Blick unter die Motorhaube in einem Elektromini.

Fragen und Antworten Wie umweltfreundlich sind Elektroautos?

Stand: 04.05.2010 00:41 Uhr

Startschuss Elektromobilitäts-Gipfel: Die Bundesregierung will Deutschland zum Leitmarkt für Elektroautos machen. Doch ist die Technik dafür schon ausgereift? Wo liegen die Vorteile, wo die Nachteile batteriebetriebener Autos? Und wie umweltfreundlich sind sie wirklich? tagesschau.de gibt Antworten.

Was ist ein Elektroauto?

Das "reine" Elektroauto fährt ausschließlich mit elektrischem Strom: So führen Elektroautos ihre Antriebsenergie in Form von aufladbaren Akkumulatoren im Fahrzeug mit. Der Akku versorgt den Motor mit Energie, der Motor treibt wiederum die Räder an. Daneben gibt es noch eine Reihe von so genannten "Hybridfahrzeugen", in denen elektronische Antriebe mit Kraftstoffantrieben kombiniert sind.

Durch elektrische Energie angetriebene Fahrzeuge gibt es schon seit langem. In der Frühzeit der Automobile waren Elektroautos den Autos mit Verbrennungsmotor sogar überlegen: Damals war der Wirkungsgrad von Elektromotoren höher als der von Verbrennungsmotoren. Bis in das Jahr 1905 hinein hielt dieser technische Vorsprung der Elektroautos an. Erst danach wurden Fahrzeuge mit Elektromotor schrittweise von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verdrängt: Die mit schweren Akkus beladenen Elektroautos konnten mit der immer höheren Reichweite von Fahrzeugen mit Kraftstoffmotoren nicht mehr mithalten. Ins Gewicht fällt dabei auch, wie die Elektrizität hergestellt und transportiert wird, bevor sie in der Batterie des Elektroautos landet. Vergleicht man jedoch den "reinen" Wirkungsgrad von Elektro- und herkömmlichen Autos, hat das Elektroauto die Nase weit vorn.

Wo liegen die Vorteile von Elektroautos?

Der Elektroantrieb bietet gegenüber dem weit verbreiteten Antrieb mit Verbrennungsmotoren einige Vorteile: So stoßen Elektroautos kein CO2 aus - in Zeiten des Klimawandels das Hauptargument für die batteriebetriebenen Fahrzeuge. Außerdem verbrauchen Elektroautos kein Benzin oder Diesel, ihr Betrieb ist also unabhängig von den Preisen auf dem weltweiten Ölmarkt. Darüber hinaus fahren Elektroautos fast lautlos. Viele sehen im Elektroauto aus diesen Gründen eine umweltfreundliche Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren.

Elektroauto Nissan "Leaf"

"Zero Emission" prangt auf den Türen von Nissans Elektroauto "Leaf": Elektroautos stoßen kein CO2 aus.

Ein weiterer Vorteil besteht in den geringen Betriebskosten: Eine Strom-Betankung kostet je nach Stromtarif sowie Verbrauch etwa 1,50 Euro für 100 Kilometer Fahrt.

Wo liegen die Nachteile von Elektroautos?

Den Vorteilen stehen eine Reihe von Nachteilen gegenüber: Ein großer Nachteil besteht in der geringen Reichweite von Elektrofahrzeugen. Trotz vieler Fortschritte in der Batterietechnologie in den letzten Jahren fährt ein voll aufgeladenes Elektroauto derzeit in der Regel kaum weiter als 100 bis 200 Kilometer. Zum Vergleich: Ein Auto mit Verbrennungsmotor kommt mit einer Tankfüllung 500 bis 900 Kilometer weit. Wenn das Benzin noch für etwa 50 Kilometer reicht, geht bei konventionellen Autos bereits die Warnleuchte an.

Nachteilig ist auch die hohe Ladezeit der Batterien, die - je nach verwendetem Batterietyp - derzeit bis zu zehn Stunden beträgt. Darüber hinaus verringert wiederholtes Laden und Entladen der Batterien ihre Kapazität. Abhängig von Typ und Beanspruchung verfügen Batterien heutiger Elektroautos über eine recht kurze Lebensdauer von nur circa drei bis fünf Jahren. Zudem mangelt es noch an der nötigen Lade-Infrastruktur: Ein deutschlandweites Netz an Stromtankstellen existiert nicht. Für längere Reisen ist das Elektroauto also kaum brauchbar. Damit bleibt ihm zunächst nur eine Nische: die Stadt. Aus diesem Grund setzen die meisten Automobilhersteller wie Mitsubishi oder Peugeot zunächst auf Elektroautos für Metropolen.

Ein weiterer Nachteil: Die Batterien sind viel zu teuer, als dass Elektroautos preislich schon für eine breite Käufergruppe attraktiv wären. So müssen pro Kilowattstunde (kWh) Speicherkapazität eines modernen Lithium-Ionen-Akkus derzeit Herstellungskosten von 600 bis 800 Euro veranschlagt werden. In dem letztes Jahr auf der IAA vorgestellte Elektro-Smart ist eine Batterie mit 14 kWh Speicherkapazität verbaut. Alleine die Batterie kostet hier bereits rund 10.000 Euro.

Wie umweltfreundlich sind Elektroautos wirklich?

Zwar stoßen Elektroautos selbst kein CO2 aus, allerdings verbrauchen sie Strom - und der wird beim heutigen Strommix auch von CO2-emittierenden Kohlekraftwerken produziert. Damit sind Elektroautos nicht vollkommen CO2-frei, im Gegenteil: Viele Experten bescheinigen dem Elektroauto eine schlechtere Umweltbilanz als dem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor. Beispiel Elektro-Mini: Im vergangenen Jahr schickten Mini-Mutterkonzern BMW und Stromversorger Vattenfall in Berlin 50 Elektro-Minis auf die Straßen, um deren Alltagstauglichkeit zu testen.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace rechnete aus, dass jeder der 50 Elektro-Minis aufgrund der Kohlekraftwerke von Stromversorger Vattenfall 133,5 Gramm CO2 pro Kilometer ausgestoßen hat. Das sind fast 30 Prozent mehr als der mit einem Verbrennungsmotor ausgestattete Mini Cooper D emittiert.

Dem widersprechen sowohl BMW als auch Vattenfall. Eine Vattenfall-Sprecherin zu tagesschau.de: "Der Strom für die Minis ist zertifizierter Ökostrom. Die Fahrzeugen fahren CO2-frei."

Trotzdem kritisieren mehrere Umweltverbände die Förderung des Elektroautos durch die Regierung. "Die Bundesregierung versucht im Schulterschluss mit der Industrie die Öffentlichkeit zu täuschen", sagte Wolfgang Lohbeck, verkehrspolitischer Sprecher von Greenpeace Deutschland. "Tatsächlich umweltfreundlich sind Elektroautos nur, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien kommt. Beim jetzigen Strommix in den deutschen Netzen sind die Fahrzeuge aber sogar eher schlechter als ein vergleichbares herkömmliches Auto", so Lohbeck. Wirkliches Potenzial zur Einsparung von Kohlendioxid bestehe auf absehbare Zeit nur bei Autos mit Benzinmotor. Hier müssten die Autokonzerne weiterarbeiten.

Wolfgang Lohbeck

Greenpeace-Verkehrsexperte Wolfgang Lohbeck: "Die Bundesregierung versucht die Öffentlichkeit zu täuschen."

Mehrere Umweltverbände, darunter Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe (DUH), forderten deshalb die Bundesregierung dazu auf, die sparsamsten Autos unabhängig der Technologie zu subventionieren. "Die Regierung soll die besonders sparsamen Fahrzeuge fördern und im Gegenzug Spritschlucker mit einer Strafsteuer belegen", sagte Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Wie steht die Bundesregierung zum Thema Elektroauto?

Mit dem Gipfel zur Elektromobilität will die Bundesregierung mit der Umsetzung des "Entwicklungsplans Elektromobilität" vom Herbst 2009 starten: Darin geht es unter anderem um die Erforschung von Batterie- und Speichertechnologien sowie den zügigen Ausbau einer Infrastruktur zum Stromtanken. Wichtigstes Ziel: Deutschland soll bis 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität werden. Bis dahin sollen eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen fahren - besonders in der Stadt. Zum Vergleich: Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts lag der Bestand von Elektroautos in Deutschland am 1. Januar 2010 bei knapp 1600 Fahrzeugen. Insgesamt gab es aber zu diesem Datum deutschlandweit über 41 Millionen Pkw.

Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Smart

Die Bundesregierung um Kanzlerin Merkel will Deutschland bis 2020 zum Leitmarkt für Elektromobilität machen.

Werden Elektroautos bereits serienmäßig produziert?

Fast jeder Autohersteller hat inzwischen ein Elektroauto im Programm. Meist handelt es sich dabei jedoch um Studien, Prototypen und Testmodelle, die die Hersteller auf Automobilausstellungen und anderen Messen präsentieren. Heute schon serienreife Elektroautos sucht man vergeblich. Viele Experten stehen daher dem von Bundesregierung und Automobilherstellern für die nahe Zukunft propagierten Massenabsatz von Elektroautos skeptisch gegenüber: Es werde "suggeriert, Elektroautos seien schnell verfügbar. Fakt ist aber, dass es zurzeit nur Kleinstserien gibt", sagte Gerd Lottsiepen, verkehrspolitischer Sprecher des Verkehrsclubs Deutschland (VCD).

Blick unter die Motorhaube in einem Elektromini.

Blick unter die Motorhaube eines Elektro-Minis.

Zusammengestellt von Ole Neugebauer für tagesschau.de