus Wind und Sonne habe die EnBW deutlich zugelegt.

Frank Mastiaux | dpa

Konzernchef Frank Mastiaux sieht EnBW beim der Neuausrichtung hin zu erneuerbaren Energien auf einem guten Weg. Bild: dpa

Weitere Investitionen in erneuerbare Energien

Die Veränderung hin zu mehr regenerativer Energie ist nicht von der Hand zu weisen. Ein Blick in den aktuellen Geschäftsbericht macht die Veränderung deutlich. Seit 2012 hat sich der Anteil der erneuerbaren Energien mehr als verdoppelt und macht aktuell rund 39 Prozent des Energiemixes aus. Außerdem möchte EnBW in den nächsten Jahren weitere vier Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren.

Auch über die kommenden Jahre hinaus hat sich der Konzern ambitionierte Klimaziele gesetzt. Bis 2025 soll der Anteil der Erneuerbaren 50 Prozent ausmachen. Bis 2035 will EnBW den vollständigen Ausstieg aus der Kohle vollzogen haben.  

Fukushima als Zäsur  

Doch der Druck zur Veränderung kam von außen. Nach dem Schock der Reaktorkatastrophe in Fukushima beschloss die Bundesregierung 2011 den Atomausstieg. Die deutschen Energiekonzerne mussten sich neu aufstellen. Zwei von vier Atomkraftwerken musste EnBW noch im gleichen Jahr abschalten.

Von einem Schock spricht Gregor Kungl, der sich für die Universität Stuttgart mit den Umbrüchen in deutschen Energiekonzernen beschäftigt. "Spätestens mit Fukushima war den Energiekonzernen endgültig klar: Es sind andere Zeiten, wir müssen uns anders ausrichten und die Neuausrichtung zu erneuerbaren Energien beschleunigen", sagt der Experte.

Nach einem Abrutschen in die roten Zahlen verdaute EnBW den Schock und nahm die politisch gewollte Energiewende an. In den folgenden Jahren setzte der Konzern mehr und mehr auf regenerative Energien.  

Hohe Abhängigkeit von "konventionellen" Energiequellen

Obwohl EnBW in den vergangenen Jahren stark in die erneuerbaren Energien investiert hat, macht ein Blick auf die Unternehmenszahlen deutlich: ohne fossile Brennstoffe geht es nicht. Rund die Hälfte macht der Anteil von Kohle, Gas und Kernkraft am Energiemix von EnBW aus. Auch langfristig werden konventionelle, also fossile Energiequellen, nicht wegzudenken sein. Auf der Website des Unternehmens heißt es dazu:  

 Für das Gelingen der Energiewende werden auch konventionelle Kraftwerke auf längere Sicht unverzichtbar sein.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßt die ehrgeizigen Ziele des Energiekonzerns beim Thema regenerative Energien. Die Haltung von EnBW zu den fossilen Brennstoffen sieht der BUND allerdings kritisch. "Kraftwerke, die Kohle, Erdöl oder Erdgas verfeuern, haben in einem zukunftsfähigen Energiesystem nichts verloren", so die Organisation. "Wenn die EnBW die eigenen Ziele ernst nimmt, schaltet sie alle fossilen Kraftwerke bis Anfang der 2030er-Jahre ab." 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Mai 2021 um 18:11 Uhr.